Thank you, refugees!

Ganz langsam zieht ein Alltag bei Familie Mamamotzt ein, den es so schon Jahre nicht mehr gab.

Die Verpflichtungen der Pflege für einen Pflegestufenpatienten sind weggefallen. Die Verpflichtungen mit dem anderen Pflegefall werden gerade ausgehandelt. Durch den Alltag. Der Kopf ist nicht ganz frei, aber ganz anders dauerbelastet mit der ständigen Bereitschaft und der Sorge, dass „etwas passiert“ ist. Ein paar mal täglich gucken, zeitaufwändige Fahrten, gemeinsames Essen usw. in räumlich getrennten Haushalten sind nicht gerade nichts. Aber es ist ungemein erholsam, dass manchmal auch ein Anruf statt persönlicher Visite reicht.

Kleinkinder und selbst versorgte Pflegefälle setzen etwa gleichviel Hirnkapazität in einen dauerhaften Alert-Modus. 

->  Pflegedemenz = Stilldemenz

Trotzdem gelingt es Mamamotzt mehr und mehr Zeit am Schreibtisch zu verbringen. Zum einen sind da noch Aufträge, die abgearbeitet werden müssen, zum anderen ist die Flüchtlingsthematik auch hier im großen Stil angekommen und die Orga des Krams im Netz fiel auf … Mamamotzt. Das echte Leben von da draußen, auf einmal wieder ganz viel davon. #notjustsad

Es ist unglaublich, was das echte Leben an Zeit frisst, besonders nachts, wenn alle Telefonate und Besuche und Gespräche geführt sind, die Kinder versorgt und ihre Hausaufgaben erledigt sind.
Und es fühlt sich so ungeheuer lebendig an. Mittenmang dabei. Eine wegweisende Rolle haben. In völlig sinnlose Streitereien reingezogen werden. Selbst der Gegenstand von Kritik zu sein. Menschen ganz neu kennenzulernen, intensiver als vorher. Durch den Wegfall des gestorbenen Menschen auch ein anderes Standing in der Gesellschaft haben. Sichtbar geworden sein.

Jahrelang oder vielleicht noch nie gelang es Mamamotzt zufriedenstellend, eine größere Menge Menschen irgendwie näher kennenzulernen, als etwa eine Handvoll. Irgendwas war da blockiert.

Frag nicht nach, das macht man nicht! Sei nicht so neugierig! Das geht dich nichts an! Lass die Menschen in Ruhe! Mach dich nicht mit dem gemein! Du willst doch nur von der Bekanntschaft profitieren, das gehört sich nicht! 
Selbstzensur in der Art. Ätzend, erkannt, aber nicht auszuschalten.

Möglicherweise gelingt es jetzt. Die Chancen stehen gut. Es geht rasant vorwärts.

Thank you, refugees! Ihr habt da was in Gang gesetzt!

Kackseidener Faden

Ich HASSE die Pflege!
Ich KANN NICHT MEHR!
Seit Wochen, ach was, seit Monaten inzwischen wieder, um das Leben am seidenen Faden kämpfen. Nicht gehen wollen, nicht bleiben können.
Leiden. 
Leiden. 
Leiden. 
Und MIR die gesamte Verantwortung auflasten. 
Hin und her. 
Gesundheitlich.
Räumlich. 
Nervlich. 
Ich WILL AUCH NICHT MEHR! 
Das Atmen fällt so schwer, das Herz schlägt mehr Kapriolen als es im Takt bleibt, Wasser überall im Körper. Extremer Schmerz am ganzen Körper. 
Aber natürlich will auch nicht, dass der Pflegling stirbt, wenn er noch nicht bereit ist. 
Verdammte Kacke! 

Die Kinder, die mich brauchen. Der Pflegling, der sich auf mich verlässt. Der zweite Pflegling, der so hilflos ist. Die anderen Helfer, die von mir Rat und Stärke erwarten.
Soviel drumherum, was überhaupt nicht geordnet ist und wo ich auch gar nicht zum Ordnen komme, weil ihr zuletzt täglich NOTFALL schreit.

Leute, ich kann nicht mehr!
Insgesamt sind es viel zu viele Jahre, die ich mir eure Sorgen, euer Leiden und eure Hilflosigkeit habe aufdrücken lassen.
Meine Kraft ist auch nur begrenzt.