Chemo in den Sommerferien

Mamamotzt wollte nicht nur unangenehme Stories schreiben, denn natürlich gibt es auch sehr viel schönes im Leben.
Aber irgendwie ist manchmal der Wurm drin.

Dieser Post sollte lauten: „Wie wir spontan das erste Mal richtig Ferien machten“.

Leider war er noch nicht fertig, und nun wird er eben anders heißen. Mal wieder.

In den Jahren als Schulkinderfamilie hat die Mamamotztfamilie erst einmal richtig Sommerferien gemacht. Fast eine ganze Woche, so mit Urlaubsplanung und so.
In den den ersten Jahren liefen parallel noch Kiga und Krippe, die Zeiten muss man als Alleinerziehende zum Arbeiten nutzen. Also nur rund drei Wochen, in denen alle Kinder zu Hause waren im Sommer. Für diese Zeit hatte Ex jedes Jahr angekündigt, er wolle unbedingt die Kinder für länger holen und melde sich, sobald er zeitlich einen Überblick habe.
Daraus wurde bis heute: Einmal total gezwungene drei Tage. Und die auch noch 30 Stunden zu spät begonnen.

Man arrangierte sich, es war saublöd. Mit den Kindern fuhr sie spontan Freunde mit kleinen Kindern besuchen, nicht länger als ein paar Tage, weil man mit drei Steppkes die Gastgeber schon strapaziert. Oder den Patenonkel ohne Kinder und ohne Platz besuchen, aber mit Verständnis. Und ansonsten: Jedes Angebot öffentlicher Ferienbetreuung nutzen und durcharbeiten. Denn als Alleinerziehende, Selbständige schafft man in der Medienbranche quasi nur mit straffem Durcharbeiten, lebenswürdiges Einkommen zu generieren. Vollzeit ist aufgrund der ausbaufähigen Betreuungsangebots nicht möglich.
Der Pflegefall kam dazu, Mamamotzt konnte wieder nicht planen. Da man nie weiß, wie es dem Pflegefall in bsp. einem halben Jahr geht, ist es nicht ratsam, zu buchen/planen. Fremdpflege verweigert der Patient bis zum äußersten. Das ist nicht mehr zu ändern, es lässt sich also kein „Pflegeersatz“ beschaffen.

Heute, am letzten Schultag, wollte Mamamotzt nach dem traditionellen Feiertagswampevollschlagen nun nach Last-Minute- oder Urlaubseinspringer-gesucht-Annoncen schauen, da steht fest:
Der Pflegefall bekommt ab Montag die Ferien über Chemo.
Und da es nicht das erste Mal bei diesem Patienten ist, sind die bekannten, gravierenden Nebenwirkungen zu erwarten.

Ehrlich! Sie wollte in diesem Jahr mit den großen Ferien anfreunden und sie mal nicht als Last sondern als rekreative Zeit genießen, tatsächlich mal den Patienten einfach Patient sein lassen, natürlich top versorgt, und ihm einfach aus dem Urlaub eine Postkarte schicken.
Die Zeit mit den Kindern ge-nie-ßen! Und nicht als puren Orgastress erleben.

Aber während einer Chemo gilt es immer wieder, nicht absehbare Notfallentscheidungen zu fällen (multimorbider Patient, kein junger, fitter Mensch!). Da ist ein 100 Kilometer-Ausflug eigentlich schon zu viel.
Mamamotzt hat Vollmacht für alles und als einzige den Überblick über die kuriose Krankengeschichte, eine Verantwortung.

Man hofft jetzt bloß, dass das Wetter patientengerecht ist, damit nicht noch wetterbedingte Wehwehchen alles verkomplizieren.
Egal, ob das Schwimmbad oder sechs Wochen Monopoly mit dicken Pullis bedeutet.

Meh.

Mamamotzt ist aber nicht der Patient. Nur die Pflegerin. Zum Glück.

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4 Gedanken zu „Chemo in den Sommerferien“

  1. Liebe Mamamotzt, motz Dich ruhig aus. So ein Mist. Ich ziehe den Hut vor Deinem Verantwortungsbewußtsein und Deiner Leistung. Mehr weiß ich gar nicht zu sagen, denn anscheinend geht es ja nicht anders?
    Ich denke an Dich, Du Tapfere, Starke, Tolle!!! ❤

    Gefällt 1 Person

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