Mal wieder … Jobmisere

Es ist wahnsinnig ermüdend.

Seit die Kinder in der Schule sind, ist es unsagbar schwierig geworden, genug Zeit zum Arbeiten zu finden. Der Druck, als Freiberuflerin in Teilzeit, Halbzeit! genaugenommen, eine vierköpfige Familie über Wasser zu halten, ist belastend. Erdrückend. Absolut erdrückend.

Sparsames Haushalten ist Alltag, kein Problem. Aber die Krankenversicherung, die muss finanziert werden. Von Rente und Pflegeversicherung träumt sie nicht mal, es geht nur um das hier und jetzt.

Wie gerne würde Mamamotzt einen beliebigen, belanglosen Minijob ausführen. Nach Feierabend ist Ende und das Geld käme monatlich. Aber dann fehlt die Krankenversicherung für alle vier. Also geht das nicht.
Der „freiwillige“ Beitragssatz für die Krankenkasse liegt bei ca. 370 Euro, von max. 450 Euro Verdienst. … ungünstig.

Sie ist müde. Immer wieder für die ihr möglichen Kleinstaufträge neue Kunden suchen, immer balancieren und hecheln und in Sorge leben und schon länger die Auflage für die günstige Krankenversicherung (KSK) nicht mehr zu erfüllen.

So ermüdend, immer zu rödeln und sich Gedanken zu machen, Sorge zu haben, dass das Finanzamt sagt: „Ist nur ein Hobby. Davon können Sie doch nicht ernsthaft leben können wollen!“ – Und zu wissen: wollen ganz bestimmt nicht, aber müssen.

Die Kinder, die Verantwortung, der Wille und der Stolz, und der Totalausfall von Ex, der nur auf dem Papier bella figura als Unterhaltszahler macht.

So ermüdend, immer wieder den mehr als unzureichenden Betreuungssituationen das Arbeitsmodell anzupassen. Immer wieder sich selbst einzureden, dass es mit mehr Fleiß und Wille klappen könnte.

Die geistige Müdigkeit, die seit Jahren fehlenden Erfolgserlebnisse im Job (trotz selbstfinanzierten Fortbildungen immer weiter abwärts) lähmen den letzten Rest Kreativität.
Kreativität. Ihr berufliches Fundament.
Zerbröselt und wie Staub in alle Winde verweht.

Soifz und ach.
Nicht gut.

 

 

 

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Last Friday

Mächtig viel Trubel für nur einen Tag

Letzter Freitag bei der alleinerziehenden Working-Mum Mamamotzt.

5.45 Uhr: Aufstehen und Frühstück für Fünf richten, ein Gast ist seit Tagen im Haus.

6.00 Uhr: Frühstück etappenweise mit den vier Kindern absolvieren. Lunchpakete haufenweise vorbereiten. (Kein Traumstart vor einem langen Tag. Aktuell aber Dauerzustand.)

6.15 Uhr: Den eigenen Kindern erklärten, dass ein spontaner Termin einen Tag außer Haus erfordert und beim Gast auf Verständnis hoffen. Was soll sie für die Party am Abend mit Mitbringbüffett vorbereiten?

6.30 Uhr: Müllsäcke an die Straße stellen, immer bis um 7 Uhr morgens und nicht über Nacht. Jaja. Soifz.

6.45 Uhr: Merken, dass das Kind, welches um 7 Uhr an der Bushaltestelle stehen muss, noch ein Geschenk für eine Geburtstagsfeier eingewickelt mitzunehmen hat, aber leider nicht wissen, wo das Geburtstagskind wohnt (gerade umgezogen in anderen Landkreis). Und eingewickelt ist das Geschenk auch noch nicht. Google Maps muss zackigst helfen. War eigentlich als entspannter, privater Mamataxi-Dienst inklusive Navi geplant. Mist: Mit Öffis ist das Haus so gut wie nicht zu erreichen. Absprachen mit anderen Eltern (Wer ist denn, verdammt noch eins, auch dort eingeladen?!) klappen so kurzfristig nicht mehr. Nach dem Verlassen des Hauses ist das betroffene Kind nicht mehr gut zu erreichen.
Das große Kind rettet die Situation und weiß einen Trick.
Hallelujah!

7.00 Uhr: Das letzte Kind wird geweckt und fertig gemacht.

7.30 Uhr: Unterlagen packen, Termin vorbereiten, aufhübschen. Feststellen, dass das jüngste Kind offenbar ein paar Stunden alleine bleiben muss und nichts von seiner Einsamkeit weiß. Shit!

8.30 Uhr: Zug verpasst. Gnah!
Zurück nach Hause, nochmal durchsaugen und Notiz für das jüngste Kind schreiben.
Und was kann man nun am Abend auf die Schnelle zur Party mitbringen?! Gewünscht wird Fingerfood. Hm.

8.40 Uhr: Feststellen, dass ein Netzwerktreffen, welches normalerweise am Monatsletzten stattfindet, vorgezogen wurde wegen Schulferien. Auf … tataa, natürlich den heutigen Abend. Schnell noch anmelden. Zwei Fahrten an einem Tag in die Großstadt. Teurer Spaß.

10.00 Uhr: Beim Termin eintreffen und 10 Euro für ein Tagesparkticket löhnen. Weil der nächste Zug hoffnungslos zu spät gefahren wäre. Vorteil: Enorm Zeit gespart!

10.10 Uhr: Beim Mailcheck auf dem Smartphone im Gehen lesen, dass eine Redaktion etwas möchte, aber keine Zeit haben für eine vernünftige Antwort. Lieber ausreichend durchdacht als zweimal korrigiert reagieren, lautet Mamamotzts Devise. Am Wochenende wird kein Verschnaufen möglich sein. Mist, muss das bis Montag liegen bleiben.

14.20 Uhr: Termin läuft. Kinderhandy läutet nicht. Hat das Geburstagsfeierkind alles gut gemeistert oder hat es keinen Empfang?

14.45 Uhr: Termin zufriedenstellend beenden. Allerdings war aufgrund eines Wechsels in der Betreuung der Senioren morgen und der noch anstehenden TOPs heute in der letzten halben Stunde ohnehin kein konzentriertes Teilnehmen möglich. Der Vortragende wird´s verkraften.

15.30 Uhr: Auf dem Heimweg Gebäckteilchen deftiger Art erstehen. Und gute Kekse für einen Ausflug mit noch mehr Gästen am nächsten Morgen.

16.10 Uhr: Ankunft an blinkendem Anrufbeantworter zu Hause. So viele Nachrichten waren noch nie drauf! Ist was passiert?! Zum Glück nicht. Aber aus der Party wurde aufgrund guten Wetters ein Grillabend. Bitte Fleisch bzw. gefälliges Grillgut mitbringen.
Definitiv zuviel Spontaneität für Mamamotzt. Naja, auf der Fahrt zur Party kann sie ja noch im Supermarkt ein Kräuterbaguette etc. …

16.15 Uhr: Anruf bei der Familie des Geburtstagskinds, ob man arrangieren könne, dass das eigene Kind eine Mitfahrgelegenheit am Abend (Ende: 20 Uhr!) bekommt. Das Netzwerktreffen … Eine schwer kranke Mutter haucht dort nur ein: „Ich kann nicht mehr, versuch´ es später noch mal!“ in den Hörer. :O Die Geburtstagsfeier würde aber laufen. ???
Ausrichten lassen reicht nicht, das Kind ist instruiert, nur auf persönliche Anweisung von Mamamotzt oder per Codewort mit anderen mitzufahren. Kind muss also später unbedingt persönlich ans Telefon kommen. Sein Handy ist leider ausgeschaltet oder der Akku leer.

16.25 Uhr: Mitfahrgelegenheit für die beiden Partykinder organisiert, denn da Mamamotzt zum Netzwerktreffen fährt, müssen die beiden irgendwie anders über Land zurück von der Party kutschiert werden. Klappt dank netter Bekannter!

16.45 Uhr: Restliche Anrufe beantwortet. War irgendwie alles dringend.

17.30 Uhr: Das jüngste Kind ist bespaßt, gefüttert und instruiert, wie es einige Stunden sicher alleine bleiben kann. Die morgige Tour geplant, den Party-Grillkorb vorbereitet, die Partykinder ins Auto verfrachtet und los zur Party via Supermarkt.

18.00 Uhr: Sehr versöhnliche Worte auf der Party bezüglich der Gästeunterbringung und -versorgung vernehmen. Gut unterhalten.

19.00 Uhr: Abflug.

19.15 Uhr: Feststellen, dass die neue Telefonnummer der Geburtstagsfamilie noch am Kühlschrank hängt. Hoffen, dass das jüngste Kind (alleine zu Hause) am Tablet ist und Nachrichten empfangen kann. Die Kinder sollen sich abends nicht um das Haustelefon scheren (weil der Ex da manchmal Dummzeug erzählte). Nachricht um Nachricht versendet sich. Scheinbar klappt das nicht. Doch zu Hause anrufen.
Jüngstes Kind geht ran, weil „Anruf von Mama“ im Display stand. Puh!

19.30 Uhr: Geburtstagsfamilie telefonisch erreichen, eigenes Kind sprechen und Situation erklären. Auf zum Netzwerktreffen!

20.00 Uhr: Let the networking begin!

20.35 Uhr: Nachricht vom Geburtstagsgast: Heile zu Hause. Puh! Situation zu Hause super! Noch mal Erleichterung!

21.30 Uhr: Noch nichts gehört von den beiden Partynudeln. Das kann gut oder schlecht sein.

22.00 Uhr: Aufbruch, irgendwie steckt allen Netzwerkerinnen (alles arbeitende Mütter!) die letzte Woche dieses Mal sehr in den Knochen.

Ankunft zu Hause: Alles in Ordnung, alle Kinder munter. Haus steht noch, Katze gibt es eh nicht. Uffz!

Was Mamamotzt erst am nächsten Tag erfuhr: Das Kind mit Geschenk erschien unangekündigt zwanzig Minuten zu früh bei der sehr kranken Mutter. Dieser #muttifail geht an Mamamotzt!
Die Party wurde besonders supertoll, seitdem Muttern verschwunden war. Es fehlt nur ein Teller aus dem Partykorb. Das Grillgut kam unangetastet zurück.
Das jüngste Kind hat stundenlang und pausenlos alle Filme von Lego Star Wars auf Youtube geschaut.

Und der Tag war irgendwie anstrengend. Selbst einigermaßen ausgeschlafen (bis 7 Uhr am Samstag) fiel ihr das nächste Aufstehen recht schwer.

Weiterspielen? Vorstellungsgespräch

TastaturJuhu, wow, endlich, Katastrophe, Hilfe, …! Siebenunddrölfzig Gedanken fliegen  durch Mamamotzts Kopf.

Was ist passiert: Nach gefühlten Erdzeitaltern hat sie auf eine Bewerbung eine Einladung bekommen: zum Traumjob!

Es macht sie ziemlich nervös, weil es wahrscheinlich so wahrscheinlich ist, dass es gut wird. Aber auch, weil sie inzwischen keine große Erfahrung mehr im „Vorstellen“ hat.
Viele Vorstellungsgespräche wurden in den letzten Jahren gar nicht erst geführt, weil bereits ein Telefonat vorab klärte, dass Stelle und Mamamotzt nicht kompatibel wären.
„Kein Berechtigungsschein? Nein, dann nicht!“
Dabei bewarb sich Mamamotzt stets eigeninitiativ und ohne Amt. Außer in einem Versuch, der prompt besonders viele solcher „Berechtigungsscheine“ zu Tage förderte.
Das übliche eben. Sie kennen das. Dabei will Mamamotzt nur arbeiten und Geld für ihre Kinder verdienen.

Früher gab es eine Phase, in der sie offen wegen ihrer Kinder abgelehnt wurde, „natürlich nur mündlich, wir dürfen das ja vom Gesetz her gar nicht in die Absage schreiben …“.

Dieses mal nun kann es passen. Der Arbeitgeber weiß von Kindern und Lebenssituation. Es ist keine Notlösung, sondern der ideale Job für Mamamotzt. Ob der Arbeitgeber Mamamotzt auch als ideale Besetzung sieht, wird sich zeigen.

Es wäre eine ziemliche Herausforderung, ein gutes Stück entfernt außer Haus zu arbeiten und den doch umfangreichen Ansprüchen der drei Brillanten gleichgut nachzukommen. Und die Pflege bleibt ja auch.
Damals, vor den Kindern, war Arbeiten wie ein Spiel. Und sie spielte mit, war mittendrin. Nächster Job, neuer Auftraggeber, immer steigern, immer spannend.
Die Kinder waren der Rausschmiss, man wird vom Spielbrett gewürfelt. Aus, raus, vorbei.
Das Spiel auf dem Brett ging weiter, die anderen jagten sich gegenseitig und hatten Spaß, Mamamotzt guckte von draußen zu.

Umständehalber arrangierte sie sich da draußen. Suchte Nischen und Möglichkeiten, passte sich an und war ´heck die Sau´ flexibel. Sehnsüchtig schaute sie ab und zu aufs Spielbrett, wo die anderen sich immer weiter mit viel Spaß Runde um Runde jagten und überhaupt keine Notiz von ihr nahmen.

Für sie fühlt es sich jetzt aber nicht mehr wie ein Spiel an, käme sie überhaupt mit aufs „Spielbrett“. Mehr wie „friß oder stirb“.

An Tagen wie den letzten scheint wieder alles gar nicht zusammen zu gehen. Die Brillanten brauchen Hilfe bei den Hausaufgaben, und das läuft ohnehin schon nur auf Schmalspur. Hier 10 Minuten Fremdsprache, dort 10 Minuten Fremdsprache eins, dann Fremdsprache zwei, dreimal ein wenig Mathe. Soviel Nachhilfe kann man gar nicht bezahlen …
Die Hobbies auf dem Land erfordern ein Taxi (erst neulich platzte wieder eine Absprache mit anderen, – forget it!), Zahnspangentermine, die nicht per Öffi erreichbar sind, eine angebliche Hausaufgabenbetreuung der Schule in der Oberstufe ist … nicht mehr als ein Witz, die Pflegefälle laufen auch genau in solchen Momenten aus dem Ruder und haben gravierende Probleme usw.
(Nur Mr. Wow vermittelt in all dem ein klein wenig Sonnenschein.)

Drei Brillanten bedeutet drei verschiedene Heimkehrzeiten von Kindern mit vollen Herzen. Mit hungrigen Mägen. Mit vielen Fragen.
Ab 13 Uhr, jeden Tag. Jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten, nicht zu beeinflussen.

An solchen Tagen will Mamamotzt trotz aller Sehnsucht nicht mehr mitspielen. Um in der nächsten Runde als erste gleich wieder zu fliegen.

 

 

 

Frisches Design

Bin im Café - nicht ganz, aber ein Kaffee steht hier.
Bin im Café – nicht ganz, aber ein Kaffee steht immerhin hier.

Ein wenig frisch gemacht präsentiert sich der Blog vom Mamamotzt. Nach langer Zeit mit Bildern nur auf Twitter zieht etwas Farbe jetzt auch ins Blog.
Etwas plastischer will Mamamotzt es haben. Hübscher. Weniger Trist.

Zu schön, dass inzwischen so viele Menschen den Blog kennen! Eine Ehre, dass so viele Leser immer wieder kommen! Ein Wahnsinn, wie der Blog sich ohne jede SEO-Maßnahme in den Suchmaschinen etabliert hat. (Suche nach Mutter-Ex-motzen-alleinerziehend-Überlastungsdepression-Ferien-Sorgerecht Kombinationen führen laut Suchbegriffen direkt hierher.)

Als Dank dafür bekommen die Leser ab sofort mehr Bilder.

Merci à tous!

Der Weg führt nach vorn!
Der Weg führt nach vorn!

 

Keine Zeit für Mama

„K3 war noch nie weg von dir!“

Bämm! – Das saß! K3 ist immerhin gute acht Jahre alt.
Der lapidar dahinsinnierte Satz von K1 skizziert eine ziemlich lange Episode ziemlich prägnant.
Ohne, dass Mamamotzt bislang und sicher auch demnächst nicht dieser Gedanke gekommen wäre.

Ganz korrekt ist es nicht, K3 war bestimmt schon 15 mal bei Ex, und davon oft 48 Stunden. In acht Jahren, denn von Zusammenleben war schon seit vor der Geburt keine Rede mehr.
Aber es bedeutet, dass Mamamotzt seit der Geburt von K3 offenbar keine geilen Projekte außer Haus gemacht hat. Weder für zwei Wochen noch für zwei Monate.
Schock der Erkenntnis!

Es war schwer, eine gemeinsame Betreuung für drei Brillanten zu finden. Die beiden Großen waren öfter bei den Großeltern gewesen, solange die fit genug gewesen waren. Aber dann drei Brillanten packten die engagierten Großeltern nicht mehr. Und alleine wollte keiner der drei je „verreisen“, – es gibt sie eigentlich nur im Trio. (Ausnahmen bestätigen …)
Und wie alle wissen: Ex als Betreuung fiel natürlich regelmäßig bei Anfragen aus! Natürlich wollte er total gerne, aber es ging beim ersten Mal nicht, weil .. Beim zweiten Mal hätte er wirklich gerne geholfen, aber .. Beim dritten Mal war er dann auf unbestimmte Zeit nicht zu erreichen, immerhin mit Ansage.
Und danach wurde er nie mehr gefragt.

Kein Wunder, dass Mamamotzt sich dermaßen „draußen“ fühlt. Sie ist es einfach. Punkt. Keine Messe, kein Projekt, keine Forschungsreise, kein Abenteuer, nichts. Nur noch Kleinkunden.

Die Jahre der Pflege zuletzt waren ohnehin so anstrengend, dass nur jeden Neujahrsmorgen eine weitere Kerbe in den Türstock geschnitzt wird, damit das Zählen nicht durcheinander kommt.
Berufliche Ambitionen können nicht bloß sterben, sie können anscheinend auch aussterben. Tot, töter, am mausetotesten.

Schockierend war sicher vor allem die Erkenntnis, dass es K3 schon so lange gibt, dass ein Leben ohne unvorstellbar ist. Kann es ein Leben ohne K3 (K2, K1) geben? NEIN!
So lang aber, d.h. unvorstellbar lang, kriecht sie ziellos dahin und badet aus, was täglich auszubaden ist. Und verfolgt für sich keine großen Dinge mehr.
Außerdem glaubt sie auch, dass ein Abend beim Sport oder bei/mit Freunden ohne Kinder bereits eine wahnsinnig lange, kinderfreie Zeit sei. Plus natürlich die kinderfreien Vormittage in den knapp neun Monaten Schule pro Jahr.
Da kommt ihr die ewige Anwesenheit gar nicht so ewig vor.
(Wer hat sich noch nie selbst beschummelt???)

K3 muss durch diese Erkenntnis nicht zwingend sofort auf mehrmonatige Weltreise gehen. Auch in den viertägigen Sommerurlaub zu Verwandten gehen traditionell nur die beiden Großen, und mehr als zwei können dort nicht unterkommen, auch das wird sich nicht ändern. (Alleine verreist wiederum K3 nicht.)

Die Erkenntnis, dass die Zeit im Nest nun lang genug ist, wird das ihrige tun und sich auswirken. Good things will come along the way.
Da muss Mamamotzt nichts forcieren. Nimmt sie einfach mal an.

Elternrat und Kommunalpolitik

Die drölfundtrigsigste Elternratsversammlung, formal sehr flüssig, inhaltlich … interessant … mit folgenden Denkwürdigkeiten.

Das fertige, neue Konzept der Schule in der Vollversion:
1) Thema (freiwillig, schulintern)
– Wie gehen wir das Thema an?
2) Thema (umständehalber zwingend)
– Wie gehen wir das Thema an?
3) Thema (EU Vorschrift seit Jahren)
– Wie gehen wir das Thema an?

Im Ernst! Die Anwesenden waren überwältigt von der detaillierten Ausarbeitung.

Mitteilung, die Ganztagsbetreuung sei zu teuer geworden, werde nicht ausreichend nachgefragt und laufe daher künftig nur noch bis 15 Uhr. Sollte mehr Bedarf bestehen, gebe es die Möglichkeit, sich mit mindestens zehn bis zwölf Schülern zusammen zu tun und eine Personalstunde bei der Kommune einzeln zu kaufen.
Die Anmerkung, dass unterschieden werden müsse zwischen dem wirklichen Bedarf und dem Zwang, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, die nach 15 Uhr nicht mehr fahren und die Schüler sonst nicht nach Hause kommen, wurde abgebügelt. Kinder um 16 Uhr selbst abholen/mit dem Verkehrsträger sprechen/Stunde kaufen/egal.

Ja, eine Schulleitung interessiert so Verwaltungskram nicht. Hat mit Schule halt nichts zu tun.
Ja, der soziale Druck die armen Kinder nicht der elenden Ganztagsbetreuung an zumindest diesem Institut auszusetzen ist vor Ort da, was zu sinkenden Teilnehmerzahlen führt.
Ja, es werden sich noch viele Eltern wundern, wenn ihre großen, selbständigen Kinder nach der weiterführenden Schule auch direkt zum Mittagessen nach Hause kommen. Weil nur selten mehr als sechs Stunden Unterricht erteilt werden. Obwohl es pro forma alles Ganztagsschulen sind. Mit Aufenthaltskellerraum für die frei verfügbaren Stunden des Ganztags am Nachmittag.

Von allen wichtigen Ämtern konnte sich Mamamotzt erneut freihalten, einen Winkekasper hat sie gewonnen, zu verschmerzen.

Zur Zeit springen gewisse Möglichkeiten Mamamotzt einfach vor die Füße wie die Berberaffen auf Gibraltar den Touristen. Eine davon ist, mittels landesweitem Programm als Frau in die Kommunalpolitik zu schnuppern. Am Ende winkt die Kandidatur zur Kommunalwahl und in diesem speziellen Fall evtl. sogar ein Platz im Rat. (Btw: Nix ausgeschlossener als das!!!)
Aber das Schnuppern könnte stattfinden.
Bildet generell, vernetzt vor Ort noch besser bzw. wieder aktiver und birgt sicher auch einiges Fun.
Ist noch nicht fix, wird aber wahrscheinlicher.

In der Elternratssitzung begab es sich dann noch, btw, dass von allen neuen und alten Mitgliedern die ladefähigen Adressen vorhanden waren. Nur nicht von der renitenten Mamamotzt. Was für ein Zufall. Nach vielen Jahren in sämtlichen Ämtern.

Lokale Ganztagsbetreuung

Resümee der lokalen Ganztagsbetreuung, ein Drama.

Erzählt anhand dreier Kinder einer Familie und der Erfahrung aus einigen Jahren Elternvorstandsarbeit bis auf Regionsebene.

Die Krippe beherbergte K3 nur bis mittags. (Ganztagsplätze reserviert für Familien mit arbeitenden Vätern, keine Chance für die arbeitende Alleinerziehende. Ohne Worte!)
Der Kitaplatz für K2 zwei Dörfer weiter endete ebenfalls mittags. (Immerhin revolutionär: mit Mittagessen im Kiga!)
Die Grundschule lehnte vehement ab, Erstklässler K1 länger als bis zur vierten Stunde zu betreuen. – Offiziell offene Ganztagsschule (OGS) wurde vor Ort wurde mächtig Druck auf die Eltern ausgeübt, den Ganztag bloß nicht zu nutzen. –
Jahrzehnte einstudierte Strukturen und Rollenmuster lassen sich nicht in wenigen Jahren beiseite wischen. Besonders nicht bei älteren Pädagogen, offenbar.

In den letzten ca. zehn Jahren wurden aufgrund des gesellschaftlichen Drucks alle GS dieser Gemeinde in OGS umgewandelt. Der Durchbruch für arbeitende Eltern!?
Mitnichten!
Unstrukturierte und unqualifizierte Beaufsichtigung, keine Hausaufgabenbetreuung. Formell war die Umwandlung schnell erledigt, aber erforderliche Räumlichkeiten und vor allem Personal war nicht aus der Luft zu greifen. Bezüglich Personal sahen sich weder Land noch Gemeinde in der Pflicht, dafür aufzukommen. Freiwillige Mütter und ältere Hausfrauen wurden überredet, auszuhelfen. (Manche erlitt einen Nervenzusammenbruch, täglich dutzende Kinder konzeptlos zu betreuen ist kein Pappenstiel!)
Lehrer werden über das Land bezahlt, Schulräume stellt die Gemeinde. Nachmittagsbetreuung ist ein neugeborener Zwitter im Pinzettengriff, plumpst ständig runter, niemand hebt sie auf und mag sich kümmern.

Die Schüler erlebten tolle Nachmittage mit ihren Freunden in der OGS, mussten Hausaufgaben aber abends zu Hause erledigen.
-> „Haus-Aufgaben“ eben. (Ein Quell der Freude für vom Tagwerk müde Eltern und Kinder.)
Für Hobbies galt gleiches, abends noch an den langen Tag anhängen oder eben keine nebenschulische „Förderung“.

Transport nach dem Ganztag nach Hause: Auf dem Land ein Problem. Da Nachmittagsbetreuung nicht verpflichtend ist, kam es zu fulminanten Komplikationen mit Bus-Taxi-Eltern-Fahrten und Horden von stehen gelassenen Kindern.

Schnell korrigierte die erste der GS der Landgemeinde ihre Ganztagszeiten offiziell von 16 auf 15 Uhr zurück, obwohl etliche Kinder bis 16 Uhr den Ganztag nutzten – per kompliziertem „Stundenbuchungsmodell“ selbst bezahlt, von wegen kostenlos!
Das regionale Nahverkehrsunternehmen, teure Schulbusse gibt es nicht, passte prompt den Fahrplan an: Der letzte Bus fährt um 15 Uhr statt wie davor um 16 Uhr. Die Kinder kommen nicht mehr auf ihre Dörfer. Die Auslastung der Betreuung in der sogenannten Randstunde sank rapide.

Andere GS reduzierten kurz darauf ebenfalls ihre Ganztagsbetreuung auf 15.30 Uhr oder sogar 15 Uhr und bsp. freitags gar nicht. Weil die Honorarfrage für das Personal immer noch nicht geklärt ist bzw. nicht genug Geld vorhanden ist zur Verfügung gestellt wird.

Der Gemeinderat resümiert inzwischen: Ganztag wurde umfassend ausgebaut, wird aber offenbar nicht gesellschaftlich akzeptiert. Wird in dieser Gemeinde nicht weiter gefördert!

Dem Rechtsanspruch auf frühkindliche Betreuung begegnete man in dieser Gemeinde übrigens mit massiver Schulung von Tagesmüttern. Fast die Hälfte der Krippenkinder sind bei Tagesmüttern untergebracht. (Langzeitarbeitslose wurden mit dieser Maßnahme wunderbar in den Arbeitsmarkt integriert, Klagen wegen Rechtsanspruch ist damit ebenfalls zu 100% vorgebeugt. Wer bei einem Kettenraucher mit großen Hunden oder im 5. Stock den liebevollen Tageselternplatz ablehnt, hat es wohl nicht nötig. Been there, done that!)

Als Beteiligte in diversen Gremien und aufgrund der qualifiziert grunddämlichen Kommentare diverser männlicher Mitentscheider ploppt bei Mamamotzt manchmal Zweifel am Entwicklungsstand der Nation auf.

Der Wert von Kindererziehung ist gesellschaftlich offenbar nur durch wenig zu unterbieten und ist durch noch viel weniger auch nur ein Mü steigerbar.
(Der geneigte Leser möge beachten, dass er zu Mamamotzts Filterbubble gehört und das Thema anders betrachtet. Doch draußen in der realen Welt weht der Wind der Realität und kühlt enorm.)