Jonathan

Jonathan ist ein sympathischer Kerl, sportlich, gutaussehend, gute Manieren. Die Frauen gucken ihm hinterher; um eine kennenzulernen, braucht er sich nicht anstrengen. – Er will allerdings keine kennenlernen, und er ist weder homosexuell noch vergeben.

Total verpeilt oder nur chaotisch?

Ein erfolgreiches Masterstudium an einer Exzellenz-Uni nennt er sein eigen, vielfältige Berufserfahrung, Auslandsaufenthalte, eigene Projekte.
Eigentlich ein toller Typ, dieser Jonathan. Aber er kommt nicht aus dem Quark. Hat sein Leben einfach nicht im Griff. Kein Selbstmanagement und schon gar keine funktionierenden Familienstrukturen.

Das Verhältnis mit der Ex hatte nicht gehalten, sie sind seit einigen Jahren getrennt. Seitdem kümmert er sich allein um die vier Kinder. Obwohl alle vier richtige Sonnenscheine sind und absolut pflegeleicht, kriegt Jonathan es nicht hin, den Haushalt in Schuss zu halten, geschweige denn einen einträglichen Job zu finden, mit dem er die Familie ernähren kann.

Eventuell sieht es in Bewerbungen nicht so gut aus, dass er zusätzlich noch einige Jahre seine dementen Großeltern bis zu deren Tod gepflegt hat. Oder vielleicht ist der Burn Out samt Vater-Kind-Kur an der Nordsee vor Jahren ein Killer-Kriterium in den Vorstellungs-Gesprächen, wenn er gefragt wird, wie er das denn alles so geschafft hat?

Mit der Ex hatte er allerdings auch einen echten Fehlgriff geschossen. Die hat ja schon immer nur rumgetusst und nichts für die Familie getan. Seit der Trennung macht sie erst recht auf armes Mäuschen und zahlt weder Unterhalt, noch kümmert sie sich um die Kinder. Umgang alle zwei Wochen? In den Ferien? – Allerhöchstens schickt sie mal nen flotten Spruch per SMS: Habe euch so lieb, ihr 4! Feiert schön Weihnachten, ja?! Bussi, Mama

Netzwerke bilden

Neulich erlebte er einen anderen Vater, als sie nach einer Gürtel-Prüfung ihre Kinder gleichzeitig abholten. Jonathans Sohn hatte als einziger aus der Clique die Prüfung bestanden. Der andere Vater sagte zu seinem deutlich durchgefallenen Sprößling: Kein Problem, ich kenne doch den Prüfer, mit dem quatsche ich einfach mal und dann klappt das doch!
Dafür ist Jonathan zu ehrlich und hätte seinem Sohn signalisiert: Durchgefallen heißt, entweder nicht genug vorbereitet oder irgendwie kein Talent, dann ist diese Geschichte hier für dich zu Ende! 

Schade! Eigentlich hätte sich Jonathan gerne etwas mit dem Vater unterhalten, aber irgendwie gab es da keine gemeinsame Wellenlänge. Es ist selten, dass Jonathan mal andere Väter trifft. Meistens holen Mütter die Kinder ab oder sind auf den zahlreichen Kinderterminen von Basar bis Elternabend.
Die Mütter teilen sich immer in zwei Gruppen: die eine findet ihn übergriffig, wenn er nett mit sprechen möchte und fühlen sich negativ angebaggert. Die andere baggert ihn an, ohne Rücksicht auf das Thema zu nehmen. Konstruktiv geht das jedenfalls nie aus. Das frustriert Jonathan schon.

Jobsuche mit vereinten Kräften

Als er mal von seinen beruflichen Ambitionen sprach, tat kürzlich eine andere Kindermutter aus der Klasse kund, sich ebenfalls neu orientieren zu wollen. Erste Ideen wurden in den Raum geworfen und ein gemeinsames Brainstorming in Ruhe vereinbart. Ohne Kinder.
Räumlich wäre Jonathans Wohnung der ideale Treffpunkt gewesen. Aber die Unordnung war ihm unangenehm. Liegt vielleicht im Auge des Betrachters, aber mit vier Kindern und einem Hund fliegt immer irgendwas rum, ist nicht alles blank geputzt und nach Jonathans Empfinden nicht empfangsfähig. Als er deshalb auf einem externen Treffpunkt bestand, sagte die Mutter last minute das Brainstorming ab. Hab echt viel zu tun, sei nicht böse! 
Klang in seinen Ohren wie eine fadenscheinige Ausrede. Seitdem hat sie auch nie wieder über ihre Veränderungswünsche gesprochen. Aber immer wieder sexuelle Anspielungen gemacht.

Zeit effizient nutzen

Ein echtes Problem von Jonathan ist, dass er seine Zeit nicht effizient nutzt und Klinken putzt. Statt für den Sohn die Hockey-Trikots zu waschen (wird sich schon irgendeine Mutter finden, die dann eben zweimal wäscht!), sollte er besser Bewerbungen schreiben, wenn er sich wirklich verändern will. Die kleine Tochter mit ihren never ending Kindergarten-Geschichten kann er doch auch der fußlahmen Nachbarin (mit dem beißenden Mundgeruch) rüberschicken. Die freut sich bestimmt.
Auf die vielen Elternabende (vier Kinder ..) sollte er besser verzichten, s.o., da sie netzwerktechnisch gar nichts bringen, sondern eher für private Unruhe sorgen.  Irgendwer kann ihm sicher eine Mitschrift schicken.
Und überhaupt sollte er sich mal von den Kindern lösen! Sie haben ja außer ihm niemanden, da verbringen sie doch genug Zeit mit ihm. Dann können sie auch öfter mal auf ihn verzichten. Sonst werden die nie unabhängig!

Neue Partnerin

Mit den Frauen hat Jonathan es natürlich schon mal versucht. Aber irgendwie gerät er immer an so gescheiterte Existenzen, die sofort bei ihm einziehen wollen, keine eigene Waschmaschine und auch sonst wenig besitzen und scheinbar nur einen rundum potenten Sugardaddy suchen.
Außerdem waren ihnen die Freizeitaktivitäten nicht spektaktulär genug. Beim Waldspaziergang werden sie dreckig, Streichelbauernhof geht wegen Allergie nicht, am See sind Mücken usw. Ausschließlich Aktionen, die kinderungeeignet sind, waren ihnen genehm.
Jonathan hat es aufgegeben. Und er hat auch aufgegeben, seiner auf Mallorca lebenden Mutter das erklären zu wollen. Denn die findet, er solle sich schnell eine neue Partnerin suchen, damit die ihn unterstützt.
Das war ja wohl höchstens früher so, in den 60ern!

 

 

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Austauschpartner für Alleinerziehende

Neulich stellten einige Twittermenschen aus der Timeline fest, dass den Alleinerziehenden schon sehr geholfen wäre, wenn sie „ein Ohr irgendwo wüssten“. Dem sie sich anvertrauen könnten. Das ihre Geschichte kennt. Das Ratschläge geben kann oder aber wenigstens mitfühlend ist.

Erstaunlicherweise sind die getrennten Elternteile, bei denen das Kind ja auch vielwenigkaumgarkeine Zeit verbringt, ausgrechnet auf dem Ohr oft taub.

Falls es weitere nahestehende Angehörige gibt, haben sie häufig aus verschiedensten Gründen keine Muße, ihr Ohr zu leihen.

Neue PartnerInnen … nach einer Trennung aus dem Augen, aus dem Sinn. Dazu noch der eigene Schmerz, und die Kinder haben eine weitere Bezugsperson verloren.

Aber die großen Freuden (ein Fortschritt!) und kleinen Sorgen (Hallo Pilzzucht-Brotdose nach den großen Ferien!), die großen Sorgen („Ich erreiche das Kind nicht mehr.“) und kleinen Freuden (Du bist die beste Mama/Papa auf der Welt!) sind besser verdaulich, wenn sie geteilt werden.

So fragte Mamamotzt im Januar in ihrer Timeline auf Twitter ab, wer für sich Bedarf sieht und Interesse hat, sich langfristig mit einem verlässlichen Gegenüber als „Elterntandem“ auszutauschen.

Altersgruppen

Die Interessen der #extremalleinerziehenden Eltern verändern sich dabei je nach Alter des Kindes. Als Altersgruppen wurden daher angedacht:

U3

3 – 6J.

6 – 10 J.    und

Ü10

Das erscheint beim Finden von Übereinstimmungen als sinnvoll. Natürlich wären auch diverse andere Themengruppen denkbar, aber es wird nie ein 1:1 passendes Match geben. Macht bitte auch ein paar Kompromisse.

Teilnehmerinnen (Herren mitgemeint)

Für einen besseren Überblick werden hier nochmal die Interessierten mit Meldung und ihren Themenwünschen aufgeführt.

@almöhi, Nomen est omen, aus Bayern, seine beiden Kinder sind im Kiga / Grundschulalter:

@maurakami, Ostwestfalen (?), zwei Jungs in Grundschule und fast erwachsen:

@maulendemirthe, Studentin:

Eine Nutzerin mit einem Kind, geschlossener Account, den sie natürlich dann freischalten würde, wünscht sich:
Single und Mamasein als Alleinerziehende, Umgang und Jobsuche. Vereinbarkeit 🙈 😣ganz schön viel derzeit ( und ich hab „nur“ 1!)

@elsaente such Gesprächspartner für:

@herz_kopf_kampf und @sandrazander_de denken aktuell u.a. in Sachen Patchwork nach. WOLLT IHR ES NICHT DIREKT MITEINANDER VERSUCHEN? 😉

 

Die @poolprinzessin ist verwitwet, hat drei größere Kinder und interessiert sich für Selbstfürsorge:

 

@DuckyYvonne ist Mutter einer Teenietochter und schrieb:

Hey… find die Tandem-Idee super. Bin seit 7 J allein mit ner jetzt 15j. Es ist jetzt viel anstrengender als früher (psychisch statt physisch). Also steh gern als Tandem zur Verfügung u brauch unbedingt auch jmd. zum austauschen… Danke Dir 😘

Die Kinder von @vrmuc sind um die 10 Jahre alt:

 

Für folgende Themen sucht die @ah_jetzt_ja aktiven Austausch:

 

Bei den „klassischen“ Alleinerziehendenthemen hat @frlkaethchen Tandembedarf:

 

@da_zwergin hat u.a. den abwesenden Vater als Themenwunsch:

 

In Frankfurt Main wohnt @LittleBinF , ihr Kind knabbert noch an der Trennung:

 

Arbeit und Kinder, also Vereinbarkeit, ist das Hauptthema für @lenahochdrei:

 

@d_fu66 und @hanahillena haben sich möglicherweise schon gefunden mit dem Thema Hormonmonster und Teenietussis:

 

Aus dem Südwesten meldet sich 8xTeilzeit:

8xTeilzeit aus dem Südwesten.
Ganz frisch noch alleinerziehender mit 6 Jähriger deren Vater zwischen Unterhaltsreduzierung und Umgangsvermeidung pendelt.
Themen: willensstarkes Kind mit Verlustängsten. Vereinbarkeit. Hausbau. Patchwork. Landlebenprobleme. Schwerbehinderung.
Oder eben nur eins davon….

Vielen Dank für die Beteiligung! Wer wurde übersehen? Bitte nachmelden! 😉

 

Nachmeldungen

Ganz stark ist die Meldung von @ringelreihe ! Sie schrieb folgendes:

Hallo liebe Mama Motzt, ich habe deinen Tandemaufruf gelesen und finde den toll. Ich bin nicht alleinerziehend, aber vielleicht darf ich mich als Tandem auch beteiligen? Ich bin Mama von 2 Kids, 5 und 7. Ich bin Scheidungskind gewesen und oft erschüttert, dass sich in 20 Jahren sich fast nichts an der Beteiligung von Vätern geändert hat. Wenn der Vater seine Rolle nicht ausfüllen will, kannste als Mama nix machen. Das ist für mich die ätzendste Form sich an der gescheiterten Beziehung zu rächen. (das Kind wird im Zweifel nicht Geschützt)

Wir wohnen im Südwesten (also am Rhein, Bingen bei Mainz) wenn du also jemanden in der Region kennst, dann könnte ich mich gerne mit einem Tandem treffen? Grüße katta

1000 Dank dafür! ❤

Kennenlernen

Wo lernt man eigentlich den Menschen fürs Leben kennen?

Neulich gab es einen wunderschönen Tweet von der @Mupfmama , man lese die herzerwärmenden Kommentare! Es ist eigentlich immer und überall möglich, oder?

Natürlich ist es Zufall.
Mamamotzt lernte den Ex auch kennen, als gerade alles, aber auch alles andere wichtig war, als eine Beziehung. Und alles in allem war die dann ja lange ok., wenn auch ohne ganz langfristiges Happy End.
Es war ein klassisches Setting: über gemeinsame Freunde kennengelernt.

Es wäre im Moment sehr tröstlich (aus Gründen, – sie heult), mal zu hören, in welch möglicherweise kuriosen Situationen oder auch ganz üblichen Momenten sich andere Paare kennengelernt haben.

Natürlich auch gerne mit Tipps, warum das vielleicht doch nicht so gut war, falls das Happy End fehlt. 😉

Mamamotzt dankt für zwischenmenschliche Inspiration und grüßt alle Leserinnen und Leser, Weihnachtsmuffel und Erwartungsfrohe!

 

Unvereinbar

Sie schläft, er wacht.

Überhaupt keine gemeinsame Basisstation.

Sie weckt die Kinder im noch Nachtdunkel und sie entschwinden im Dunkel in den Tag.

Wenn sie auf der Arbeit schon Fälle bearbeitet hat, krabbelt er mit Decke aus dem Bett Richtung Kaffeeautomat.

Nach 11, 12 Stunden außer Haus warten Hausaufgabenfragen auf sie. Hungrige Kinder, Elternabende, Termine und trotzdem Geldsorgen.

Er arbeitet am Wochenende, dafür muss man Verständnis haben.

Sie powert sich mit schlechtem Gewissen aus.

Drei Brillanten sind die schönste Lebensaufgabe.

Niemand hat gesagt, dass es einfach würde.

Das Leben ohne ihn ist grauer Nebel.

Aber mit ihm zu viel Unvereinbarkeit.

 

 

Weiter so? – Nein!

Wie unendlich herbeigesehnt diese Osterpause ist!

Kein Deko-Gedöns, keine Termine, nicht mal aufwändiges Essen. Einfach mal dezidiert nichts tun. Nur die freie Zeit genießen, nicht mal putzen, gerade mal 4 Mahlzeiten pro Tag ausstaffieren – fertig.

Arbeit …

… eine Mischung aus Festanstellung und Freelancer. Es schlaucht sehr und die Bilanz nach grob einem Jahr fällt durchwachsen aus. Sehr durchwachsen.

Durch die Pendelei kostet die Festanstellung viel Zeit. Sie garantiert aber ein Grundeinkommen und eine Krankenversicherung für die Familie. Das Gehalt reicht nicht zum Auskommen (für vier Personen), also muss an den anderen Tagen auch Geld verdient werden. (Unterhalt kommt nur ganz gelegentlich in unkalkulierbaren Bröckchen, was bedeutet: kalkulieren wie ohne Unterhalt.) ((Die Konditionen der Anstellung sind nicht verhandelbar, schon probiert. Entweder so oder nicht.))

Die Umstände ermöglichen nur schlecht bezahlte Aufträge, die immerhin mit der wenigen, verbleibenden Energie machbar sind, im Gegensatz zu tolleren, besser bezahlten Projekten. Und sie fressen ebenfalls viel Zeit. (In der Summe VZ Arbeit und mehr, aber ein unregelmäßiges und unbefriedigendes Einkommen.)

Während das Hamsterrad läuft, hier also seit Herbst bis jetzt durchgehend, kommt Mamamotzt überhaupt nicht zum effektiven Nachdenken. Irgendwas ist immer und man braucht einen echten Abstand zu den Dingen, die man mal aus einer anderen Perspektive betrachten muss/möchte.
Also die Gesamtsituation, die Arbeits- und Familiensituation in diesem Fall. Besonders, wenn man absolut alleine überlegen muss und maximal die eigenen Kinder als Gedanken-Sparringspartner hat.

Die Brillanten an sich kamen in diesem letzten Jahr viel zu kurz. Bei allem Lerneffekt, den es dabei auch gibt.
Es gibt hier nichts und niemanden, der Mamamotzt unterstützt, und wenn sie nicht die Hausaufgaben überwacht, tut es niemand. Wenn sie nicht für Arbeiten übt oder Vokabeln abfragt, macht es niemand. Das sieht man auf den Zeugnissen. Wenn sie nicht zeigt, wie XYZ funktioniert, dann tut es niemand. Alles, was Mamamotzt nicht tut, passiert nicht. Putzen, erziehen, zuhören, die Welt erklären.
(Im Freundeskreis der Brillanten gibt es bereits erschreckende Beispiele, was dadurch passieren kann!)

Mamamotzt ist leider keine Heldin sozialer Netze im real life, hat aber ein Händchen für falsche Charaktere. (Viel versprochen, schon gebrochen …)

Die Brillanten stellen keinen Unsinn an, wenn Mamamotzt nicht zu Hause ist, aber das ist auch schon alles. Sie hängen lethargisch herum und tun … nichts.
Trilliarden vertane Chancen!

_ _ _

Blöd, dass ihr nicht mal ein Ziel klar ist. Will Mamamotzt mehr Zeit für die Brillanten, egal, was es kostet? Will sie gerne wieder anspruchsvolle Tätigkeiten ausführen und weg von den Hilfsjobs? Wäre sie bereit, sich von irgendwas oder irgendwem abhängig zu machen, um (Familien-)Zeit zu gewinnen? Welchen Schritt würde sie als erstes gehen? Wie wichtig ist ihr das komplett weggebrochene eigene Sozialleben? Ist es auf Dauer ok., abends nur noch ins Bett zu wollen und als einziges Ziel für freie Stunden zu haben, bloß Ruhe haben zu wollen, keinen Menschen sehen zu wollen und möglichst nichts zu machen?

_ _ _

Eine gute Grundsatzfrage ist in Momenten, in denen im Leben irgendwas nicht richtig erscheint, oder falsch oder untragbar, folgende:

Kannst du dir vorstellen, noch ein/fünf / Jahr/e genauso zu leben? 

Antwort lautet: definitiv nicht!

_ _ _

So! Es muss sich also etwas ändern.

Aber: wo anfangen?

_ _ _

Ganz privat gibt es natürlich Faktoren, die selbst hier nicht thematisiert werden, die aber eine Rolle spielen. Wahrscheinlich nicht mal unerheblich. Die „zu beackern“ ist einzig Mamamotzts Aufgabe. Und ohne Kenntnis derer sind eigentlich alle möglicherweise eingehenden Ratschläge oder Hinweise vergeblich.
Also, ein Like unter dem Beitrag ist ok, aber alles andere kostet leider nur kostbare Leserlebenszeit. 😉
:-*

Dilemma

Seit ´ner Woche ist Mamamotzt jetzt ordentlich angeschlagen. Schnappt nach Luft, krächzt herum und klagt über „zu-e Ohren“, auf denen Druck ist. Verläuft irgendwie ganz anders, als sonst bei ihr bekannt, dieser Rotz. Die üblichen Maßnahmen brachten keine Linderung.

Inzwischen ist es anstrengend, die Laune sinkt, sie fühlt sich matt. Aber nicht richtig krank (Kopf noch nicht unterm Arm). Und wie alle Eltern wissen: solange der Rotz nicht frühlingsgrün schimmert, darf das Kind in den Kindergarten. Also darf vermutlich Mama auch zur Arbeit.

Sie hört oft (aber nicht immer) durch den Druck auf den Ohren schlecht. Doof in einem Job mit viel Kommunikation. Oft (aber nicht immer) ist die Stimme weg. Doof in einem Job mit viel Kommunikation.
Richtig gesund ist sie nicht. Aber krank irgendwie auch nicht. Kein Fieber.

Als ewig Selbständige ist es echt schwierig abzuschätzen, ob man zu gesund für krank ist, oder zu krank für gesund. Mit viel zusammenreißen kann sie ihre Aufgaben schaffen. Hm.

Sie hat jetzt gute fünf Monate in zwei Jobs durchgearbeitet, überwiegend auch an Wochenenden. Muss ja.
Heuer begannen Osterferien, nächste Woche hat sie Urlaub bekommen. Wissen die Kollegen doch.
Sieht das nicht nach Schwänzen aus, wenn sie sich krank meldet? Obwohl die Kollegen wissen, dass sie angeschlagen war?
Kann man die Kollegen überhaupt im Stich lassen, in der schmaler besetzten Ferienzeit? Da sind schon alle sehr pflichtbewusst und emsig, im guten Sinn.

Auf keinen Fall darf sie in Verdacht geraten zu hudern, auf keinen Fall will sie die Firma schädigen. Auf keinen Fall darf der Job in Gefahr geraten.

Die Alleinerziehende mit Selbständigkeitshintergrund wähnt sich in einem kleinen Dilemma.

Gedanken: BGH zum Wechselmodell

Der Bundesgerichtshof stärkt das Wechselmodell (WM). (Bitte selbst googeln, den Text der Süddeutschen Zeitung zum Thema ist hier verlinkt.)

Unter dieser Voraussetzung hätte es damals für die Brillanten ziemlich sicher so ausgesehen:

Trennungsgespräche wegen absoluter Uneinigkeit beider Eltern mit Hilfe der Berater vom Jugendamt. Dort wird ja immer nur beraten, ein Jugendamt kann ja per se nichts anordnen, lediglich vorschlagen!
Der arme Ex, der bereits ausgezogen ist und tatsächlich versucht, sich als Alleinerziehender darzustellen, um von Finanzboni an jedweder möglichen Stelle zu profitieren, klagt das (war so) auch dem Jugendamt.

Mamamotzt als Stärkere („Die Kinder leben bei Ihnen, damit sind Sie in der stärkeren Position, Frau Motzt!“) soll wider die Vernunft „dem armen Vater gegenüber“ nachgeben. Die Brillanten eine Woche bei ihr, eine Woche beim Ex.

Das erste, was Ex einfiel, tatsächlich und in jeder Unterhaltung: ab wann er nicht unterhaltspflichtig wäre und wann er von Mamamotzt Unterhalt bekäme.

In seinen Augen lebte er sogar das WM, versuchte teils sogar darzustellen, er betreue die Kinder wesentlich mehr als sie. Damals belief sich das auf maximal 10 Tage von 365 pro Jahr, und schon damals fand er Stellen, die ihm das eine Zeit lang glaubten und Mamamotzt kritisch anfragten.

Entfernung gering, aber …

Wenn auch damals schon galt, dass die Vergangenheit nicht zählt und nur nach vorne geschaut wird („Herr Ex verspricht hier und heute, dass das klappt! Das glauben wir ihm jetzt alle. Punkt!“), dürfte das bei Verhandlungen ums WM umso stärker ins Gewicht fallen.

Ex würde also versprechen, auch in seiner Woche die Kinder in die Schule zu schicken. Per Luftlinie ist nicht weit, 25 Kilometer vielleicht, aber es gibt einen Wechsel von Großstadt zu ländlicher Pampa. Keine gute Verkehsanbindung. Fahren konnte er sie damals nicht, kein Auto. Versprochen hätte er es aber. Genauso, wie er tägliche Hausaufgabenhilfe versprach (nicht einmal!), Organisation sämtlicher Hobbies (kennt er bis heute nicht) und Hilfe bei unbedingtem Unterstützungsbedarf (de facto gab er aus diversen Gründen nicht mal sein Einverständnis).

Was wäre dann? Der andere, der verantwortliche Elternteil, holt die Kohlen aus dem Feuer.

Zum Wohl der Kinder einig werden

Irgendwo müssen die Brillanten von Mamamotzt und überhaupt alle kleinen Brillanten dieser Welt ihre Ärzte und Vereine haben, ihre Freunde könnten auch an zwei Orten leben (doppelt so viele), die Schule, die Kirchengemeinde, whatsoever.

Ärzte stehen hier mal ganz oben, denn es ist ein Sechser im Lotto, wenn der Kieferorthopäde wie aktuell mal alle drei Kinder auf einen Termin legen kann und damit zwei weitere Nachmittage (oder gar Vormittage) entstresst.

Wer würde das Wohl der Kinder tatsächlich beim WM an höchste Stelle stellen? Über sein eigenes? Wer würde sie zu ihren Terminen begleiten?

Eltern müssten an einem Ort wohnen bleiben, optimalerweise in einem Viertel einer größeren Stadt. Sonst werden Schulbesuch und Arzttermine (3 Kinder: alleine 6x pro Jahr Zahnarztprophylaxe, auf dem Land jedes Mal ein Autotermin!) zum logistischen Dauerproblem. Termine nur in den Wochen eines Elternteils? Utopisch und ungerecht.

Was wäre dann? Der andere, der verantwortliche Elternteil, holt die Kohlen aus dem Feuer.

Das liebe Geld

Was wird aus den Kindern bei Ex, der jetzt schon kein Geld und keinen Unterhalt zahlt, obwohl er angeblich sehr viel arbeitet, wenn er dann weniger arbeiten kann, weil er wochenweise die Kinder betreuen muss? Ex wird natürlich Aufstocken via Amt, das ist sein Stil. Hat Mamamotzt auf der anderen Seite dann automatisch genug Finanzmittel, weil die Kinder ja immer eine Woche nicht da sind?

Es sind einfach höhere Gesamtkosten, denn beide Eltern brauchen wirklich eine lebenswert eingerichtete Wohnstatt, nicht nur ein schönes, aber flexibel nutzbares Gästezimmer für die Kinder.

Mamamotzt geht es übrigens nicht um Unterhalt, weshalb sie aus eigener Erfahrung das WM nicht präferieren würde. Sie hat nie welchen bekommen. Sorry, das Totschlagargument greift nicht.

Verantwortung

Wer zeichnet Zeugnisse und Tadel ab, nimmt Kenntnis vom Elternaben und besucht ihn auch? Wer kümmert sich um das ganze soziale Zeugs wie Geburtstage, eigene und die fremder Kinder, und wer hat die Größe, nicht mindestens 5x pro eigener Kinderwoche zu fluchen, dass irgendwas total in die Binsen gegangen ist, weil der/die Ex das verkackt hat?

Und das ist dann nicht so kindeswohlorientiert. Oder?

Aber ausprobieren muss man es erstmal

Wechselmodell. Damit beide Eltern ihr Recht auf Zeit mit den Kindern bekommen. Hm. Ehrlich gesagt waren schon die ganzen Versuche, regulären Umgang zu etablieren, damit der Ex zu seinem geforderten Recht kommt, welches er dann nicht wahrnahm und die Kinder damit in tiefe, emotionale Täler stieß, nachhaltig kräftezehrend. Für den kompromiss-eingehenden Teil der Trennungsfamilie.

Aber um der Gerechtigkeit Willen für beide Eltern und weil Kinder sich natürlich nach ihren beiden Eltern sehnen, wurden diverse Versuche gestartet und das Jugendamt wurde auch nicht müde, Chance um Chance für den Ex zu fordern.

Es dauerte allein beim Umgangsthema ca. fünf Jahre, bis die Gängelei der Kinder, dass sie müssen, was der Ex will, zum Ende kam. Und dieser Ex kämpft überhaupt nicht mit harten Bandagen, sondern maximal mit zitternder Stimme und Tränchen.

Es wäre in Fällen wie diesem völlig inpraktikabel und absolut schädlich, „erstmal“ das WM anzuordnen, um nach Eskalationen um Zahnspangen und Nachhilfe, unbezahlte Rechnungen, entweder Verwahrlosung oder Wohlstandszumüllung der Trennungskinder festzustellen, dass es in diesem Fall offenbar nicht möglich war, „beiden Eltern gerechte Zeit mit den Kindern zu ermöglichen“.

Wie groß und irreparabel muss der Schaden dabei wohl werden, um das im Falle eines Falles feststellen zu lassen? Ein Elternteil, der unwillige nämlich, ist ja ohnehin als Buhmann ins WM gestartet, weil es gegen seinen Willen war.

Werden seine Wünsche, Warnungen und Befürchtungen überhaupt ernst genommen, die des ewigen Verhinderers?

Ganz enge Parameter stecken

Die Parameter, wann überhaupt ein WM nur möglich ist, müssten extrem klar definiert werden:

– was ist zum Wohl des Kindes
– räumliche Nähe
– Finanzierung
– Aufteilung der Verantwortung
– Konsequenzen bei Nichtgelingen
– und viele, viele mehr

Leider fehlt gerade die Zeit, aber das Thema brennt.
Schön, dass sich insgesamt was tut an vielen Fronten im deutschen Familienrecht. Schade, dass es nicht immer praxisorientiert ist.