Sorgerecht, vom Haben und Teilen müssen

Einem Freund wurde das Sorgerecht entzogen. Unverheiratet konnten sich beide Eltern nach der Trennung über diverse Themen nicht einigen, es gab viele Auseinandersetzungen vor Gericht. Teilweise spielte bei beiden verletzte Eitelkeit eine Rolle, der andere sollte mit seinen Ansichten nicht durchkommen, teilweise hatten sie einfach konträre Meinungen. Aber: Beide haben sich immer gut um die Kinder gekümmert. Er würde das gerne auch weiterhin tun. Nun darf er es nicht mehr.

Manchmal träumt auch Mamamotzt von mehr Autonomie als erziehender Elternteil oder wahlweise mehr Pflichten für den Umgangselternteil. Jede Unterschrift, die vom Ex eingeholt werden muss, verursacht Bauchweh und verzögert den betreffenden Prozess enorm. Die Einschulungen hat er unterschrieben, Mamamotzt musste ihn vergleichsweise wenig drum bitten (naja, ihn halt überhaupt erstmal suchen und finden!), damit sind die Kinder in der Schule. Bankkonten das gleiche, die Kinder bekamen Konten, die er unterschrieben hat, als sie ihn mal erwischte. Ausweise, als sich ein Urlaub im Ausland abzeichnete und es ratsam schien, Ausweisdokumente für die Kinder zu besitzen, klappten nicht mehr.

Es fühlt sich ungeheuer schlecht und ungerecht an und erzeugt ein Ohnmachtsgefühl, dass ein Elternteil, welches sich kein Mü um die Kinder kümmert, außer ab und an seine Elternschaft plakativ zu betonen, theoretisch immer und praktisch oft genug in Entscheidungsfindungen oder Prozesse die Kinder betreffend eingebunden werden muss/sollte und vor allem jederzeit eine Menge davon blockieren kann. Vieles entscheidet Mamamotzt inzwischen einfach alleine. Wohl wissend, dass es anfechtbar ist und sie sogar gerichtliche Verfahren riskiert und die sogar verlieren würde.

Als Beispiel die Wahl der weiterführende Schule: Es wurde die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten verlangt, die tätigte Mamamotzt. Also weiß der Ex bis heute nicht, auf welche Schule das älteste Kind geht. (Fragt auch nicht.) Warum auch, er ist durch seine Vaterschaft an sich schon so gestresst. Er weiß nicht, welche Fremdsprachen die Kinder wählen, ihre Lieblingsfächer, ihre Hobbies, wo die Schulen sind etc. Wenn ihm einfallen würde, dass er ja auch ein Wörtchen hätte mitreden dürfen, kann er sich immer noch beschweren und klagen. Zu Recht. Was für ein Generve!

An einer früheren Schule hat er Mamamotzt mit Wonne wortgewandt und lautstark diskreditiert, lässt sich seitdem alle schulischen Infos schicken, hat sich dann aber nie wieder dort gemeldet. Die Schule hat die heiße Luft inzwischen durchschaut, die er gemacht hatte, und sich bei Mamamotzt entschuldigt. Wenn er sich leider nicht kümmern kann, aus welchen Gründen auch immer, braucht er das gesetzlich abgesichert nicht. Aber Mamamotzt muss ihm trotzdem alles andere hinterhertragen. Denn Rechte hat der Mann nunmal.

 

So zerstreiten wie der Freund will Mamamotzt sich übrigens nicht, nur um das alleinige Sorgerecht zu bekommen. Zu viel Aufwand und ungesund, soviel Streit. Letztlich hat sie sich mit der heißen Luft der letzten Jahre ganz gut arrangiert und fährt einfach ihre OneWoman-Show weiter. Einigermaßen ungestört und dennoch bewusst, das ihr jederzeit eine Anklage droht.

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Exemplarisch für viele Alleinerziehende

Mama motzt sich hier ihre höchstpersönliche schlechte Laune aus dem Leib, die sie ihren Brillanten nicht zumuten mag. Gegrübelt hat sie für sich alleine lange genug, gestresst war sie oft, Hürden stehen immer wieder mal auf dem Weg. Der Dampf muss raus. Hindernisse existieren.
Ginge es Mamamotzt darum, persönlich diskreditieren zu wollen, würde sie das anders tun. Hier werden bloß Fakten aus dem Alltag repliziert. Exemplarisch für Viele.

Ihr Grunddilemma ist nicht das Alleinsein, nicht das Alleinsein mit Kindern, nicht die Elternschaft, nicht das Vereinbaren von Arbeit und Kindern. Alles gar kein Problem. Ihr stößt auf, dass der Umgangselternteil sie ziemlich komplett alleine lässt, was die Verantwortung für die gemeinsamen Kinder betrifft. Obwohl er gehirnwäscheartig das Gegenteil behauptet. Und damit für seinen Teil erfolgreich ist.

Sie sieht nicht, wann er sich um die Kinder kümmert, obwohl er sagt, er tue das ausgiebig.

Sie findet keine gemachten Hausaufgaben bei den Kindern, obwohl er das doch gerne macht, wie er sagt.

Sie bemerkt nicht, wann er die Kinder zu ihren Hobbys transportiert, obwohl er das natürlich tut, behauptet er doch.

Sie fragt sich, ob er jemals finanzielle Verantwortung übernehmen wird, obwohl er seit Jahren davon spricht und seither keinen Cent übrig hatte.

Achso, zuletzt habe sie ihn all das nicht tun lassen. Sagt er. Er wolle das alles und noch viel mehr so unbedingt, doch sie verhindere das einfach. Der Arme, er wird dafür von seinem gesamten Umfeld sehr bemitleidet. Quasi alleinerziehender Vater ist er und Mamamotzt schmeißt ihm einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Das Leben ist so hart.

Die Kinder warten übrigens auf all das, seit Jahren, und können sich nicht mal einer Premiere entsinnen.

Wenn die Post nicht ankommt

Wichtige Post erreicht den Ex leider regelmäßig nicht, Murphys law. Es ist immerhin die beste Ausrede, sich um nichts zu kümmern, dass man ja auch nichts davon gewusst habe. Mamamotzt listet hier mal einige der „besten“, wirklich geäußerten Ausreden von Ex, warum Einschreiben und Co. ihn nicht erreichten. (Mündliche Absprachen funktionieren nicht, und einige Angelegenheiten laufen eben nur schriftlich, bsp. Dokumente unterzeichnen etc.)

– Böse Nachbarn: Die gehen tatsächlich an den Briefkasten und fischen Post raus, besonders Einschreiben und Benachrichtigungen über postgelagerte Sendungen! (Er überlegt ja auch schon, deswegen umzuziehen! Wer will denn in so einer Umgebung wohnen?!)

– Nichts angekommen, sonst hätte er sich doch sofort gekümmert!

– Angekommen, aber da war nur so ein Schmierpapier drin. Muss Mamamotzt falsch eingetütet haben. Hat er aber natürlich Verständnis für, sie ist ja total überlastet. Soll sie halt nochmal schicken.

– Angekommen? Kann nicht sein! Da waren ausschließlich Prospekte im Briefkasten, seit bestimmt drei Wochen! Wanderte natürlich sofort ins Altpapier.

– Einschreiben mit Rückschein? Er war nicht da, eine Benachrichtigung hat er auch nicht bekommen. Bestimmt wieder die komischen Nachbarn. Naja, er will ja eh ausziehen.

– Post? Aber er war doch zuletzt drei Monate nicht in seiner Wohnung! Da konnte er doch nicht an seinen Briefkasten, das gilt nicht! Soll sie halt nochmal schicken. Er ist jetzt empfangsbereit!

– Der Briefzusteller muss unzuverlässig sein. Die Nachbarn klagen auch. (Ja, genau, die besagten Nachbarn!)

– Häh? Post? An die Adresse? Aber er ist doch umgezogen. (Und hat es nicht gemeldet.) Dann gilt das nicht, wenn die Post nicht an seine richtige Adresse geschickt wird.

Weil das vermutlich übertrieben wirkt, plant sie soeben weitere Listen mit den „besten“ Ausreden von Ex auch zu anderen Themen. Seine Phantasie ist unerschöpflich und Mamamotzts Erstaunen gleichfalls immer wieder.

Wer übrigens meint, das nachahmen zu wollen und hier eine klasse Anleitung gefunden zu haben: Nix is! 😛
Darauf hat Ex erstens das Patent (was Mamamotzt sicher nicht verteidigt) und zwotens bedeutet so ein Verhalten nichts anderes als: „Kinder, ihr könnt mich mal! Ihr seid mir völlig wumpe!“ Das verstehen Kinder.  Gute Eltern benehmen sich nicht so.