Elternrat und Kommunalpolitik

Die drölfundtrigsigste Elternratsversammlung, formal sehr flüssig, inhaltlich … interessant … mit folgenden Denkwürdigkeiten.

Das fertige, neue Konzept der Schule in der Vollversion:
1) Thema (freiwillig, schulintern)
– Wie gehen wir das Thema an?
2) Thema (umständehalber zwingend)
– Wie gehen wir das Thema an?
3) Thema (EU Vorschrift seit Jahren)
– Wie gehen wir das Thema an?

Im Ernst! Die Anwesenden waren überwältigt von der detaillierten Ausarbeitung.

Mitteilung, die Ganztagsbetreuung sei zu teuer geworden, werde nicht ausreichend nachgefragt und laufe daher künftig nur noch bis 15 Uhr. Sollte mehr Bedarf bestehen, gebe es die Möglichkeit, sich mit mindestens zehn bis zwölf Schülern zusammen zu tun und eine Personalstunde bei der Kommune einzeln zu kaufen.
Die Anmerkung, dass unterschieden werden müsse zwischen dem wirklichen Bedarf und dem Zwang, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, die nach 15 Uhr nicht mehr fahren und die Schüler sonst nicht nach Hause kommen, wurde abgebügelt. Kinder um 16 Uhr selbst abholen/mit dem Verkehrsträger sprechen/Stunde kaufen/egal.

Ja, eine Schulleitung interessiert so Verwaltungskram nicht. Hat mit Schule halt nichts zu tun.
Ja, der soziale Druck die armen Kinder nicht der elenden Ganztagsbetreuung an zumindest diesem Institut auszusetzen ist vor Ort da, was zu sinkenden Teilnehmerzahlen führt.
Ja, es werden sich noch viele Eltern wundern, wenn ihre großen, selbständigen Kinder nach der weiterführenden Schule auch direkt zum Mittagessen nach Hause kommen. Weil nur selten mehr als sechs Stunden Unterricht erteilt werden. Obwohl es pro forma alles Ganztagsschulen sind. Mit Aufenthaltskellerraum für die frei verfügbaren Stunden des Ganztags am Nachmittag.

Von allen wichtigen Ämtern konnte sich Mamamotzt erneut freihalten, einen Winkekasper hat sie gewonnen, zu verschmerzen.

Zur Zeit springen gewisse Möglichkeiten Mamamotzt einfach vor die Füße wie die Berberaffen auf Gibraltar den Touristen. Eine davon ist, mittels landesweitem Programm als Frau in die Kommunalpolitik zu schnuppern. Am Ende winkt die Kandidatur zur Kommunalwahl und in diesem speziellen Fall evtl. sogar ein Platz im Rat. (Btw: Nix ausgeschlossener als das!!!)
Aber das Schnuppern könnte stattfinden.
Bildet generell, vernetzt vor Ort noch besser bzw. wieder aktiver und birgt sicher auch einiges Fun.
Ist noch nicht fix, wird aber wahrscheinlicher.

In der Elternratssitzung begab es sich dann noch, btw, dass von allen neuen und alten Mitgliedern die ladefähigen Adressen vorhanden waren. Nur nicht von der renitenten Mamamotzt. Was für ein Zufall. Nach vielen Jahren in sämtlichen Ämtern.

Ausreden – best of

Bisherige Ausreden, um keinen Unterhalt zahlen zu müssen:

– Ich studiere jetzt, zufällig habe ich direkt nach der Trennung einen Studienplatz bekommen. Meine Vollzeitarbeit habe ich natürlich umgehend gekündigt. Aber ich mache das alles nur für die Kinder, die sollen später davon profitieren!

Unverhältnismäßig viele Jahre (!) später:
Kann das Studium nicht abschließen (und endlich Geld für Unterhalt verdienen …),
– weil ich leider eine Veranstaltung übersehen habe und ein Semester dran hängen muss.
– weil ich mich so intensiv um die Kinder gekümmert habe und keine Zeit zum Lernen hatte. (Welche Kinder?! Die Brillanten jedenfalls nicht, die waren ja so gut wie nie bei ihm!)
– weil ich per Skype meine Eltern versorgt habe und ein halbes Jahr nichts anderes tun konnte.
– weil ich schwer erkrankt bin (1 Woche Männerschnupfen).
– weil ich keinen Professor für meine Abschlussarbeit finde.
– weil der Professor für die Abschlussarbeit leider unerwartet gestorben ist.

Daraus ergibt sich, dass ich leider auch in Zukunft meiner Unterhaltspflicht nicht nachkommen kann, denn: Mit dieser neuen Qualifikation bekommt man nur kleine Projekte und 20 Stunden-Stellen. Die sind aber so blöd zeitlich gelegen, dass es absolut unmöglich ist, dazu eine weitere Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Außerdem habe ich den Abschluss ja noch nicht.

Ausreden Richtung Beistandschaft, warum über das Studium schon länger kaum noch Nachweise erbracht werden:
– Habe meinen Studentenausweis verloren.
– Bin krank und deswegen vom Studium beurlaubt. (Wegen 1 Woche Männerschnupfen?!)
– Habe mich per Skype um meine Eltern gekümmert!
– Unendliche Male einfach nur auf Schreiben erst nicht reagiert, bei der dritten Mahnung nur mit „Aha!“ reagiert, dann persönlich vorgesprochen, dann die Unterlagen vergessen, dann aus Versehen die falschen Unterlagen eingereicht …
Und jedesmal bis zu VIER Wochen Zeit geschunden.

Zuletzt kam ihm ein Wechsel des Sachbearbeiters (SB) gelegen. Aufgefordert von Mamamotzt schnappte sich der neue SB die Akte und stellte fest, dass angeblich seit vier Monaten Unterhalt gezahlt würde. So stellt es Ex dar. Darüber muss er nun Nachweis führen.

Wollen wir wetten, dass leider ein Wassereinbruch im Keller seine Kontoauszüge vernichtet hat und bei der Bank irgendein Hacker, der ihm Böses will, genau seinen Datensatz komplett gelöscht hat?!

Lokale Ganztagsbetreuung

Resümee der lokalen Ganztagsbetreuung, ein Drama.

Erzählt anhand dreier Kinder einer Familie und der Erfahrung aus einigen Jahren Elternvorstandsarbeit bis auf Regionsebene.

Die Krippe beherbergte K3 nur bis mittags. (Ganztagsplätze reserviert für Familien mit arbeitenden Vätern, keine Chance für die arbeitende Alleinerziehende. Ohne Worte!)
Der Kitaplatz für K2 zwei Dörfer weiter endete ebenfalls mittags. (Immerhin revolutionär: mit Mittagessen im Kiga!)
Die Grundschule lehnte vehement ab, Erstklässler K1 länger als bis zur vierten Stunde zu betreuen. – Offiziell offene Ganztagsschule (OGS) wurde vor Ort wurde mächtig Druck auf die Eltern ausgeübt, den Ganztag bloß nicht zu nutzen. –
Jahrzehnte einstudierte Strukturen und Rollenmuster lassen sich nicht in wenigen Jahren beiseite wischen. Besonders nicht bei älteren Pädagogen, offenbar.

In den letzten ca. zehn Jahren wurden aufgrund des gesellschaftlichen Drucks alle GS dieser Gemeinde in OGS umgewandelt. Der Durchbruch für arbeitende Eltern!?
Mitnichten!
Unstrukturierte und unqualifizierte Beaufsichtigung, keine Hausaufgabenbetreuung. Formell war die Umwandlung schnell erledigt, aber erforderliche Räumlichkeiten und vor allem Personal war nicht aus der Luft zu greifen. Bezüglich Personal sahen sich weder Land noch Gemeinde in der Pflicht, dafür aufzukommen. Freiwillige Mütter und ältere Hausfrauen wurden überredet, auszuhelfen. (Manche erlitt einen Nervenzusammenbruch, täglich dutzende Kinder konzeptlos zu betreuen ist kein Pappenstiel!)
Lehrer werden über das Land bezahlt, Schulräume stellt die Gemeinde. Nachmittagsbetreuung ist ein neugeborener Zwitter im Pinzettengriff, plumpst ständig runter, niemand hebt sie auf und mag sich kümmern.

Die Schüler erlebten tolle Nachmittage mit ihren Freunden in der OGS, mussten Hausaufgaben aber abends zu Hause erledigen.
-> „Haus-Aufgaben“ eben. (Ein Quell der Freude für vom Tagwerk müde Eltern und Kinder.)
Für Hobbies galt gleiches, abends noch an den langen Tag anhängen oder eben keine nebenschulische „Förderung“.

Transport nach dem Ganztag nach Hause: Auf dem Land ein Problem. Da Nachmittagsbetreuung nicht verpflichtend ist, kam es zu fulminanten Komplikationen mit Bus-Taxi-Eltern-Fahrten und Horden von stehen gelassenen Kindern.

Schnell korrigierte die erste der GS der Landgemeinde ihre Ganztagszeiten offiziell von 16 auf 15 Uhr zurück, obwohl etliche Kinder bis 16 Uhr den Ganztag nutzten – per kompliziertem „Stundenbuchungsmodell“ selbst bezahlt, von wegen kostenlos!
Das regionale Nahverkehrsunternehmen, teure Schulbusse gibt es nicht, passte prompt den Fahrplan an: Der letzte Bus fährt um 15 Uhr statt wie davor um 16 Uhr. Die Kinder kommen nicht mehr auf ihre Dörfer. Die Auslastung der Betreuung in der sogenannten Randstunde sank rapide.

Andere GS reduzierten kurz darauf ebenfalls ihre Ganztagsbetreuung auf 15.30 Uhr oder sogar 15 Uhr und bsp. freitags gar nicht. Weil die Honorarfrage für das Personal immer noch nicht geklärt ist bzw. nicht genug Geld vorhanden ist zur Verfügung gestellt wird.

Der Gemeinderat resümiert inzwischen: Ganztag wurde umfassend ausgebaut, wird aber offenbar nicht gesellschaftlich akzeptiert. Wird in dieser Gemeinde nicht weiter gefördert!

Dem Rechtsanspruch auf frühkindliche Betreuung begegnete man in dieser Gemeinde übrigens mit massiver Schulung von Tagesmüttern. Fast die Hälfte der Krippenkinder sind bei Tagesmüttern untergebracht. (Langzeitarbeitslose wurden mit dieser Maßnahme wunderbar in den Arbeitsmarkt integriert, Klagen wegen Rechtsanspruch ist damit ebenfalls zu 100% vorgebeugt. Wer bei einem Kettenraucher mit großen Hunden oder im 5. Stock den liebevollen Tageselternplatz ablehnt, hat es wohl nicht nötig. Been there, done that!)

Als Beteiligte in diversen Gremien und aufgrund der qualifiziert grunddämlichen Kommentare diverser männlicher Mitentscheider ploppt bei Mamamotzt manchmal Zweifel am Entwicklungsstand der Nation auf.

Der Wert von Kindererziehung ist gesellschaftlich offenbar nur durch wenig zu unterbieten und ist durch noch viel weniger auch nur ein Mü steigerbar.
(Der geneigte Leser möge beachten, dass er zu Mamamotzts Filterbubble gehört und das Thema anders betrachtet. Doch draußen in der realen Welt weht der Wind der Realität und kühlt enorm.)