Junger Mann zum Mitreisen gesucht – Bestellung beim Universum

Liebes Universum,

eigentlich will ich nicht gemeinsam verreisen, aber ich wollte mal vorsichtig fragen, ob du wen kennst, der Lust hat, mir ehrlich anerkennend auf den Rücken zu klopfen?!
Erwidere das dann selbstverständlich!

Bin eine treue Seele, patent und ganz gut aussehend und heute das erste Mal im Leben nicht zum Tanken selbst ausgestiegen.
Habe Akkuschrauber (lädt gerade) und war just bei der Fußpflege. (Sie meinte, das kriegen wir wieder hin.)

Morgen habe ich keine Zeit, weil ich einen Einsatz der Nächstenliebe übernehme, und heute Abend gehe ich mit einem alten Kumpel aus.

Aber danach, so ab Sonntag, denke ich, würde ich – bitte nicht allzu dezente, bin da merkbefreit! – Hinweise erkennen.

Liebe Grüße und vielen Dank vorab,

deine Mamamotzt

Ins Getümmel des Lebens …

„Ist ja auch nicht so einfach …“

Dicker Kotzstrahl.

Die Vertretung der Beiständin (abwesend) hat in den Unterlagen gewühlt, ob da eine Begründung steht, warum die sprudelnde Quelle des Unterhalts versiegt ist.*

*Edit: in sieben Jahren komplett alleinerziehen gab es erst einen Monat mit einem Bruchteil an Unterhalt.

Da Ex einfach mal wieder kein Geld oder keine Lust oder sonstwas hatte, schlafen die Kinder diesen Monat und den nächsten dann wohl mal draußen auf dem Boden und essen auch nichts. Abhärtung. Von Vaddi aktiv unterstützt.

In den Unterlagen findet sich jedenfalls keine Begründung, sie darf selbst ersonnen werden.

Das bedeutet, dass sich einerseits der Gerichtsvollzieher wieder auf den Weg macht, um zu pfänden.

Für die ansonsten nicht erbrachten Unterlagen (erst seit diesem Frühjahr nicht beigebracht …^^), steht nun die gerichtliche Auskunftsklage an.
Dauert locker bis 2016, bevor da wirklich handfestes erstmal allein zur Sprache kommt. Dann fließt noch immer kein Unterhalt, sondern im besten Fall ist eine Berechnung der Leistungsfähigkeit möglich. Riskant, denn wenn sie auf Null gestuft wird, hat der Ex seinen Freifahrtschein und muss nichts zahlen. Wenn nicht geklagt wird, ist es ebenfalls ein Freifahrtschein, denn er zahlt einfach nichts ohne Konsequenz für ihn selbst.
Nur zu einer minimalen Wahrscheinlichkeit entsteht am Ende ein Unterhaltstitel.

Don´t ask for the living in the meantime. Up to you. Your own problem, dear! 

Die Vertreterin äußerte dann, dass es aber ja für einen Unterhaltszahler auch nicht so einfach sei, den Mindestunterhalt für drei Kinder zu leisten. – Wären vermutliche gigantische 937 Euro im Monat für alle Kinder, wenn Mamamotzt die Düsseldorfer Tabelle korrekt interpretiert. –
Wenige Unterhaltsverpflichtete würden das schaffen. Und nicht wenige würden, genauso wie Ex, ein Leben lang erfolgreich die Strategie verfolgen, exakt nur soviel zu verdienen, dass leiderleiderleider kein Unterhalt für den eigenen Nachwuchs mehr drin sei.

Gut, der Zweckoptimismus, den die Beistände Jahr für Jahr an den Tag legen, erstaunt. Aber die Wahrheit von denen zu hören, die sich für die Einhaltung der Standards einsetzen sollen, ist halt nicht gerade Ponyhof.

Für den betreuenden Elternteil ist es aber vielleicht auch nicht soo einfach, das nötige Geld dann irgendwie hereinzuwirtschaften. Mit der komplett allein geleisteten Betreuungsleistung. Die in sehr vielen Fällen normale Arbeitstätigkeit stark behindert. Freundlich ausgedrückt.
(Für Mamamotzt sind staatliche Transferleistungen nach wie vor keine Option. Jung und gesund und gebildet macht das selbst.)

Fühlt sich falsch an. Das System.

Kleine Fußballjungs

Ein rumpeliger Haufen kleiner Jungs, die als Gruppe dezent orientierungslos wirken und unsicher sind. Alleine versuchen einzelne der Elf- oder Zwölfjährigen auch mal cool oder vorlaut zu sein. In der Gruppe trauen sie es sich aber noch nicht.

Unerwartete Liebe

Mamamotzt liebt diese kleinen Fußballfreaks unerwartet sehr!

Bis zum ersten Spiel direkt nach den Sommerferien kannte sich die Mannschaft noch nicht, gemeinsames Training gab es nicht, dementsprechend uneingespielt ist der D-Jugend-Trupp immer noch. Eine Spielgemeinschaft aus vielen Dorf-Sportvereinen zusammengewürfelt.

Für Fußball kann Mamamotzt sich nicht wirklich erwärmen, die ersten Eindrücke beim Schnuppertraining bestätigten auch alle Vorurteile. Aber es kam anders …

Bunte Truppe

Doch die kleinen Jungs haben es ihr angetan und ihre Unterstützung gewonnen. Sie kommen aus unterschiedlichen Dörfern und auch aus unterschiedlichen Ländern. Von mehreren sprechen die Eltern kaum oder kein Deutsch.

In der Chat-Gruppe fragen diese Jungs dann: „Mein Vater kann nicht fahn. Wer kann misch mitnem?“

Andere Kinder werden zu jedem Training gefahren und besitzen eine komplette Bundesliga-Trainingsausrüstung. (1 Shirt ca. 75 Euro! ..)

Fußball als Integrationsprojekt

Bei einem Spiel trafen sie auf eine Mannschaft, in der zwei Spieler relativ kurz in Deutschland leben. Die beiden verschmolzen mit dem Ball, umtänzelteten jeden Gegner, waren immer präsent, schnauften nie, zeigten eine atemraubende Leichtigkeit im Spiel und hinterließen einen mundoffenstehenlassenden Eindruck bei allen Beteiligten, weil sie einfach schön spielten. Die gegnerische Mannschaft gewann, und einer der beiden fragte auf dem Weg in die Kabine: „Wir gewinnt, ja?“ (Auf der D-Jugendebene fallen noch viele Tore, aber die Schiedsrichter sind Laien und erkennen nicht jeden Treffer an. Das Ergebnis dieses Spiels kannte tatsächlich nur der Schiri, alle Zuschauer hatten anders gezählt, insofern eine berechtige Frage und mit wenig Sprachkenntnis alles wichtige angesprochen.)

In der Mannschaft vom Brillanten stehen Eltern an der Bande und feuern auf russisch und armenisch, deutsch, türkisch und arabisch an. Kleine, rothaarige Geschwister fiebern darauf, dass der große Bruder noch einen Schluck Sportgetränk für sie in der Flasche übrig lässt. Unbekannte Eltern rufen sich gegenseitig aus dem Stau an und bitten, ob man sehr spontan in einer Schleife fahren könne und das eigene Kind zum Punktspiel abholen. Fremde Eltern kontaktieren Jungen per Smartphone, von denen sie wissen, dass es mangels Sprache und Mobilität mit dem Einsatz beim Auswärtsspiel sonst schwierig wird.
Ziemlich herzerwärmend, denn: bis vor sechs Wochen waren sich alle fremd!

Im Moment wächst da eine wunderbare Spielgemeinschaft zusammen. Keine verbissenen Eltern, keine bösen Auseinandersetzungen mit Schiedsrichtern oder gegnerischen Teams am Spielfeldrand, sondern eine wirklich unerwartet hilfsbereite Truppe.

Sport als Lebenshilfe

Der geliebte Trainer verordnet den Jungs eine Dusche nach dem Sport. (Die könnten sonst auch gut ohne … 😉  ) Wehe, einer hat Handtuch oder Duschgel nicht dabei, es kommt ihm kein Stinker vom Platz! Mit Handschlag begrüßen und verabschieden, Körperhygiene und Mithilfe beim Auf- und Abbau. Der Verein weiß aus Erfahrung, dass bei Jungen in diesem Alter Weichen für´s Leben gestellt werden und dass ein Trainer oft mehr Einfluss hat als die eigenen Eltern zu Hause. Pubertät lässt grüßen. Wer nicht spurt, steht beim nächsten Spiel daneben. Das zieht!

Doch, dieses „Fußball“ gefällt Mamamotzt unerwartet gut.

Und dem Brillanten gefällt es so gut, wie erhofft. Er ist überraschend flink und ausdauernd und verblüfft durch dusseligen Gesichtsausdruck bei unerwarteter Sprintstärke. Mal um mal bleibt ein Gegenspieler verdutzt zurück, weil es nicht vorstellbar ist, wie schnell der Brillant den Platz gewechselt und ihm den Ball abgeluchst hat.
Technisch könnten weitere Trainingseinheiten allerdings nicht schaden …

Familienfreude am neuen Hobby

Bislang finden auch die anderen Brillanten dieses Fußball unerwartet interessant. Man findet in jedem Match einen Spieler, den man beobachten kann, beißt sich optisch am Schiri fest oder beschäftigt sich mit dem Warmhalten der Auswechselspieler usw. usf.

Ohne einen Satz zum Ex geht es nicht: wüsste er, wie prima der Brillant sich macht, würde er sich sicher gerne mit diesen Federn schmücken („sein Talent vererbt“). Die zeitraubenden Trainingseinheiten und Auswärtsspiele würde er sicher ohnehin „leider“ nicht begleiten können. Aber es ist ihm auch noch nicht eingefallen, mal zu fragen, wie es denn so läuft und wo und wann der Brillant spielt. Und wer nicht fragt, der erfährt eben nichts. Immerhin weiß er, dass der Brillant spielt. (Mitteilungspflicht erfüllt.)

Möge der Familie die Freude an diesem neuen Hobby lange erhalten bleiben!