Langsam wieder die Alte? Oder: Die Rückkehr der Kreativität!

Heute morgen ist Mamamotzt ungeheuer früh gut gelaunt aufgewacht und hat im Bett schon angefangen, zu recherchieren. (Gut, weil sie am Vorvortag sehr lange auf war, lag sie bereits um 20.30 Uhr längs und ist eingenickt, aber dennoch.)

Tägliche Knackpunkte wie der Morgen und der Abend waren lange nicht ihre liebsten Tageszeiten. Ob sich das endlich wieder ändert? Morgens muss sie seit über einem dutzend Jahren aufstehen, weil die Kinder zu versorgen sind. Und ab dem Weckerklingeln bedeutete das einen ungeheuer vollgepackten, pausenlos langen, meist anstrengenden Tag. Gerne mit unerwarteten Hindernissen, für deren Beseitigung nur sie zuständig ist. Abends das gleiche, nur umgekehrt. Das muntere Kraft-Bächlein ist längst gegen Mittag irgendwo in des Tages Todeswüste versiegt, über den Nachmittag mit Kindertransporten, Arztterminen, Kinderhobbies usw. hat sie sich irgendwie gerettet, die Kinder mit einer Nachtspeise gesättigt und ins Bett verfrachtet, um dann einen der immer geballt auftretenden Elternabendtermine wahrzunehmen.

Wenn sie dann im Bett liegt, fahren die Gedanken und Sorgen munter Karussell und spiralen sich bis in den frühen Morgen durch ihren Kopf. Das abendliche Bett, ein Ort des Grauens, an dem alles nochmal aufbrandet, was am Tag nicht geschafft wurde (zu viel), was mit der Selbständigkeit verdient wurde (zu wenig), und was der Vater der Kinder zuletzt gegeben hat. (NIX!)

Beruflich vor einer Dekade hoch motiviert hatten die ewigen Rückstöße („Als Mutter hier arbeiten? Nein! Aber wir bieten Ihnen sehr gerne ein kostenloses Praktikum für ein halbes Jahr an, denn Sie sind ja gut!“) über die Maßen an Mamamotzt gezehrt. Die Selbständigkeit im Mediensektor ist ohnehin hart und wird mit Kleinstkindern nicht einfacher. Ein nichtunterstützender Vater, der aber flott genug ist, sich alle Boni einzuheimsen, die es für Kinder gibt, ist schätzungsweise genauso angenehm wie eine schlimme Krankheit. Und schlimme Krankheiten gibt es auch, so dass durch das Bekümmern schwerstkranker Großeltern nochmal viele Stolpersteine hochschossen.

Kurze Zusammenfassung der letzten Jahre also: Wille und wirtschaftlicher Zwang, erwerbstätig zu sein, aber ausgebremst geworden durch das Muttersein (dass so etwas im Jahr 2014 immer noch möglich ist …) und die Pflege der Großeltern. Den ganzen Tag gerackert, aber oft kaum etwas verdient. Kunden durch Geschäftsaufgaben verloren. Abends nicht nutzlos und dämlich gefühlt, weil Existenzängste trotz der Schufterei zum Brotbelag wurden. Da versiegt einfach irgendwann auch die größte Kreativität und der Mut verlässt den Menschen.

Vor zwei Jahren war das Ausbrennen schon mal ganz schlimm, doch damals wollte Mamamotzt noch keine „harten“ Medikamente nehmen. Die reine Alltagsfunktionabilität stellte sie mit eisernem Willen wieder her. Also die lückenlose Versorgung der Kinder. Für viel mehr reichte es nicht. Jedes Extra war zu viel. Blei lag auf ihr, bei allem was sie tat.

Noch gar nicht lange her war es wieder so weit, dass selbst das Schneiden einer Scheibe Brot zur unüberwindlichen Aufgabe wurde. Kein Scherz!  Wo ist das Brot überhaupt, oder ist keines mehr da? Wo ist das Brotmesser? Wie rum muss das Brot gelegt werden? Wohin gehören nochmal die Finger für sicheren Halt? Und warum, zur Hölle, muss Mamamotzt über sowas überhaupt nachdenken, da ist doch vermutlich etwas falsch?

Nun ist sie mit einem Antidepressivum eingestellt, schlief die ersten Wochen wirklich wahnsinnig viel, und arbeitet sich mit dem gewohnten eisernen Willen zurück ins Leben. Ins Leben, wie es ihrer Meinung nach sein sollte. Mit ihren Ideen, ihrer Freude und überhaupt: Mit ihr!

Auf geht´s!

Ich muss, Ex kann

Sicher war einer der Gründe diesen Blog ins Leben zu rufen, die latente Unzufriedenheit, die ein nicht allein-sorgeberechtigter, aber komplett alleinerziehender Elternteil hat, was diesen Punkt betrifft. *

Der Umgangselternteil (UET), also der, der die Kinder nach der Trennung (hier: Scheidung) sehen kann, wann er will, und auf gar keinen Fall muss, wenn er nicht will (offiziell: „leider nicht kann“) hat vor allem Rechte, aber tatsächlich kaum bis gar keine Pflichten.

Als da wäre der berühmte, regelmäßige Umgang: Wenn der UET spontan an fiesem Männerschnupfen erkrankt (besonders oft im Frühling zu Beginn der Cabrio-Saison oder zu anderen, veranstaltungsstarken Jahreszeiten), kann er selbstverständlich den fest eingeplanten Umgang (Die motzige Mama hat sich Kundentermine auf das kinderfreie! Wochenende gelegt …!) eine halbe Stunde vorher absagen.

Gleiches gilt für längere Umgänge in den Ferien. Kann man als UET total vergessen, plötzlich doch noch arbeiten müssen, auf jeden Fall einfach die Kinder nicht abholen. Motzmama wird sie schon nicht auf die Straße setzen.

Als da wären auch die beliebten Unterschriften, die man(n) bis zum geht nicht mehr herauszögen kann, damit es nur nicht zu leicht wird. Im direkten Gespräch versprochen zu unterschreiben, ist schon mal gar nichts wert. Einschreiben kann man sehr wohl nicht erhalten, mit Rückschein werden nicht entgegengenommen und ungeöffnet zurück geschickt usw.

Während die Kohlen immer heißer werden, sitzt UET das gelassen aus. Um in allerletzter mit Unschuldsmine zu unterzeichnen. Bis dahin wurde Motzmama für ihr Unvermögen, eine dusselige Unterschrift beizubringen schon mehrfach angerüffelt.

Und als da wäre: Unter- … – was??? Unterhalt!

Jepp, theoretisch steht den eigenen Kindern Unterhalt zu. Wer Kinder zeugt, muss sie auch versorgen, oder so.  Aber es gibt ungezählte Möglichkeiten bei bester Gesundheit und trotz Arbeit sich so arm oder gleich nicht leistungsfähig zu rechnen, dass sogar Motzmama ob dieses unerschöpflichen Kreativitätspotentials immer wieder bass erstaunt ist. Und nicht nur sie!

Als da wäre als letztes heute die Gesundheitsfürsorge: Alleine kann Motzmama nichts großes in die Wege leiten, dafür braucht sie die Unterschrift vom UET. Der zwar keine Ahnung vom Alltag der Kinder hat, Interesse bei den seltenen Umgängen nach Motzmamas Ansicht bloß heuchelt, aber sein Mitspracherecht vehement einfordert. (UET erhält allerdings alle Mitteilungen üüüberhaupt nicht, in denen etwas von Kostenbeteiligung steht. Ein Schelm, wer …)

Heute also: Ist das Jüngste behandlungsbedürftig, weil es nachts nicht zuverlässig trocken ist und weil es lustiges, aber auffälliges Verhalten zeigt? Motzmama ahnt die Antwort und die unangenehme Konsequenz, und kann sich beileibe nicht vorstellen, wie mit dem UET zusammen eine vernünftige Therapiebegleitung gestaltet werden könnte. Diese Lässigkeit in UETs Verbindlichkeit den Kindern gegenüber, hat dann eine Therapie überhaupt Sinn?

Es gehen Jahre ins Land, bis so ein UET sich selbst durch sein Verhalten ein wenig demontiert. Bis dahin hat er Rechte, und auf die kann er pochen. Und vor allem kann er darauf pochen, leider gerade die theoretisch gesetzlich verankerten Pflichten nicht erfüllen zu können.

Aber Motzmama, die muss, für sie ist es weit weniger optional die Kinder zu versogen und ihren elterlichen Verpflichtungen nachzukommen. Sonst sorgt schon irgendwer dafür, dass es Konsequenzen hat. Für sie und die Kinder. Ach, und Rechte, welche Rechte hat Motzmama doch gleich? Auf jeden Fall keine, die mit Autonomie, Selbstbestimmung oder Arbeitswelt zu tun haben. Naja, also, außer auf dem Papier. Da sind diese Rechte offenbar genauso zahnlos, wie die danebengedruckten Pflichten des UET.

* In gut 90% ist es wie bei Motzmama: Alltagselternteil = Mama, UET = Papa. PC zu bleiben, was sowohl Gender als auch Inhalt betrifft, wird vermutlich kaum gelingen, aber versucht wird es hier wenigstens. Daher das umständliche Geschreibsel, denn nichts läge ferner, als die Situation von Motzmama zu verallgemeinern!

Wer motzt hier?

Mama motzt, weil es ihr manchmal bis zur Nase reicht, wie sie seit Jahren (oder auch schon immer) alles, aber auch alles, als verantwortliche und verantwortungsbewusste Mutter ihrer Kinder alleine stemmen muss.

Inzwischen sind wieder beide Hände frei zum Arbeiten, können die Kinder auch mal den Tisch decken oder über Nacht alleine zu Hause bleiben, sprich: sind die Brillanten aus dem Gröbsten raus.

Sobald sie sich mal wieder Luft verschaffen und Dampf ablassen muss, wird sie das hier tun. Denn ihr selbst hätte es sicher geholfen, wenn sie früher schon gehört hätte, was für abstruse Lebenswege es geben kann und dass sie nicht alleine ist.
Mit dem Ex und mit der Arbeitswelt.