Eine Frage der Würde

Neulich bei Gericht, ein Mann und eine Frau (geschieden) treffen sich. Es geht um das Sorgerecht für die Kinder, die Frau ist nicht zufrieden. Sie muss seit Jahren alles alleine entscheiden, und wenn sie den Mann um Rat fragt oder um eine Unterschrift für irgendwas, ist er nicht zu erreichen oder reagiert nicht. Sie möchte juristisch sauber alleine die kindesbezogenen Entscheidungen treffen und hat daher um Übertragung des Sorgerechts gebeten. Reiner Pragmatismus.

Dem Mann würde nichts genommen, was er normalerweise hat/nutzt/braucht. Der wenige, unregelmäßige Umgang zeugt nicht von großem Interesse an seinen Kindern, Fragen stellt er nicht, mit den Kindern spricht er kaum.

Der Richter erkennt die beiden wieder, sie waren schon öfter bei ihm, die Frau hatte Anträge gestellt, der Mann hatte laute und engagierte Reden dagegen geschwungen. Der Richter erinnert sich.

Unzuverlässige Schreiberei

Der Mann ist nicht einverstanden, er will natürlich an allen Entscheidungen weiterhin beteiligt sein. Die Frau freut sich und erinnert an rund zehn offene Briefe mit diversen Themen, die er noch nicht beantwortet hat.
Dem Richter kann der Mann einen sechs oder mehr Jahre alten Fall als letzte gemeinsam getroffene Entscheidung nennen. (Zufällig war der Mann gerade in der Nähe, als ein Unfall passierte und er begleitete die Frau ins Krankenhaus. Purer Zufall und medizinische Notfälle werden sowieso behandelt.)

Der Mann behauptet, die Frau antworte nie auf seine Mails. Auch nicht auf die letzte.
Nein, er wisse nicht mehr, was er überhaupt geschrieben habe. Aber eine Antwort habe er nicht bekommen. Bekomme er ja nie! Er kann auch alles belegen. Sein Rechtsanwalt wedelt mit losen Zetteln.
Alle ausgedruckten Mails bis auf eine sind von der Frau, an den Mann adressiert, es geht um die Kinder. Da muss ihm der Drucker aber einen gehörigen Streich gespielt haben.
Die Mail von ihm soll einen seiner versäumten Umgänge jüngst rechtfertigen und ist sicher nur beispielhaft aufzufassen, denn sie ist gute drei Jahre alt. Die tatsächliche Mail ließ sich wahrscheinlich nicht ausdrucken.
Das Pech klebt an ihm, es ist wie verhext.
Das Thema konnte nicht vertieft werden, wie auch einige andere Dinge, die sich auf den ersten Blick und bei genauerem Hinsehen ebenfalls nicht erschließen.

Alte Kamellen sind immer gut

Die Frau brauchte Dokumente für die Kinder, die sich beim Mann befinden. Der Mann rollt uralte Kamellen auf: „Ich habe die Dokumente nicht. Woher will sie wissen, dass ich sie habe? Sie hat mich aus der Wohnung geschmissen und die Schlösser getauscht!“ (Der Zusammenhang wird sich gleich erschließen. Es war ihre Wohnung, er ist nach einem Besuch einfach nicht mehr gegangen.) „Dadurch hat sie meine Umzugskartons unrechtmäßig in ihren Besitz gebracht!“ (Wie sind die überhaupt in den Keller gekommen? Sie hat ihm Fristen gesetzt, er hat sich nicht gekümmert, die Kartons liegen seit ca. fünf Jahren abholbereit beim Nachbarn im Unterstand.) „Die Dokumente sind in den Kartons!“ (Was ist so schwer daran, das mitzuteilen?! B.t.w. sind die Dokumente nicht in den Kartons, hat mal jemand festgestellt.)

Vor lauter Stress mit den Kindern vergisst mann einiges

Der Mann stöhnt, soviel habe man zu regeln mit mehreren Kindern! (Sonst hat er den Richter immer gefragt, ob er sich das überhaupt vorstellen könne, mehrere Kinder?!, diesmal hat er das irgendwie vergessen.) Schreiben sei bei so vielen Kindern viel zu aufwändig und unzuverlässig! Mails kommen nicht an (besonders, wenn sie nie geschrieben wurden), Post wird von Nachbarn geklaut oder vom Briefträger unterschlagen, passiert ständig. Viel besser und effektiver sei, zu telefonieren!

Nun stöhnt die Frau leise.

Zeugnisse, sagt der Mann, überhaupt bekomme er nie Zeugnisse von den Kindern vorgelegt. Was für ein Aufwand das sei, ständig den Schulen hinterherzutelefonieren. Alles mögliche müsse er selbst erfragen, dabei habe die Frau doch die Pflicht, ihm alles zu berichten!
Auf welche Schule die Kinder gehen, wird der Mann gefragt. Als sein Stottern kein Ende nimmt (er weiß es nicht), schnappt ihn sein Anwalt für eine Unteredung unter vier Augen.

Respektvolle Entscheidung Vollmacht

Der Richter schlägt eine Sorgevollmacht vor. Das Jugendamt hat nach Befragung der Kinder eine Übertragung der Sorge auf die Frau befürwortet und als Alternative eine Vollmacht vorgeschlagen. Dem schließt der Richter sich an.
Falls der Mann sich spontan zu keiner Aussage überwinden könne, würde der Richter die Kinder befragen und die Kinder hätten offenbar eine klare Meinung, so dass das Sorgerecht dann übertragen würde.

Die Vollmacht befugt die Frau, relevante Dinge für die Kinder künftig alleine regeln zu können. Der Mann hat weiter das Sorgerecht. Die Würde des Mannes als Elternteil bleibt gewahrt, die Frau ist zufrieden, weil sie endlich leichter handeln kann.

 

 

 

 

 

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Gut oder böse ist nicht die Frage

Bald ist es soweit, dann wird sich Mamamotzt mit Ex und dem Richter unterhalten, warum es unbedingt nötig war, das Gericht zu bitten, ihr alleine zu erlauben, eine Therapie für ein Kind zu beginnen. (Anstelles des Ex, der sich nicht rührte.) Kein Weltuntergang, aber unschön und vermeidbar. Und sie ist bannig hibbelig, ui ui ui.

Man könnte meinen, vor Gericht ist immer einer gut und der andere eben böse. Die Filterblase von Mamamotzt würde sie vermutlich zu den Guten stecken. Aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass sie seit Monaten versucht hat, vom Ex eine Zustimmung zu einer Therapie für einen Brillanten zu bekommen.

Und es wird darum gehen, ob ihr Bemühen darum ausreichend war. Ob sie dem Ex hätte auflauern müssen an seinen vermuteten Aufenthaltsorten. Eine Arbeitsstelle ist nicht bekannt, dort kann man ihm nicht auflauern. Auf Post an seine Meldeadresse reagiert er nicht, das lässt vermuten, dass er sich selten dort aufhält. Wie in der Vergangenheit mehrfach vorgenkommen, wochenlang abwesend.
Wo hätte sie ihn treffen können?
Zum Umgang ist er monatelang nicht erschienen. Sonst hätte man da mal fragen können, ob er zustimmen möchte.

Sie braucht für die Therapie eines Kindes seine schriftliche Zustimmung. – Der wievielte Post zu dem Thema ist das eigentlich inzwischen …?! – Obwohl er nicht wirklich eine Ahnung hat, warum das Kind eine Therapie benötigt. (Hat er schon irgendwie, weil sie ihn in Kenntnis gesetzt hat, bereits vor Jahren. Aber er hat nie wieder nachgefragt. Vor Jahren hatte er bloß angekündigt, er wolle sich um das Kind fortan selbst kümmern. Als der Satz ausgesprochen war, war die Luft wärmer und die Ankündigung bereits vergessen. Passiert ist: nichts.)

Sie hat ihn mehrfach geschrieben. Keine Reaktion. Streng genommen. Denn er soll in anständigem Ton und verständlich antworten. Was er, wenn er überhaupt reagiert, offenbar nicht vermag. (Siehe Beitrag Gehirnquark, PW auf Anfrage.) Zumindest hat sie keine sachdienliche Information vom Ex bekommen.

Sie hat ihn aber nicht angerufen. Anrufen bewirkt nichts, so ihre Erfahrung aus der Zeit mit ihm, Thema ist sogar egal. In einem anderen Gerichtsbeschluss ist festgehalten, dass die Kommunikation zwischen beiden Eltern schriftlich zu erfolgen hat. Doch das war ein anderer Bereich, strenggenommen. Wird das ihr Verhängnis? Ist das akzeptabel?

Geht es, neben der dingend ersehnten Unterschrift, überhaupt um mehr, als um einen eventuellen richterlichen Rüffel?

Gemäß urban legends umwuselt einen solchen Termin schon die Entziehung des Sorgerechts. Ganz oder in Teilen. Einem oder aller Kinder. Und nun der „Witz“: das droht ihm, ihr aber auch!
Weil der Richter finden könnte, sie spiele mit ihrer Sorgepflicht und informiere den Ex nicht ausreichend. Dabei ist es einigen RichterInnen nämlich gleich, wie sehr sich die Exen einbringen oder nicht einbringen in die angeblich gemeinsame Erziehung oder ob sie sich gar davor verstecken. Wie hier. Im Namen des Kindeswohls habe man sich abzusprechen und einer von beiden müsse eben kompromissbereiter sein. (Mamamotzt wohl?!?)

Sie stecken bereits drin in der Mühle der Gerichtsverhandlungen und Gesetzesauslegungen. Manchmal geht es längst nicht mehr um Recht und schon gar nicht um optimale Situationen für die Kinder. Es geht manchmal nur noch um Verfahrensfehler und persönliche Ideologien. Auch Richter sind Menschen mit Biographien und eigenen Lebenserfahrungen und hängen gewissen ideologischen Schulen an. Nicht alle abstrahieren amtsangemessen.
Es kam schon vor, dass in ähnlichen Fällen wie diesem ein Alltagselternteil das Gericht verließ und alle Rechte verloren hatte. Trotz umfassender Sorgeausübung in allen Bereichen. Und eben nicht mit der benötigten Unterschrift den Saal verließ.

Sie hofft auf das Beste.

Eine Farce – Sorgerecht bei geschiedenen Eltern

Eines der Kinder hat ein Problem und benötigt eine Therapie. Bzw. eine Diagnostik erstmal.

(Wer nicht mehr leben will, bereits Anstalten macht, mitten im Winter auf die Straße zu ziehen und auch sonst immer mal einen todunglücklichen Eindruck vermittelt, fällt als Kind nicht mehr in den Bereich „es ist nur eine Phase“.)

Endlich ist die monatelange Wartezeit auf das Erstgespräch vorbei, da platzt in der Praxis die Bombe.

„Getrennt?! Gut, lassen sie den Ex bitte hier unterschreiben!“

Mamamotzt erklärt, dass sowas erfahrungsgemäß schwer wird, der Ex besonders zu solchen Momenten komischerweise nicht greifbar ist und er davon abgesehen aus freien Stücken lediglich die Rolle als fehlender Vater im Alltag einnähme. Von seiner Einwilligung könne doch die eventuelle Therapie nicht abhängen.

„Doch!“

BÄMM!
Bämm

Bitter!

Mamamotzt ist seit sieben Jahren komplett alleine mit den Kindern, ohne einen Handschlag an Unterstützung durch den KV, ohne einen Cent an Alimenten. Arbeitet sich krumm und gibt ihr letztes Hemd, bastelt und repariert, tröstet und gibt Nachhilfe, feiert und kämpft wie eine Löwin.
Aber weil das Gesetz so ist, hat der andere Elternteil trotzdem die Macht, alles mögliche zu verhindern.
Durch Nichtstun in diesem Fall, er muss noch nicht mal aktiv werden.

Und das ist völlig in Ordnung! Rein gesetzlich.

Nächster fataler Schritt: das Einschreiben

Mamamotzt schrieb also flugs einen Brief an den Ex und brachte ihn zur Post. Da der Ex öfter „keine Post erhalten“ hat, gab sie den Brief als Einschreiben auf. Und meinte Einwurfeinschreiben. Dummerweise muss man das extra sagen, das Einwurfeinschreiben kostet auch weniger als ein normales Einschreiben, es wird dann schlicht in den Briefkasten eingeworfen und gilt als zugestellt. Das Einschreiben wurde vom Ex nicht angenommen und liegt jetzt im Postamt (wahrscheinlich ist er länger nicht zu Hause, er hat es auch zwei Wochen lang nicht abgeholt). Der Brief müsste auch längst wieder zurück sein, weil er länger als sieben Tage nicht abgeholt wurde, aber irgendwas hakt wohl gerade bei der Post.
Ausgerechnet jetzt.

Warum keine Mail, kein Fax, kein sonstnichts?
Weil Ex nicht über einen Drucker verfügt. Und falls er inzwischen einen hätte, wäre Papier oder Farbe alle und er zu klamm, neues zu kaufen, oder, oder, oder.
Es war die vermeintlich leichteste Möglichkeit für ihn, dem Kind die benötigte Unterschrift zu gewähren.

Naja, falsch gedacht.

Und nun?

Alles ist möglich. Von der gerichtlichen Zustimmung, die Mamamotzt im schlimmsten Fall einholen wird, über viele Rügen, die sie garantiert wieder einstecken muss, weil sie den Ex nicht zur gemeinsamen Sorge motivieren kann, bis zur nicht stattfindenden Therapie.
!!!! *scheitschiebenScharenmmchtrrgrrrnichts!!!!

*Zähnewiederauseinander*

Mamamotzt hat keine Ahnung. Aber irgendwie muss es ja weitergehen. In einer äußerst knappen Woche sind da bestimmt noch irgendwo einige Fahrten und Stunden zu Ämtern und Behörden drin, um alles gesetzeskonform zu erledigen.

Blöde Gesetze, manchmal. Fühlen sich so oft wie Knüppel zwischen den Beinen an.

Narben brechen auf: Bitte um Unterschrift

Warum triggern Themen, die sich auf gemeinsames Sorgerecht beziehen, Mamamotzt eigentlich so?
Aktuell das Thema Anmeldung weiterführende Schule.

Theoretisch sollen das beide sorgeberechtige Eltern entscheiden, und wenn der Ex davon wüsste (wie kann man erwarten, dass er als mehrfacher Vater von alleine weiß, wann seine Kinder die Schulen wechseln, wo er nicht mal die Ferientermine in Erfahrung bringen kann ohne Silbertablett?!), dann würde er seinen hochwichtigen Senf dazugeben.

Mamamotzt wird die Anmeldung erneut alleine vornehmen. Sie kennt das Kind, sie machte mit dem Kind Hausaufgaben, sie lernte mit ihm für Prüfungen und sie kennt die Schulen am Ort.
Ex hat nur einmal in addierten 13 Jahren Schulkindjahren die Schule aufgesucht (selbst die letzte Einschulung hat er verpasst geschweige denn je eine mit vorbereitet etc. …), echauffierte sich, und seitdem müssen Schule und Mamamotzt ihm alle Informationen hinterhertragen. Ex macht nichts draus, aber es ist halt sein Recht und wird lautstark eingefordert!
Kein Erscheinen zu Elternabend, Klassenfahrtbesprechungen und Schulfesten, nichts. Aber wehe, die Infos kommen nicht!

Es gibt somit glücklicherweise meist keine Diskussionen außer der, dass Ex als Vater natürlich am besten weiß, was das Richtige für seine Kinder ist (kicherkicher) und Mamamotzt entscheidet souverän.
Aber warum triggert es jedesmal so, wenn es um das gemeinsame Sorgerecht geht und Mamamotzt Ex um bsp. Unterschriften bitten muss?

Weil das dem Ex eine wichtigere Position zuweist, als er in der Familie besetzt? Weil sie durch fehlende Unterschrift blockiert wird in der Alltagssorgeausübung, aber dennoch die kompletten Alltagspflichten tragen muss? (Unterschriften kommen, wenn benötigt, meist irgendwann, vier bis sechs Wochen später, man muss nur ausreichend hartnäckig hinterher sein, bekommt Ärger wg. verspäteter Einreichung etc. etc.) Weil man sich den Ärger sparen könnte?

Weil man nicht versteht, wie Menschen sich so widersprüchlich verhalten und einerseits anhaltend behaupten, dass sie durch Mamamotzt separiert werden, aber andererseits keinen Finger krumm machen für die Kinder?

Die Verhältnisse sind seit Jahren gleich, vielleicht schon seit immer. Mamamotzt müsste mit der Situation längst klar sein. Aber an Tagen wie diesen rast das Herz und die Forderung, bitte jetzt gemeinsam mit dem Ex etwas tun zu sollen, empfindet sie im jeweiligen Moment als höhnische Beleidigung und Entwertung ihres ganzen Lebens und der 24/365 Bemühungen. Irgendwie.

 

 

 

Sorgerecht, vom Haben und Teilen müssen

Einem Freund wurde das Sorgerecht entzogen. Unverheiratet konnten sich beide Eltern nach der Trennung über diverse Themen nicht einigen, es gab viele Auseinandersetzungen vor Gericht. Teilweise spielte bei beiden verletzte Eitelkeit eine Rolle, der andere sollte mit seinen Ansichten nicht durchkommen, teilweise hatten sie einfach konträre Meinungen. Aber: Beide haben sich immer gut um die Kinder gekümmert. Er würde das gerne auch weiterhin tun. Nun darf er es nicht mehr.

Manchmal träumt auch Mamamotzt von mehr Autonomie als erziehender Elternteil oder wahlweise mehr Pflichten für den Umgangselternteil. Jede Unterschrift, die vom Ex eingeholt werden muss, verursacht Bauchweh und verzögert den betreffenden Prozess enorm. Die Einschulungen hat er unterschrieben, Mamamotzt musste ihn vergleichsweise wenig drum bitten (naja, ihn halt überhaupt erstmal suchen und finden!), damit sind die Kinder in der Schule. Bankkonten das gleiche, die Kinder bekamen Konten, die er unterschrieben hat, als sie ihn mal erwischte. Ausweise, als sich ein Urlaub im Ausland abzeichnete und es ratsam schien, Ausweisdokumente für die Kinder zu besitzen, klappten nicht mehr.

Es fühlt sich ungeheuer schlecht und ungerecht an und erzeugt ein Ohnmachtsgefühl, dass ein Elternteil, welches sich kein Mü um die Kinder kümmert, außer ab und an seine Elternschaft plakativ zu betonen, theoretisch immer und praktisch oft genug in Entscheidungsfindungen oder Prozesse die Kinder betreffend eingebunden werden muss/sollte und vor allem jederzeit eine Menge davon blockieren kann. Vieles entscheidet Mamamotzt inzwischen einfach alleine. Wohl wissend, dass es anfechtbar ist und sie sogar gerichtliche Verfahren riskiert und die sogar verlieren würde.

Als Beispiel die Wahl der weiterführende Schule: Es wurde die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten verlangt, die tätigte Mamamotzt. Also weiß der Ex bis heute nicht, auf welche Schule das älteste Kind geht. (Fragt auch nicht.) Warum auch, er ist durch seine Vaterschaft an sich schon so gestresst. Er weiß nicht, welche Fremdsprachen die Kinder wählen, ihre Lieblingsfächer, ihre Hobbies, wo die Schulen sind etc. Wenn ihm einfallen würde, dass er ja auch ein Wörtchen hätte mitreden dürfen, kann er sich immer noch beschweren und klagen. Zu Recht. Was für ein Generve!

An einer früheren Schule hat er Mamamotzt mit Wonne wortgewandt und lautstark diskreditiert, lässt sich seitdem alle schulischen Infos schicken, hat sich dann aber nie wieder dort gemeldet. Die Schule hat die heiße Luft inzwischen durchschaut, die er gemacht hatte, und sich bei Mamamotzt entschuldigt. Wenn er sich leider nicht kümmern kann, aus welchen Gründen auch immer, braucht er das gesetzlich abgesichert nicht. Aber Mamamotzt muss ihm trotzdem alles andere hinterhertragen. Denn Rechte hat der Mann nunmal.

 

So zerstreiten wie der Freund will Mamamotzt sich übrigens nicht, nur um das alleinige Sorgerecht zu bekommen. Zu viel Aufwand und ungesund, soviel Streit. Letztlich hat sie sich mit der heißen Luft der letzten Jahre ganz gut arrangiert und fährt einfach ihre OneWoman-Show weiter. Einigermaßen ungestört und dennoch bewusst, das ihr jederzeit eine Anklage droht.

Exemplarisch für viele Alleinerziehende

Mama motzt sich hier ihre höchstpersönliche schlechte Laune aus dem Leib, die sie ihren Brillanten nicht zumuten mag. Gegrübelt hat sie für sich alleine lange genug, gestresst war sie oft, Hürden stehen immer wieder mal auf dem Weg. Der Dampf muss raus. Hindernisse existieren.
Ginge es Mamamotzt darum, persönlich diskreditieren zu wollen, würde sie das anders tun. Hier werden bloß Fakten aus dem Alltag repliziert. Exemplarisch für Viele.

Ihr Grunddilemma ist nicht das Alleinsein, nicht das Alleinsein mit Kindern, nicht die Elternschaft, nicht das Vereinbaren von Arbeit und Kindern. Alles gar kein Problem. Ihr stößt auf, dass der Umgangselternteil sie ziemlich komplett alleine lässt, was die Verantwortung für die gemeinsamen Kinder betrifft. Obwohl er gehirnwäscheartig das Gegenteil behauptet. Und damit für seinen Teil erfolgreich ist.

Sie sieht nicht, wann er sich um die Kinder kümmert, obwohl er sagt, er tue das ausgiebig.

Sie findet keine gemachten Hausaufgaben bei den Kindern, obwohl er das doch gerne macht, wie er sagt.

Sie bemerkt nicht, wann er die Kinder zu ihren Hobbys transportiert, obwohl er das natürlich tut, behauptet er doch.

Sie fragt sich, ob er jemals finanzielle Verantwortung übernehmen wird, obwohl er seit Jahren davon spricht und seither keinen Cent übrig hatte.

Achso, zuletzt habe sie ihn all das nicht tun lassen. Sagt er. Er wolle das alles und noch viel mehr so unbedingt, doch sie verhindere das einfach. Der Arme, er wird dafür von seinem gesamten Umfeld sehr bemitleidet. Quasi alleinerziehender Vater ist er und Mamamotzt schmeißt ihm einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Das Leben ist so hart.

Die Kinder warten übrigens auf all das, seit Jahren, und können sich nicht mal einer Premiere entsinnen.

Ich muss, Ex kann

Sicher war einer der Gründe diesen Blog ins Leben zu rufen, die latente Unzufriedenheit, die ein nicht allein-sorgeberechtigter, aber komplett alleinerziehender Elternteil hat, was diesen Punkt betrifft. *

Der Umgangselternteil (UET), also der, der die Kinder nach der Trennung (hier: Scheidung) sehen kann, wann er will, und auf gar keinen Fall muss, wenn er nicht will (offiziell: „leider nicht kann“) hat vor allem Rechte, aber tatsächlich kaum bis gar keine Pflichten.

Als da wäre der berühmte, regelmäßige Umgang: Wenn der UET spontan an fiesem Männerschnupfen erkrankt (besonders oft im Frühling zu Beginn der Cabrio-Saison oder zu anderen, veranstaltungsstarken Jahreszeiten), kann er selbstverständlich den fest eingeplanten Umgang (Die motzige Mama hat sich Kundentermine auf das kinderfreie! Wochenende gelegt …!) eine halbe Stunde vorher absagen.

Gleiches gilt für längere Umgänge in den Ferien. Kann man als UET total vergessen, plötzlich doch noch arbeiten müssen, auf jeden Fall einfach die Kinder nicht abholen. Motzmama wird sie schon nicht auf die Straße setzen.

Als da wären auch die beliebten Unterschriften, die man(n) bis zum geht nicht mehr herauszögen kann, damit es nur nicht zu leicht wird. Im direkten Gespräch versprochen zu unterschreiben, ist schon mal gar nichts wert. Einschreiben kann man sehr wohl nicht erhalten, mit Rückschein werden nicht entgegengenommen und ungeöffnet zurück geschickt usw.

Während die Kohlen immer heißer werden, sitzt UET das gelassen aus. Um in allerletzter mit Unschuldsmine zu unterzeichnen. Bis dahin wurde Motzmama für ihr Unvermögen, eine dusselige Unterschrift beizubringen schon mehrfach angerüffelt.

Und als da wäre: Unter- … – was??? Unterhalt!

Jepp, theoretisch steht den eigenen Kindern Unterhalt zu. Wer Kinder zeugt, muss sie auch versorgen, oder so.  Aber es gibt ungezählte Möglichkeiten bei bester Gesundheit und trotz Arbeit sich so arm oder gleich nicht leistungsfähig zu rechnen, dass sogar Motzmama ob dieses unerschöpflichen Kreativitätspotentials immer wieder bass erstaunt ist. Und nicht nur sie!

Als da wäre als letztes heute die Gesundheitsfürsorge: Alleine kann Motzmama nichts großes in die Wege leiten, dafür braucht sie die Unterschrift vom UET. Der zwar keine Ahnung vom Alltag der Kinder hat, Interesse bei den seltenen Umgängen nach Motzmamas Ansicht bloß heuchelt, aber sein Mitspracherecht vehement einfordert. (UET erhält allerdings alle Mitteilungen üüüberhaupt nicht, in denen etwas von Kostenbeteiligung steht. Ein Schelm, wer …)

Heute also: Ist das Jüngste behandlungsbedürftig, weil es nachts nicht zuverlässig trocken ist und weil es lustiges, aber auffälliges Verhalten zeigt? Motzmama ahnt die Antwort und die unangenehme Konsequenz, und kann sich beileibe nicht vorstellen, wie mit dem UET zusammen eine vernünftige Therapiebegleitung gestaltet werden könnte. Diese Lässigkeit in UETs Verbindlichkeit den Kindern gegenüber, hat dann eine Therapie überhaupt Sinn?

Es gehen Jahre ins Land, bis so ein UET sich selbst durch sein Verhalten ein wenig demontiert. Bis dahin hat er Rechte, und auf die kann er pochen. Und vor allem kann er darauf pochen, leider gerade die theoretisch gesetzlich verankerten Pflichten nicht erfüllen zu können.

Aber Motzmama, die muss, für sie ist es weit weniger optional die Kinder zu versogen und ihren elterlichen Verpflichtungen nachzukommen. Sonst sorgt schon irgendwer dafür, dass es Konsequenzen hat. Für sie und die Kinder. Ach, und Rechte, welche Rechte hat Motzmama doch gleich? Auf jeden Fall keine, die mit Autonomie, Selbstbestimmung oder Arbeitswelt zu tun haben. Naja, also, außer auf dem Papier. Da sind diese Rechte offenbar genauso zahnlos, wie die danebengedruckten Pflichten des UET.

* In gut 90% ist es wie bei Motzmama: Alltagselternteil = Mama, UET = Papa. PC zu bleiben, was sowohl Gender als auch Inhalt betrifft, wird vermutlich kaum gelingen, aber versucht wird es hier wenigstens. Daher das umständliche Geschreibsel, denn nichts läge ferner, als die Situation von Motzmama zu verallgemeinern!