Wo liegt das Problem?

Dauertief ist hier Normalpegel. Mamamotzt rutscht von einem ins nächste.

Schien zuletzt noch klar, dass die unerträgliche Pflegesituation eine extreme Belastung ist, unter der jeder zwangsweise Depressionen entwickelt, lautet die Frage nun: warum wird es nicht besser? Der Patient ist tot!

Zeit, genauer hinzuschauen

Mamamotzt ist nicht glücklich damit, immer und immer wieder die Bedürfnisse anderer Menschen oder Projekte über ihre eigenen und die der Brillanten zu stellen. Aber darin ist sie sehr geschickt und ausdauernd.
Das scheint ein anerzogenes Muster zu sein.
Wenn die anderen zufriedengestellt sind, hast du Zeit für deine Themen. Das beinhaltet eine enorme Geringschätzung all ihrer Themen.

Gesunder Egoismus? Absolute Fehlanzeige!

Dem Ex war jahrelang nicht zu helfen, immer wieder neue Schwierigkeiten, bei denen er ihre Hilfe brauchte und leider nie ein Moment, in dem er ihr Hilfe zurückgeben konnte. Der Absprung gelang spät, aber er gelang.

Die schlimme Pflege, die man sich nicht vorstellen möchte. Die Zusage war gegeben worden, sie wurde eingehalten. „Zu Hause bis zum Schluss, egal wie.“
Nochmal Jahre, in denen die Pflege immer wichtiger war, als sie selbst und ihre Familie (die drei Kinder).

Das tut im Herzen weh und zerreisst.

Es stand eine angemessene Entlohnung im Raum, welche die Entbehrungen wett machen sollte.
Nun stellt sich heraus, dass dem nicht so ist.
(Mamamotzt war nicht blauäugig, es fehlt nur eine Unterschrift auf einem umfangreichen Vertragswerk. Alles wurde vorbereitet. Aber die Unterschrift wird nicht mehr gegeben werden. Plötzlicher Meinungswechsel.)

Viele oder sogar alle berufliche Perspektiven verjubelt, jetzt mit nichts dastehend und sich mächtig verarscht fühlend, das ist der Sachstand.

Hoffnungen zerschlagen sich

Letzte Woche der Anlauf auf eine vermeintlich interessante Stelle im ÖD. Als Quereinsteigerin. Qualifikation: u.a. der erhebliche Ehrenamtseinsatz der jüngsten Zeit.
Lief im Vorfeld chaotisch, aber warum nicht die Chance nutzen (und sich Hoffnungen machen)?
Die Familie braucht dringend ein Einkommen, man muss da auch mal über Schatten springen. (Bloß nicht wieder in die große Stadt und mit dem unnützen Jobcenter-Typen für Akademikervermittlung diskutieren, der sowieso nur TZ Callcenter-Jobs in Jottweedee vermittelt.)

Im Vorstellungsgespräch wurde dann eine Position abgefragt (Bio-Holzbein-Orthesen-Zerspanungsmechaniker oder so) , auf die Mamamotzt keine Bewerbung abgegeben hatte. Dementsprechend frustig war es für beide Seiten.

Im Nachgang erfuhr sie, dass „jeder Idiot eingeladen wurde zu den Bewerbungsgesprächen, um der übergeordneten Stelle zu belegen, dass man keine geeigneten Kandidaten gefunden habe“.
Danke auch!

Privat

Privat ist es eigentlich ganz angenehm, da kann sie nicht klagen. Die Brillanten sind superduper Kinder, an das Gschmarr mit Ex ist man gewöhnt.
Nur eine Durchsicht der vergangenen Beziehungen belegt wieder den Hang zur Unterordnung eigener Bedürfnisse. Gemeinsam war Mamamotzts Männern, dass sie Mamamotzt zuerst ansprachen.
Sie selbst hätte keinen von ihnen angesprochen. Und: sie waren sehr unterschiedlich. Sie traten plötzlich und raumgreifend in ihr Leben und waren genauso plötzlich weg in genau dem Moment, wenn Mamamotzt ihr Herz so richtig an sie verloren hatte.

Bis zum Ex-Gatten war das Schema andersrum: Mamamotzt griff nach Herzenslust zu und ließ gegebenenfalls auch wieder los. Der Ex war aber ein so großer und nachhaltiger Reinfall, dass das irgendwie noch nachwirkt.

Wahrscheinlich greift eine dreifache Mutter sowieso deutlich langsamer zu, als eine junge, ungebunde Welteroberin.

Einschätzung von Außen

Was Mamamotzt überhaupt nicht mehr hören kann, ist Lobhudelei auf ihre vermeintliche Intelligenz.

Seit dem Kindergarten wird es ihr „vorgeworfen“, denn so kommt es ihr vor, dass sie überdurchschnittlich pfiffig sei.
Komischerweise möchte sich selten jemand mit ihren Ideen beschäftigen.

Und komischerweise gelingt es ihr nicht, aus der landläufig als Stärke bewerteten Eigenschaft eine finanzielle Absicherung herzuleiten. Das wäre wiederum das mindeste, was sie sich davon verspräche.
Ansonsten ist intelligent für sie inzwischen ein negativer Begriff, mit dem einfach nur vordergründig freundlich das Desinteresse bekundet wird.

Nur wenige Menschen nehmen die Sensibilität von Mamamotzt wahr. Weil ihre enorme Empathiefähigkeit sie selbst auch sehr anstrengt, hat sie sich hinter eine sehr, sehr mühsam gebaute, aber nun dicke und stabile Mauer zurückgezogen. Manchmal geht ein Fensterchen in der Mauer auf, aber bevor sie durchgucken kann, kommt schon ein spitzer Pfleil von außen angeflogen und trifft schmerzhaft.
Empathie und generelle Feinfühligkeit scheinen ihr ebenfalls keine Vorteile zu sein.

Kein direkter Handlungsplan

Ein direkter Handlungsplan lässt sich aus dem obigen Geschwafel nicht herleiten.
Aber manchmal hilft das öffentliche Gedankensortieren weiter.

Was ausgesprochen (hier natürlich: geschrieben) ist, kann der Kopf abhaken und muss nicht noch weitere dutzend Grübelschleifen drüber fliegen.

 

 

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3 Gedanken zu „Wo liegt das Problem?“

  1. Liebe mamamotzt,

    ich denke, es ist kein Wunder, dass Du Dich schlecht fühlst. Du tust ja offensichtlich wirklich sehr viel für andere Menschen und vergisst Dich selbst dabei. Gleichzeitig machst Du ständig negative Erfahrungen mit Menschen, die Deine Hilfsbereitschaft und Empathie ausnutzen. Da werde ich schon beim Lesen ärgerlich. Alles in allem: das kann auf Dauer nicht gut gehen.

    Wie wäre es, wenn Du jetzt mal übst, Nein zu sagen und total egoistisch nur noch auf Dich und die Brillianten zu gucken? Die Helferei scheint Dir ja einerseits etwas zu geben, andererseits brennt sie Dich aus. Ich frage mich sowieso schon die ganze Zeit, wie Du das alles schaffst (wobei sowas, genauso wie das „intelligent“, auch eine sehr übergriffige Aussage sein kann. Aber so ist sie nicht gemeint).

    Ich glaube, wenn Du mal all Deine Energie, die ja offensichtlich reichlich vorhanden ist, nur noch Dir selbst und den Brillianten zukommen lässt und die anderen erstmal selbst für ihre Probleme sorgen lässt (die meisten sind ja zumindest laut Papier erwachsen, denke ich, und müssen daher damit klar kommen, auch wenn sie nicht wollen), könnte ein Hoffnungsschimmer am Horizont erscheinen.

    Nur Du kannst am Ende dafür sorgen, dass Du nicht ausbrennst und dass Du ernst genommen wirst. Ich schreibe das aus eigener leidvoller Erfahrung mit diversen „Ich-will-es-ja-nur-allen-Recht-machen-und-allen-helfen“-Dämonen. Trainiere Deine fiese Seite, übe Dich im 100%-Egozentrismus und lass mal die unangenehme mamamotzt raushängen. Nachdem Du Dich immer in so viel Geduld mit anderen geübt hast, dürfen die anderen Dich jetzt auch mal aushalten und mal so richtig kennenlernen.

    Meine Meinung.
    Rona

    Gefällt 1 Person

  2. Das mit der fehlenden (verweigerten) Unterschrift und der offensichtlich enorm kräftezehrenden, jahrelangen Gratis(?Kreisch)-Pflege ist eine Sauerei ohne Gleichen. Du warst edel und bekommst als Dankeschön nichts. Haben die (anderen) Angehörigen da kein schlechtes Gewissen? Kannst Du da nichts einklagen? Ich finde so etwas unfassbar. Mach das bitte NIE WIEDER, ja? Denk mal nur stur an Dich und die Brillianten. Nur! Stur! Es ist so schön, dass es Menschen wie Dich gibt, aber wenn Du so weiter machst, wirst Du selbst doch immer kleiner und kleiner. Das wäre sehr schade. Also bitte wachsen! Durch Egoismus! Die anderen machen das doch eh schon lange…
    Küsschen, Cl.

    Gefällt 1 Person

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