Exemplarisch für viele Alleinerziehende

Mama motzt sich hier ihre höchstpersönliche schlechte Laune aus dem Leib, die sie ihren Brillanten nicht zumuten mag. Gegrübelt hat sie für sich alleine lange genug, gestresst war sie oft, Hürden stehen immer wieder mal auf dem Weg. Der Dampf muss raus. Hindernisse existieren.
Ginge es Mamamotzt darum, persönlich diskreditieren zu wollen, würde sie das anders tun. Hier werden bloß Fakten aus dem Alltag repliziert. Exemplarisch für Viele.

Ihr Grunddilemma ist nicht das Alleinsein, nicht das Alleinsein mit Kindern, nicht die Elternschaft, nicht das Vereinbaren von Arbeit und Kindern. Alles gar kein Problem. Ihr stößt auf, dass der Umgangselternteil sie ziemlich komplett alleine lässt, was die Verantwortung für die gemeinsamen Kinder betrifft. Obwohl er gehirnwäscheartig das Gegenteil behauptet. Und damit für seinen Teil erfolgreich ist.

Sie sieht nicht, wann er sich um die Kinder kümmert, obwohl er sagt, er tue das ausgiebig.

Sie findet keine gemachten Hausaufgaben bei den Kindern, obwohl er das doch gerne macht, wie er sagt.

Sie bemerkt nicht, wann er die Kinder zu ihren Hobbys transportiert, obwohl er das natürlich tut, behauptet er doch.

Sie fragt sich, ob er jemals finanzielle Verantwortung übernehmen wird, obwohl er seit Jahren davon spricht und seither keinen Cent übrig hatte.

Achso, zuletzt habe sie ihn all das nicht tun lassen. Sagt er. Er wolle das alles und noch viel mehr so unbedingt, doch sie verhindere das einfach. Der Arme, er wird dafür von seinem gesamten Umfeld sehr bemitleidet. Quasi alleinerziehender Vater ist er und Mamamotzt schmeißt ihm einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Das Leben ist so hart.

Die Kinder warten übrigens auf all das, seit Jahren, und können sich nicht mal einer Premiere entsinnen.

Wenn die Post nicht ankommt

Wichtige Post erreicht den Ex leider regelmäßig nicht, Murphys law. Es ist immerhin die beste Ausrede, sich um nichts zu kümmern, dass man ja auch nichts davon gewusst habe. Mamamotzt listet hier mal einige der „besten“, wirklich geäußerten Ausreden von Ex, warum Einschreiben und Co. ihn nicht erreichten. (Mündliche Absprachen funktionieren nicht, und einige Angelegenheiten laufen eben nur schriftlich, bsp. Dokumente unterzeichnen etc.)

– Böse Nachbarn: Die gehen tatsächlich an den Briefkasten und fischen Post raus, besonders Einschreiben und Benachrichtigungen über postgelagerte Sendungen! (Er überlegt ja auch schon, deswegen umzuziehen! Wer will denn in so einer Umgebung wohnen?!)

– Nichts angekommen, sonst hätte er sich doch sofort gekümmert!

– Angekommen, aber da war nur so ein Schmierpapier drin. Muss Mamamotzt falsch eingetütet haben. Hat er aber natürlich Verständnis für, sie ist ja total überlastet. Soll sie halt nochmal schicken.

– Angekommen? Kann nicht sein! Da waren ausschließlich Prospekte im Briefkasten, seit bestimmt drei Wochen! Wanderte natürlich sofort ins Altpapier.

– Einschreiben mit Rückschein? Er war nicht da, eine Benachrichtigung hat er auch nicht bekommen. Bestimmt wieder die komischen Nachbarn. Naja, er will ja eh ausziehen.

– Post? Aber er war doch zuletzt drei Monate nicht in seiner Wohnung! Da konnte er doch nicht an seinen Briefkasten, das gilt nicht! Soll sie halt nochmal schicken. Er ist jetzt empfangsbereit!

– Der Briefzusteller muss unzuverlässig sein. Die Nachbarn klagen auch. (Ja, genau, die besagten Nachbarn!)

– Häh? Post? An die Adresse? Aber er ist doch umgezogen. (Und hat es nicht gemeldet.) Dann gilt das nicht, wenn die Post nicht an seine richtige Adresse geschickt wird.

Weil das vermutlich übertrieben wirkt, plant sie soeben weitere Listen mit den „besten“ Ausreden von Ex auch zu anderen Themen. Seine Phantasie ist unerschöpflich und Mamamotzts Erstaunen gleichfalls immer wieder.

Wer übrigens meint, das nachahmen zu wollen und hier eine klasse Anleitung gefunden zu haben: Nix is! 😛
Darauf hat Ex erstens das Patent (was Mamamotzt sicher nicht verteidigt) und zwotens bedeutet so ein Verhalten nichts anderes als: „Kinder, ihr könnt mich mal! Ihr seid mir völlig wumpe!“ Das verstehen Kinder.  Gute Eltern benehmen sich nicht so.

Langsam wieder die Alte? Oder: Die Rückkehr der Kreativität!

Heute morgen ist Mamamotzt ungeheuer früh gut gelaunt aufgewacht und hat im Bett schon angefangen, zu recherchieren. (Gut, weil sie am Vorvortag sehr lange auf war, lag sie bereits um 20.30 Uhr längs und ist eingenickt, aber dennoch.)

Tägliche Knackpunkte wie der Morgen und der Abend waren lange nicht ihre liebsten Tageszeiten. Ob sich das endlich wieder ändert? Morgens muss sie seit über einem dutzend Jahren aufstehen, weil die Kinder zu versorgen sind. Und ab dem Weckerklingeln bedeutete das einen ungeheuer vollgepackten, pausenlos langen, meist anstrengenden Tag. Gerne mit unerwarteten Hindernissen, für deren Beseitigung nur sie zuständig ist. Abends das gleiche, nur umgekehrt. Das muntere Kraft-Bächlein ist längst gegen Mittag irgendwo in des Tages Todeswüste versiegt, über den Nachmittag mit Kindertransporten, Arztterminen, Kinderhobbies usw. hat sie sich irgendwie gerettet, die Kinder mit einer Nachtspeise gesättigt und ins Bett verfrachtet, um dann einen der immer geballt auftretenden Elternabendtermine wahrzunehmen.

Wenn sie dann im Bett liegt, fahren die Gedanken und Sorgen munter Karussell und spiralen sich bis in den frühen Morgen durch ihren Kopf. Das abendliche Bett, ein Ort des Grauens, an dem alles nochmal aufbrandet, was am Tag nicht geschafft wurde (zu viel), was mit der Selbständigkeit verdient wurde (zu wenig), und was der Vater der Kinder zuletzt gegeben hat. (NIX!)

Beruflich vor einer Dekade hoch motiviert hatten die ewigen Rückstöße („Als Mutter hier arbeiten? Nein! Aber wir bieten Ihnen sehr gerne ein kostenloses Praktikum für ein halbes Jahr an, denn Sie sind ja gut!“) über die Maßen an Mamamotzt gezehrt. Die Selbständigkeit im Mediensektor ist ohnehin hart und wird mit Kleinstkindern nicht einfacher. Ein nichtunterstützender Vater, der aber flott genug ist, sich alle Boni einzuheimsen, die es für Kinder gibt, ist schätzungsweise genauso angenehm wie eine schlimme Krankheit. Und schlimme Krankheiten gibt es auch, so dass durch das Bekümmern schwerstkranker Großeltern nochmal viele Stolpersteine hochschossen.

Kurze Zusammenfassung der letzten Jahre also: Wille und wirtschaftlicher Zwang, erwerbstätig zu sein, aber ausgebremst geworden durch das Muttersein (dass so etwas im Jahr 2014 immer noch möglich ist …) und die Pflege der Großeltern. Den ganzen Tag gerackert, aber oft kaum etwas verdient. Kunden durch Geschäftsaufgaben verloren. Abends nicht nutzlos und dämlich gefühlt, weil Existenzängste trotz der Schufterei zum Brotbelag wurden. Da versiegt einfach irgendwann auch die größte Kreativität und der Mut verlässt den Menschen.

Vor zwei Jahren war das Ausbrennen schon mal ganz schlimm, doch damals wollte Mamamotzt noch keine „harten“ Medikamente nehmen. Die reine Alltagsfunktionabilität stellte sie mit eisernem Willen wieder her. Also die lückenlose Versorgung der Kinder. Für viel mehr reichte es nicht. Jedes Extra war zu viel. Blei lag auf ihr, bei allem was sie tat.

Noch gar nicht lange her war es wieder so weit, dass selbst das Schneiden einer Scheibe Brot zur unüberwindlichen Aufgabe wurde. Kein Scherz!  Wo ist das Brot überhaupt, oder ist keines mehr da? Wo ist das Brotmesser? Wie rum muss das Brot gelegt werden? Wohin gehören nochmal die Finger für sicheren Halt? Und warum, zur Hölle, muss Mamamotzt über sowas überhaupt nachdenken, da ist doch vermutlich etwas falsch?

Nun ist sie mit einem Antidepressivum eingestellt, schlief die ersten Wochen wirklich wahnsinnig viel, und arbeitet sich mit dem gewohnten eisernen Willen zurück ins Leben. Ins Leben, wie es ihrer Meinung nach sein sollte. Mit ihren Ideen, ihrer Freude und überhaupt: Mit ihr!

Auf geht´s!