Unvereinbar

Sie schläft, er wacht.

Überhaupt keine gemeinsame Basisstation.

Sie weckt die Kinder im noch Nachtdunkel und sie entschwinden im Dunkel in den Tag.

Wenn sie auf der Arbeit schon Fälle bearbeitet hat, krabbelt er mit Decke aus dem Bett Richtung Kaffeeautomat.

Nach 11, 12 Stunden außer Haus warten Hausaufgabenfragen auf sie. Hungrige Kinder, Elternabende, Termine und trotzdem Geldsorgen.

Er arbeitet am Wochenende, dafür muss man Verständnis haben.

Sie powert sich mit schlechtem Gewissen aus.

Drei Brillanten sind die schönste Lebensaufgabe.

Niemand hat gesagt, dass es einfach würde.

Das Leben ohne ihn ist grauer Nebel.

Aber mit ihm zu viel Unvereinbarkeit.

 

 

Weiter so? – Nein!

Wie unendlich herbeigesehnt diese Osterpause ist!

Kein Deko-Gedöns, keine Termine, nicht mal aufwändiges Essen. Einfach mal dezidiert nichts tun. Nur die freie Zeit genießen, nicht mal putzen, gerade mal 4 Mahlzeiten pro Tag ausstaffieren – fertig.

Arbeit …

… eine Mischung aus Festanstellung und Freelancer. Es schlaucht sehr und die Bilanz nach grob einem Jahr fällt durchwachsen aus. Sehr durchwachsen.

Durch die Pendelei kostet die Festanstellung viel Zeit. Sie garantiert aber ein Grundeinkommen und eine Krankenversicherung für die Familie. Das Gehalt reicht nicht zum Auskommen (für vier Personen), also muss an den anderen Tagen auch Geld verdient werden. (Unterhalt kommt nur ganz gelegentlich in unkalkulierbaren Bröckchen, was bedeutet: kalkulieren wie ohne Unterhalt.) ((Die Konditionen der Anstellung sind nicht verhandelbar, schon probiert. Entweder so oder nicht.))

Die Umstände ermöglichen nur schlecht bezahlte Aufträge, die immerhin mit der wenigen, verbleibenden Energie machbar sind, im Gegensatz zu tolleren, besser bezahlten Projekten. Und sie fressen ebenfalls viel Zeit. (In der Summe VZ Arbeit und mehr, aber ein unregelmäßiges und unbefriedigendes Einkommen.)

Während das Hamsterrad läuft, hier also seit Herbst bis jetzt durchgehend, kommt Mamamotzt überhaupt nicht zum effektiven Nachdenken. Irgendwas ist immer und man braucht einen echten Abstand zu den Dingen, die man mal aus einer anderen Perspektive betrachten muss/möchte.
Also die Gesamtsituation, die Arbeits- und Familiensituation in diesem Fall. Besonders, wenn man absolut alleine überlegen muss und maximal die eigenen Kinder als Gedanken-Sparringspartner hat.

Die Brillanten an sich kamen in diesem letzten Jahr viel zu kurz. Bei allem Lerneffekt, den es dabei auch gibt.
Es gibt hier nichts und niemanden, der Mamamotzt unterstützt, und wenn sie nicht die Hausaufgaben überwacht, tut es niemand. Wenn sie nicht für Arbeiten übt oder Vokabeln abfragt, macht es niemand. Das sieht man auf den Zeugnissen. Wenn sie nicht zeigt, wie XYZ funktioniert, dann tut es niemand. Alles, was Mamamotzt nicht tut, passiert nicht. Putzen, erziehen, zuhören, die Welt erklären.
(Im Freundeskreis der Brillanten gibt es bereits erschreckende Beispiele, was dadurch passieren kann!)

Mamamotzt ist leider keine Heldin sozialer Netze im real life, hat aber ein Händchen für falsche Charaktere. (Viel versprochen, schon gebrochen …)

Die Brillanten stellen keinen Unsinn an, wenn Mamamotzt nicht zu Hause ist, aber das ist auch schon alles. Sie hängen lethargisch herum und tun … nichts.
Trilliarden vertane Chancen!

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Blöd, dass ihr nicht mal ein Ziel klar ist. Will Mamamotzt mehr Zeit für die Brillanten, egal, was es kostet? Will sie gerne wieder anspruchsvolle Tätigkeiten ausführen und weg von den Hilfsjobs? Wäre sie bereit, sich von irgendwas oder irgendwem abhängig zu machen, um (Familien-)Zeit zu gewinnen? Welchen Schritt würde sie als erstes gehen? Wie wichtig ist ihr das komplett weggebrochene eigene Sozialleben? Ist es auf Dauer ok., abends nur noch ins Bett zu wollen und als einziges Ziel für freie Stunden zu haben, bloß Ruhe haben zu wollen, keinen Menschen sehen zu wollen und möglichst nichts zu machen?

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Eine gute Grundsatzfrage ist in Momenten, in denen im Leben irgendwas nicht richtig erscheint, oder falsch oder untragbar, folgende:

Kannst du dir vorstellen, noch ein/fünf / Jahr/e genauso zu leben? 

Antwort lautet: definitiv nicht!

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So! Es muss sich also etwas ändern.

Aber: wo anfangen?

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Ganz privat gibt es natürlich Faktoren, die selbst hier nicht thematisiert werden, die aber eine Rolle spielen. Wahrscheinlich nicht mal unerheblich. Die „zu beackern“ ist einzig Mamamotzts Aufgabe. Und ohne Kenntnis derer sind eigentlich alle möglicherweise eingehenden Ratschläge oder Hinweise vergeblich.
Also, ein Like unter dem Beitrag ist ok, aber alles andere kostet leider nur kostbare Leserlebenszeit. 😉
:-*

Dilemma

Seit ´ner Woche ist Mamamotzt jetzt ordentlich angeschlagen. Schnappt nach Luft, krächzt herum und klagt über „zu-e Ohren“, auf denen Druck ist. Verläuft irgendwie ganz anders, als sonst bei ihr bekannt, dieser Rotz. Die üblichen Maßnahmen brachten keine Linderung.

Inzwischen ist es anstrengend, die Laune sinkt, sie fühlt sich matt. Aber nicht richtig krank (Kopf noch nicht unterm Arm). Und wie alle Eltern wissen: solange der Rotz nicht frühlingsgrün schimmert, darf das Kind in den Kindergarten. Also darf vermutlich Mama auch zur Arbeit.

Sie hört oft (aber nicht immer) durch den Druck auf den Ohren schlecht. Doof in einem Job mit viel Kommunikation. Oft (aber nicht immer) ist die Stimme weg. Doof in einem Job mit viel Kommunikation.
Richtig gesund ist sie nicht. Aber krank irgendwie auch nicht. Kein Fieber.

Als ewig Selbständige ist es echt schwierig abzuschätzen, ob man zu gesund für krank ist, oder zu krank für gesund. Mit viel zusammenreißen kann sie ihre Aufgaben schaffen. Hm.

Sie hat jetzt gute fünf Monate in zwei Jobs durchgearbeitet, überwiegend auch an Wochenenden. Muss ja.
Heuer begannen Osterferien, nächste Woche hat sie Urlaub bekommen. Wissen die Kollegen doch.
Sieht das nicht nach Schwänzen aus, wenn sie sich krank meldet? Obwohl die Kollegen wissen, dass sie angeschlagen war?
Kann man die Kollegen überhaupt im Stich lassen, in der schmaler besetzten Ferienzeit? Da sind schon alle sehr pflichtbewusst und emsig, im guten Sinn.

Auf keinen Fall darf sie in Verdacht geraten zu hudern, auf keinen Fall will sie die Firma schädigen. Auf keinen Fall darf der Job in Gefahr geraten.

Die Alleinerziehende mit Selbständigkeitshintergrund wähnt sich in einem kleinen Dilemma.