Ein zufriedener Beitrag

Das Leben kann so schön sein. So schön smooth, so glatt.

Den Brillanten geht es gut, alle sind gesund, alles prima.

Die Tage werden länger, die Sonne schien jetzt einige Tage, man wohnt, man lebt, man freut sich. Weil man sich dessen bewusst ist.

Jemand sagt mit mitleidiger Stimme, in dem Alter der Brillanten seien die Jugendlichen ja auch schwierig.
Nö, hier nicht. Das können die sich gar nicht leisten. Mamamotzt ist zwar extrem lässig in vielen Dingen, aber da ist sie streng. Und kennt den Weg zur Haustür. Und würde ihn zur Not auch weisen.

Das liebe Geld

Aus Spaß hat sie eben noch einen Hartz IV-Rechner ausgefüllt, so, als ob sie nicht bienenfleißig erwerbstätig sei und über gar kein Einkommen verfügen würde. Eine einfache Version, ohne allzuviel Schnickschnack. 

Also entweder ist das viel Geld, der Rechner kaputt oder sie verdient ganz schön wenig. Der berühmte Satz: „Ohne Arbeit hätte ich mehr!“, er träfe mehr als zu. (Mit Hartz IV kann man ja auch Zuschussanträge für Klassenfahrten und Sportvereine stellen, wie geil wäre das denn?!) 

Trotzdem wird sie nicht hinrennen und den Rest beantragen, der der Familie vermutlich noch „zusteht“, im Gegenteil, es schüttelt sie alleine bei dem Gedanken. 
Und glücklicherweise ist sie in der Lage, ohne die bisherige Pflege schwerst Pflegebedürftiger „nebenbei“ sich um mehr freie Aufträge zu kümmern. Phasenweise mit Knochenjobs das monatliche Einkommen anzuheben. Und sie hat absolut keinen Nerv, dafür Quadratkilometer an Formularen auszufüllen, jeden Monat neu, weil sich das freie Einkommen ja verändert, und zu kontrollieren, wo ein „Groschen“ fehlt. 
Dafür aber noch einen Bewerbungsmarathon hinlegen zu müssen, um im Bezug zu bleiben. Nein, dann lieber manchmal verzichten und Suppe strecken. (Passiert nie, Suppe strecken. Verzicht ist wohl eher das Zauberwort.) 

Unabhängigkeit rulezzzz! 

Glücklicherweise sind die Brillanten groß genug, dass es einigermaßen hinhaut mit der vielen Arbeit = Abwesenheit, physisch und/oder psychisch. 

Erziehung nebenbei

Mamamotzt ist sicher nicht die erste Pädagogin ihrer Kinder, keine super Erzieherin oder ähnliches. Das extrem überhöhte Ideal, welches Eltern heute erfüllen wollen, ihre Kinder bis zum Erbrechen fördern oder maximal helikoptern (teils, ohne es zu wollen, ja, sogar ohne sich dessen bewusst zu sein), war eh nie ihres. Und sie kommt gepflegt nicht mal ihr eigenes, kleines Erziehungsideal heran.

Eine gewisse Menge Quantitätszeit mit dem Nachwuchs fällt zu oft unter den Tisch, weil Zeit und Nerven fehlen, noch ist bezahlter oder gar biologischer Ersatz zur Hand. Gemeinsame Mahlzeiten als fester Anker im Tag? Ha, ha, ha! Irgendwer ist immer nicht da, akut unterzuckert oder leider gerade satt. Schadeschadeschade, aber kaum zu ändern.

Die Brillanten wachsen auf, wie viele Milliarden Kinder vor und neben ihnen auf diesem Planeten: ohne Lob für jeden Schiss, einfach normal und nebenbei. Mittelstrukturiert und eilig geliebt, aber von Herzen!

Vieles, was sie können könnten, wird ihnen verwehrt bleiben, weil es nicht möglich ist. Das ist sehr bedauerlich. Bildungsbürgertum adé.
Aber vielleicht und hoffentlich haben sie Resilienzen gegen Unbill im Leben, weil sie erfahren haben: das Leben ist hart und ungerecht, aber mindestens ein Pfeiler ist unumstößlich. Mama. 

Ein ganz normaler Tag

Ein Kind bedankt sich für den schönen Tag heute (ein stinknormaler, aber es lief halt einfach mal alles so, wie man es für normal hält), ein Kind ist allmählich wieder gesund und für die Zeit seiner Krankheit konnte Mamamotzt bezahlt und versichert der Arbeit fernbleiben (ein einziger Fehltag, das Kind war natürlich länger krank, aber der Rest wurde anders abgefedert!), ein Kind wurde außerordentlich freundlicherweise von Bekannten zu einer kulturellen Veranstaltung mitgenommen, was sonst nicht möglich gewesen wäre.

Dankbar sein fällt eventuell viel leichter, wenn man materiell weniger hat. Dann fühlt man es besser.

Das Leben plätschert ruhig dahin

Das Leben plätschert derzeit ruhig dahin. Mehr hat sich Familie Mamamotzt lange nicht gewünscht. Ein Traum ist damit wahr geworden!

Einfach mal keine Katastrophen.
Vor allem einfach mal möglichst lange keine Entscheidungen als Laie über Leben und Tod mehr treffen müssen. Auch das Aus mit dem #Freund ist in der Nachbetrachtung eine Nachwehe dieses Traumas mit allen Folgewirkungen. Es ist wirklich ein Trauma, Pflege (zu Hause oder auch nicht zu Hause) kann einfach richtig scheiße sein und leider auch langanhaltende, unschöne Folgen ziehen.
Therapie? Nicht nötig. Manche Menschen machen sowas mit sich selbst aus, aber es braucht Zeit.

Die Familie ist stabil

Die Familie Mamaotzt ist derzeit stabil. So stabil wie lange nicht. Es fühlt sich einfach mal geschmeidig an.

Keine Dramen, weder beim Familienvorstand (Herzschmerz) noch bei den Brillanten (Freunde verursachen ja komischerweise häufig mehr Ärger als Freude …).

Möge es lange so bleiben.

THE END

 

 

P.S.: Eine fette Nachzahlung, die nicht mal verbrauchsabhängig ist (Grundsteuer B etc.) und ein häßliches Telefonat werden die positive und gechillte Stimmung jetzt auch nicht ändern!
Nimm das, Schicksal! Du kannst sie alle mal!

 

 

 

 

 

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Stimmung steigt

Nachdem der letzte Beitrag noch von Nikolausfrust geprägt war, kann Mamamotzt längst Linderung vermelden.

Weihnachten war superlustig, wenn auch irre schräg. Das bleiben Familieninterna. 😉
Auch Silvester war ruhig und gemütlich.

Mamamotzt hat komplett durchgearbeitet, während die Brillanten chillten, was das Zeug hielt.

Stressig wird es immer, wenn zum normalen Programm noch Kranke kommen, das war zwischenzeitlich auch der Fall, ein Kind laborierte eine Woche erheblich rum inklusive Krankenhaus. (Nisch so witzisch für Alleinerziehende ohne back up.) Dazu kam zeitgleich ein außergewöhnlich schwächelnder Pflegefall, den es zu versorgen galt. (Nisch so witzisch für Alleinerziehende ohne back up und mit kranken Kindern, fast drei Wochen schulfrei und VZ Arbeit.)
Und noch ein paar Beerdigungen. Darüber macht man keine Witze. Das ist einfach traurig. Wenn es irgend möglich ist, sollte man den Angehörigen und/oder dem Verstorbenen die letzten Ehre erweisen und der Beisetzung oder Trauerfeier beiwohnen. Das ist unermesslich trostspendend für die Hinterbliebenen und für einen selbst das allerletzte Mal, sich auf dieser Welt mit dem Verstorbenen „auseinanderzusetzen“. Danach kommt

nichts mehr. Nichts.

Gott sei Dank war wenigstens Ruhe von Seiten des Ex. Über Weihnachten und Neujahr kein Wort und kein Ton, kein Geschenk und kein Unterhalt.

So sieht das eben aus bei einem, dem nichts wichtiger ist, als die eigenen Kinder.

Inzwischen läuft wieder alles. Kind wieder gesund. Pflegefall wieder gesund. Die Toten zur Ruhe gebettet.

Mamamotzt lebt ein intensives LMAA (leck mich am Arsch), das entspannt. Viel Sport tut ihr gut.

Finanziell war der letzte Monat mit Jahresbeginn und allen Beiträgen etc. pp. natürlich too much für die Einnahmen, das muss jetzt wieder reingespart werden. Langfristig muss regelmäßig mehr Geld reinkommen. Die unregelmäßigen Einnahmen beinhalten den Nachteil der Unberechenbarkeit, z.B. der titulierte Mangelunterhalt, der irgendwann in beliebiger Höhe gezahlt wird.

Ja, auch 100 Euro Unterhalt für alle zusammen sind toll, aber fiktiv sind dreimal soviel tituliert für die drei Brillanten zusammen. Und tatsächlich soll sie nach Gesetzeslage in der Lage sein, trotz kompletten Alleinerziehens für vier Personen ausreichend Geld zu erwirtschaften, während ein Alleinstehender das nicht schafft?! Aus dem einzigen Grund, dass er leiderleiderleider nicht schafft?!

Kannze denken, watte willz, da is irgendwo n Fehler im System! #UVjetzt wäre daher wichtig!

Theoretisch hat Mamamotzt freie Wochenenden, weil sie sich den Status endlich erarbeitet hat. VZ Fünftagewoche, daber Wochenenden frei. Weil aber immer irgendwelche nicht zu delegierenden Dinge passieren, ist heuer doch mal wieder Wochenendschicht angesagt. Was irgendwie mit den privaten Terminen vereinbart wird. Das frustet irgendwie, denn Erholung kommt ja nicht vor.

Nach bald einer Dekade getrennten Lebens ist der Ex bis auf seine finanzielle Verantwortung, die er durch das Zeugen von Kindern übernommen hat, übrigens die Kinder betreffend kein Ansprechpartner für nichts mehr.

Jeder Gedanke an Entlastung durch ihn, weil er doch müsste, eigentlich sollte, es auch sein Job wäre: schwächt, ist überflüssig!

Die Brillanten sind endlich groß genug, dass es in weiten Teilen des Lebens ohne Hilfe von außen geht. Mamamotzt hat schon einen sehr weiten Weg geschafft.

 

LOVE YOU ALL, DEAR READER! HAPPY 2017!

Wo liegt das Problem?

Dauertief ist hier Normalpegel. Mamamotzt rutscht von einem ins nächste.

Schien zuletzt noch klar, dass die unerträgliche Pflegesituation eine extreme Belastung ist, unter der jeder zwangsweise Depressionen entwickelt, lautet die Frage nun: warum wird es nicht besser? Der Patient ist tot!

Zeit, genauer hinzuschauen

Mamamotzt ist nicht glücklich damit, immer und immer wieder die Bedürfnisse anderer Menschen oder Projekte über ihre eigenen und die der Brillanten zu stellen. Aber darin ist sie sehr geschickt und ausdauernd.
Das scheint ein anerzogenes Muster zu sein.
Wenn die anderen zufriedengestellt sind, hast du Zeit für deine Themen. Das beinhaltet eine enorme Geringschätzung all ihrer Themen.

Gesunder Egoismus? Absolute Fehlanzeige!

Dem Ex war jahrelang nicht zu helfen, immer wieder neue Schwierigkeiten, bei denen er ihre Hilfe brauchte und leider nie ein Moment, in dem er ihr Hilfe zurückgeben konnte. Der Absprung gelang spät, aber er gelang.

Die schlimme Pflege, die man sich nicht vorstellen möchte. Die Zusage war gegeben worden, sie wurde eingehalten. „Zu Hause bis zum Schluss, egal wie.“
Nochmal Jahre, in denen die Pflege immer wichtiger war, als sie selbst und ihre Familie (die drei Kinder).

Das tut im Herzen weh und zerreisst.

Es stand eine angemessene Entlohnung im Raum, welche die Entbehrungen wett machen sollte.
Nun stellt sich heraus, dass dem nicht so ist.
(Mamamotzt war nicht blauäugig, es fehlt nur eine Unterschrift auf einem umfangreichen Vertragswerk. Alles wurde vorbereitet. Aber die Unterschrift wird nicht mehr gegeben werden. Plötzlicher Meinungswechsel.)

Viele oder sogar alle berufliche Perspektiven verjubelt, jetzt mit nichts dastehend und sich mächtig verarscht fühlend, das ist der Sachstand.

Hoffnungen zerschlagen sich

Letzte Woche der Anlauf auf eine vermeintlich interessante Stelle im ÖD. Als Quereinsteigerin. Qualifikation: u.a. der erhebliche Ehrenamtseinsatz der jüngsten Zeit.
Lief im Vorfeld chaotisch, aber warum nicht die Chance nutzen (und sich Hoffnungen machen)?
Die Familie braucht dringend ein Einkommen, man muss da auch mal über Schatten springen. (Bloß nicht wieder in die große Stadt und mit dem unnützen Jobcenter-Typen für Akademikervermittlung diskutieren, der sowieso nur TZ Callcenter-Jobs in Jottweedee vermittelt.)

Im Vorstellungsgespräch wurde dann eine Position abgefragt (Bio-Holzbein-Orthesen-Zerspanungsmechaniker oder so) , auf die Mamamotzt keine Bewerbung abgegeben hatte. Dementsprechend frustig war es für beide Seiten.

Im Nachgang erfuhr sie, dass „jeder Idiot eingeladen wurde zu den Bewerbungsgesprächen, um der übergeordneten Stelle zu belegen, dass man keine geeigneten Kandidaten gefunden habe“.
Danke auch!

Privat

Privat ist es eigentlich ganz angenehm, da kann sie nicht klagen. Die Brillanten sind superduper Kinder, an das Gschmarr mit Ex ist man gewöhnt.
Nur eine Durchsicht der vergangenen Beziehungen belegt wieder den Hang zur Unterordnung eigener Bedürfnisse. Gemeinsam war Mamamotzts Männern, dass sie Mamamotzt zuerst ansprachen.
Sie selbst hätte keinen von ihnen angesprochen. Und: sie waren sehr unterschiedlich. Sie traten plötzlich und raumgreifend in ihr Leben und waren genauso plötzlich weg in genau dem Moment, wenn Mamamotzt ihr Herz so richtig an sie verloren hatte.

Bis zum Ex-Gatten war das Schema andersrum: Mamamotzt griff nach Herzenslust zu und ließ gegebenenfalls auch wieder los. Der Ex war aber ein so großer und nachhaltiger Reinfall, dass das irgendwie noch nachwirkt.

Wahrscheinlich greift eine dreifache Mutter sowieso deutlich langsamer zu, als eine junge, ungebunde Welteroberin.

Einschätzung von Außen

Was Mamamotzt überhaupt nicht mehr hören kann, ist Lobhudelei auf ihre vermeintliche Intelligenz.

Seit dem Kindergarten wird es ihr „vorgeworfen“, denn so kommt es ihr vor, dass sie überdurchschnittlich pfiffig sei.
Komischerweise möchte sich selten jemand mit ihren Ideen beschäftigen.

Und komischerweise gelingt es ihr nicht, aus der landläufig als Stärke bewerteten Eigenschaft eine finanzielle Absicherung herzuleiten. Das wäre wiederum das mindeste, was sie sich davon verspräche.
Ansonsten ist intelligent für sie inzwischen ein negativer Begriff, mit dem einfach nur vordergründig freundlich das Desinteresse bekundet wird.

Nur wenige Menschen nehmen die Sensibilität von Mamamotzt wahr. Weil ihre enorme Empathiefähigkeit sie selbst auch sehr anstrengt, hat sie sich hinter eine sehr, sehr mühsam gebaute, aber nun dicke und stabile Mauer zurückgezogen. Manchmal geht ein Fensterchen in der Mauer auf, aber bevor sie durchgucken kann, kommt schon ein spitzer Pfleil von außen angeflogen und trifft schmerzhaft.
Empathie und generelle Feinfühligkeit scheinen ihr ebenfalls keine Vorteile zu sein.

Kein direkter Handlungsplan

Ein direkter Handlungsplan lässt sich aus dem obigen Geschwafel nicht herleiten.
Aber manchmal hilft das öffentliche Gedankensortieren weiter.

Was ausgesprochen (hier natürlich: geschrieben) ist, kann der Kopf abhaken und muss nicht noch weitere dutzend Grübelschleifen drüber fliegen.

 

 

Höhlensuche

Natürlich geht es immer weiter.

Aber muss man immer dabei sein? Muss man immer mitmachen?

Wie kann man einfach schön gemütlich in einer kleinen, isolierten Höhle alleine seine Ruhe haben?

Einerseits hat alles Folgen, was man tut. Komischerweise immer die, die man so gar nicht beabsichtigt. Andererseits tut man so viel und hofft auf Folgen, die wiederum dann immer ausbleiben.

Höhlen

Kleine, dunkle Kuschelhöhlen sind behaglich, warm, dunkel und einsam. Es bedarf keiner Missverständnisse bedingenden Interaktionen mit Menschen, Freunden, Verwandten, Kollegen, Kunden …

Man entbehrt vielleicht gewissen Freuden, aber vor allem hätte man Ruhe. Auch vor Enttäuschungen. Sinnlose Auseinandersetzungen vermieden, falsche Erwartungen nicht geschürt.
Es ist hier nicht der Weihnachtsstress, der diesen Gedanken inhärent ist.
Denn ausgerechnet vor Weihnachten ist es so ruhig wie selten.
Hier gibt es kein Gedöns.

Aber statt der kuscheligen Höhle existiert man in einem riesigen, zugig-kalten Hangar.

 

Junger Mann zum Mitreisen gesucht – Bestellung beim Universum

Liebes Universum,

eigentlich will ich nicht gemeinsam verreisen, aber ich wollte mal vorsichtig fragen, ob du wen kennst, der Lust hat, mir ehrlich anerkennend auf den Rücken zu klopfen?!
Erwidere das dann selbstverständlich!

Bin eine treue Seele, patent und ganz gut aussehend und heute das erste Mal im Leben nicht zum Tanken selbst ausgestiegen.
Habe Akkuschrauber (lädt gerade) und war just bei der Fußpflege. (Sie meinte, das kriegen wir wieder hin.)

Morgen habe ich keine Zeit, weil ich einen Einsatz der Nächstenliebe übernehme, und heute Abend gehe ich mit einem alten Kumpel aus.

Aber danach, so ab Sonntag, denke ich, würde ich – bitte nicht allzu dezente, bin da merkbefreit! – Hinweise erkennen.

Liebe Grüße und vielen Dank vorab,

deine Mamamotzt

Ins Getümmel des Lebens …

Vom Warten und Kokeln, Geburtstag und Palliativpflege

Ein Brillant hat Geburtstag.

Es gibt den traditionellen Geburtstagsmorgen im Wohnzimmer von Mamamotzt. (Sonst wird morgens immer in der Küche gefrühstückt.)

Kerzen, Geschenke auspacken, das Frühstück für alle besteht aus Bonbons, Schoki und was man sich an ungesundem Zeug nur denken kann. Pro Kind einmal im Jahr ist das erlaubt, jawoll!

Trotzdem fährt der Schulbus früh und die Mannschaft verlässt das Haus entsprechend zeitig.

Der Pflegling muss ins Krankenhaus, die Situation ist zu Hause nicht mehr haltbar. Mamamotzt übernimmt den Transport und erfährt mal wieder, dass auch trotz ordentlicher Anmeldung über den Hausarzt und mit Überweisung auf Station etc., die Aufnahme im Krankenhaus nur über die Notaufnahme läuft. Und der Patient, bei dem bereits mehrere Ärzte das Problem eindeutig diagnostiziert haben und bei dem es wirklich um Stunden geht, sich einreiht in die Reihe derjenigen, denen es erst an diesem Morgen einfiel, sich die Finger zu verstauchen oder vor ein Auto zu laufen oder in eine Wespe zu treten.

Stundenlang sitzt Mamamotzt mit dem Patienten, der bereits grau angelaufen ist, die Augen ganz tief in die Augenhöhlen gesunken, dessen Brustkorb sich nur noch mühsam und wenig hebt und senkt, der gar nicht mehr sitzen kann sondern nur für den Transport in seinen maßangefertigten Rollstuhl geklemmt wurde, in der dunklen, stickigen Notaufnahme.

Die Rettung so nah und doch so weit

Um sie herum wuseln x Menschen, die nur mal das entsprechende Präparat geben müssten, aber: das geht nicht, das muss laut Vorschrift in einer anderen Etage passieren.
Grausam. Denn physikalisch ist die Etage egal. Aber die Notaufnahme verabreicht nur erste Hilfe und hier steht das Problem ja schon fest, wie die Eingangsuntersuchung auch erneut bestätigt hat. Ein Wirkstoff ist zu verabreichen. Bitte warten, bis auf der richtigen Etage eine richtige Behandlung losgehen kann.

Der Patient haucht, er lege sich nur noch auf das Bett und das wäre es dann. Er kann nicht mehr. Der Zustand sei bereits mehr Himmel als Erde. Um einen herum die Menschen, die helfen könnten und es nicht tun (dürfen).
Grausam.

Die Stunden vergehen, Mittag, weit entfernt vom Krankenhaus wird der Geburtstagsbrillant gleich alleine vor der verschlossenen Tür stehen. Nie hätte Mamamotzt sich vorgestellt, dass die Übergabe im Krankenhaus so lange dauert.

Mamamotzt holt Essen für den Patienten, eine weitere, überwiegend eingeschränkte Begleitperson und sich. Der Patient hat keine Kraft mehr. Nichts mehr essen, nichts mehr trinken. Nur noch einmal hinlegen, für immer. Nicht mehr im schmerzverursachend harten Rollstuhl hängen. Nichts mehr. Nie wieder. Schluss. Ende.
Grausam. Es fehlt nur ein Wirkstoff, ein Tropf, der endlich, verdammt nochmal angehängt werden müsste. Alle wissen es, keiner macht was. Falsche Etage.
In der richtigen Etage ist noch kein Zimmer frei.

Was ist Zeit, was ist Leben, was ist wichtig?

Die Zeit verrinnt, und damit das Leben des Patienten unter ihren Händen, und zu Hause steht in Kürze der Brillant vor verschlossener Tür und wie es eben ist, sind auch alle Notfallnachbarn just an diesem Tag nicht erreichbar. Sapperlot.
Großartiges Geburtstagsfeeling.

Nach etlichen weiteren Wirren, – oh, der Patient ist schwer pflegebedürftig?!  na, das geht ja gar nicht auf der normalen Station, auf die solange gewartet wurde – , gibt es auf einer ganz anderen Station ein Einzelzimmer am Ende des Gangs. Ganz weit weg vom Schwesternzimmer. Für einen hilflosen Patienten, der kräftemäßig kaum noch in der Lage ist, den roten Knopf zu drücken.

Geben Sie dem Patienten keine Chance mehr? Es wirkt wie ein Zimmer zum Sterben. Dabei würde die Infusion helfen. Und wann kommt die endlich, verdammt noch eins???
Einsam und alleine im Krankenhaus sterben, das, was der Patient sich immer gewünscht hatte. Das, weshalb Mamamotzt überhaupt pflegt. Seit Jahren inzwischen. Um genau DAS zu vermeiden.

Himmel, Arsch und Wolkenbruch! Was für ein beschissener Geburtstag!

Die Würde des Menschen am Lebensende

Der Patient möchte sich erleichtern, die einweisende Schwester schiebt den Rolli vor das Badezimmer und fragt munter: „Den Rest schaffen Sie alleine?!“
Schon mal mehr gelacht!
Es braucht eigentlich zwei Personen, um den Pflegling aufs Klo zu hieven und dort zu halten, weil gar keine Körperspannung mehr vorhanden ist. Nein, Pampers sind keine Alternative! Besonders nicht, wenn der Patient sehr klar ist und das eigenmächtige Verrichten der Notdurft (per Ansage und mit viel Hilfe zwar, aber trotzdem) das einzige ist, was noch „selbst“ geht. Eine Frage der Würde.

Nach weiteren, dusseligen Aufnahmegesprächen auf der richtigen Etage (warum muss es denn so oft gefragt werden, allein in diesem Krankenhaus war der Patient schon oft in den letzten Jahren, alles bestens bekannt) kommt endlich der Tropf mit dem richtigen Medikament.

Brillanten vor der Tür

Schnell nach Hause, dort sitzen tatsächlich bereits seit Stunden inzwischen, und inzwischen auch im Treppenhaus seit zehn Minuten zwei der drei Brillanten. Der dritte hätte einen Schlüssel gehabt, aber hatte überraschend Langtag. Neues Schuljahr, immer Chaos.

Mamamotzt ist bereits völlig fertig und könnte einfach nur noch Chillen. Aber der Brillant hat doch Geburtstag, die Party geht doch jetzt erst richtig los!

Ein alter Freund vom Geburtstagsbrilli meldet sich, er würde gerne kurz persönlich gratulieren. – Perfekt! Der kommt eh nie alleine sondern immer mit Geschwistern und Mutter, sollen sie ruhig kommen. Die können das Mamamotztsche Chaos ab! Der Kuchen wird in kleinere Stücke geschnitten, mehr Kaffee gekocht, die Sonne kommt raus, die Kindertruppe spelunkert über das große Grundstück der Großeltern.

Es gibt gar kein Programm an diesem Geburtstag, kaum Vorbereitung außer Geschenken und Kuchen. Ein Programm hätte ohnehin nicht durchgezogen werden können.

Und es ist wunderschön, so, wie es ist. Weil da Leben ist, lachende Kinder, eine sagenhafte Enge am Esstisch, Improvisation in Vollendung, Freude über das glimpfliche Ende des schrecklich begonnenen Tages, ein Lagerfeuer, was der uralte Opa für die Kinder „leitet“. Der sich dabei nochmal Chef sein kann, so wie er es früher war.

Ab und an sticht es, dass der Pflegling nicht dabei sein kann und alleine weit weg im Krankenhaus liegt. Die medizinische Versorgung ist dort sicher prima, aber pflegerisch wird es mangeln. Ist bedauerlicherweise so.

Zwei gezauberte Bleche Pommes und halbe Würstchen machen den Abend rund. Irgendwie reicht das Essen auch für doppelt so viele Leute wie gedacht und Improvisieren geht ja offenbar ganz einfach.

Ein außergewöhnlich herzlicher, schöner, erinnerungswürdiger, Brillantengeburtstag war das.
Wer braucht schon Deko und Topfschlagen?!

Man(n) übernachtet

Vor nicht allzulanger Zeit stellte sich Mamamotzt noch die Frage, ob und wann jemals eine gemeinsame Übernachtung mit Mr. Wow möglich seien. Da sie nie kinderfrei hat und die Kinder ziemlich untermittelbegeistert auf männlichen Übernachtungsbesuch reagieren.

Es half Komissar Zufall und ermöglichte, dass Mr. Wow doch ab und an bei Mamamotzts übernachten kann. Nicht die ganz groß romantische Nummer, aber hat trotzdem was. (Vor allem hat er Mamamotzt dabei geholfen, dass sie vorher gar nicht richtig drüber nachdachte. Dieses ewig verkopfte Wesen … sie hätte alles wieder kaputt gedacht.)

Konkret hatten die Brillanten das Wohnzimmer belegt und wichen nicht, so dass die Erwachsenen sich ins ´Separee´ zurückziehen mussten. Und spontan beschlossen, dass Mr. Wow am nächsten Tag von dort in aller Frühe zur Arbeit fahren würde. Noch bevor die Brillanten erwachten. Und so kam´s: man(n) übernachtet also inzwischen doch.
Die Brillanten nahmen es ziemlich gelassen. Die Übernachtung hatte auf ihren Tagesablauf keinen Einfluss gehabt, also konnten sie nicht nachträglich dagegen sein. Bei vorheriger Ankündigung wären ihnen hanebüchene Gegenargumente eingefallen, und grundsätzlich wird dann im Haus Mamamotzt diskutiert. Auch die Meinung kurzer Menschen zählt ganz.
Glück gehabt, hehe.

Schrittchenweises Annähern. Aller Beteiligten. Schön.