Kackseidener Faden

Ich HASSE die Pflege!
Ich KANN NICHT MEHR!
Seit Wochen, ach was, seit Monaten inzwischen wieder, um das Leben am seidenen Faden kämpfen. Nicht gehen wollen, nicht bleiben können.
Leiden. 
Leiden. 
Leiden. 
Und MIR die gesamte Verantwortung auflasten. 
Hin und her. 
Gesundheitlich.
Räumlich. 
Nervlich. 
Ich WILL AUCH NICHT MEHR! 
Das Atmen fällt so schwer, das Herz schlägt mehr Kapriolen als es im Takt bleibt, Wasser überall im Körper. Extremer Schmerz am ganzen Körper. 
Aber natürlich will auch nicht, dass der Pflegling stirbt, wenn er noch nicht bereit ist. 
Verdammte Kacke! 

Die Kinder, die mich brauchen. Der Pflegling, der sich auf mich verlässt. Der zweite Pflegling, der so hilflos ist. Die anderen Helfer, die von mir Rat und Stärke erwarten.
Soviel drumherum, was überhaupt nicht geordnet ist und wo ich auch gar nicht zum Ordnen komme, weil ihr zuletzt täglich NOTFALL schreit.

Leute, ich kann nicht mehr!
Insgesamt sind es viel zu viele Jahre, die ich mir eure Sorgen, euer Leiden und eure Hilflosigkeit habe aufdrücken lassen.
Meine Kraft ist auch nur begrenzt. 

Coaching haut um

Gestern hatte es Mamamotzt förmlich zerrissen. Während andere die deutschen Tore in Brasilien bejubelten, übermannte sie ein Heulflash galore.

Der Tag war eine emotionale und physische Achterbahn, zwei Kurznaps trotz ausreichend Schlaf, irgend etwas war ohnehin komisch.
Vermutlich bricht sich da „das Neue“ Bahn, kommt ans Tageslicht. Etwas „Neues“ nach dem Coaching. Jüngst durfte Mamamotzt ihre erste Coachingeinheit alleine wahrnehmen, und man prophezeite ihr schon, dass das Unterbewusstsein ab jetzt arbeiten würde.

Nach einer Nacht stellt es sich ihr so da:

Das Grundproblem ist Nähe und Vertrauen. Darauf fußt sehr, sehr viel an Aktion und Interaktion in ihrem Sein. Sie mag keine Nähe und vertraut nicht.
Eine so starke Sensibilität in diesem Bereich ist aber leider wenig alltagstauglich, gerade wenn man die Erziehung mehrerer Kinder etc. etc. alleine stemmen muss.

Beispiele:
Eine kleine Verabredung zum einigermaßen spontanen Spazierengehen setzt sie schon ungeheuer unter Druck. „Noch ein Termin, noch jemand, der enttäuscht werden könnte.“ Jeder Moment, in dem jemand anders etwas erwarten könnte, ist wahnsinniger Druck. Brillanten und Kunden (professionelle Ebene) können Ansprüche stellen, alles andere ist ihr zu nah.
Sie vermeidet es seit jeher, Menschen näher kennenzulernen, damit diese keine Erwartungshaltung ihr gegenüber aufbauen. Und damit diese sie nicht verletzen, indem sie das Vertrauen missbrauchen.

Ist vermutlich in einem nur schwach gebildeten Urvertrauen begründet, welches dann auch schnell knackig zerstört wurde. Erstaunlich, wie es einem das halbe Leben nachhängt. (Die zweite Hälfte wünscht sich Mamamotzt unter anderen Rahmenbedingungen.)

Die ewigen Problem mit dem Ex gehören auch in diese Themen-Ecke. Mamamotzt hatte ihm mehr als ein Jahrzehnt vertraut, wurde zwar enttäuscht, aber will nicht wahrhaben, dass sich da nichts mehr zum Positiven ändert. Obwohl sie es logisch weiß. Dieser Schmerz sitzt ganz tief.
Nun will sie ihn „mental einfach liegen lassen“ (den Ex). Ein Schlüsselsatz aus dem Coaching.

Das inzwischen klar erkannte Muster, Menschen recht bald auf Distanz zu bringen, sobald sie sich emotional zu sehr nähern, hat damit zu tun.
Die Freude und Erleichterung, wenn etwa ein kleiner Flirt wieder vorbei ist und sie sicher sein kann, dass niemand eine Erwartungen in sie legt. Denn Erwartungen anderer muss man erfüllen. Mindestens zu 100 Prozent.

Alleine Logik widerlegt das. Aber verinnerlichte Strukturen sind hartnäckig.

Das nicht vorhandene Selbstvertrauen hängt ebenfalls damit zusammen, denn klar: Wo kein Urvertrauen, da kein Selbstvertrauen. Misstrauen wohin sie schaut, sozusagen.

Sie ist ein absoluter Kopfmensch, weiterer Schlüsselsatz aus dem Coaching. Ihr Handeln wirkt sehr männlich. Dito. Zudem wurde ein unerwarteter Aspekt ihrer Depressionen identifiziert.

Es ist noch gar nicht alles auseinanderzuklamüsern, was das Coaching bewirkt hat, mit ihr gerade macht etc.
Die wesentliche Information dieses Beitrags ist, dass sie endlich einen Schritt Richtung „Neues“ gemacht hat. Hat Jahre gedauert. Aber wenn sie es kann, können es die Leser auch, nur Mut!