K2 hat ein Twitter-Gen – Drama im Kinderzimmer in fünf Akten

Neulich saß Mamamotzt am Schreibtisch und arbeitete während sich im Kinderzimmer ein Drama entspann. Per Whatsapp-Mitteilungen konnte sie verfolgen, wie eine Schlacht auf Leben und Tod geführt wurde.
Sie erheiterte sich an den twitterfähigen Mitteilungen, das betroffene Kind wuchs an der mörderischen Herausforderung.

Ach, sehen Sie selbst:

Trommelwirbel, der Vorhang hebt sich, der Held betritt die Bühne.

Zu Hülf! Eine Mücke! Schlimmer als zehn Ungeheuer oder ein bissiger Hund!

Das wird ja immer schlimmer! Seien wir froh, dass der Held bis jetzt noch auf der Bühne weilt. 60 Minuten, also wirklich, allen Respekt!

Oha, noch ein Antagonist! Es wird immer spannender, die Schlacht tobt und die Vorteile gehen hin und her.

Tataa! Tusch und Applaus! Das ist eine bravouröse Leistung, so muss ein Drama enden!

Ja, da kann man nur gratulieren!

 

 

Weiterspielen? Vorstellungsgespräch

TastaturJuhu, wow, endlich, Katastrophe, Hilfe, …! Siebenunddrölfzig Gedanken fliegen  durch Mamamotzts Kopf.

Was ist passiert: Nach gefühlten Erdzeitaltern hat sie auf eine Bewerbung eine Einladung bekommen: zum Traumjob!

Es macht sie ziemlich nervös, weil es wahrscheinlich so wahrscheinlich ist, dass es gut wird. Aber auch, weil sie inzwischen keine große Erfahrung mehr im „Vorstellen“ hat.
Viele Vorstellungsgespräche wurden in den letzten Jahren gar nicht erst geführt, weil bereits ein Telefonat vorab klärte, dass Stelle und Mamamotzt nicht kompatibel wären.
„Kein Berechtigungsschein? Nein, dann nicht!“
Dabei bewarb sich Mamamotzt stets eigeninitiativ und ohne Amt. Außer in einem Versuch, der prompt besonders viele solcher „Berechtigungsscheine“ zu Tage förderte.
Das übliche eben. Sie kennen das. Dabei will Mamamotzt nur arbeiten und Geld für ihre Kinder verdienen.

Früher gab es eine Phase, in der sie offen wegen ihrer Kinder abgelehnt wurde, „natürlich nur mündlich, wir dürfen das ja vom Gesetz her gar nicht in die Absage schreiben …“.

Dieses mal nun kann es passen. Der Arbeitgeber weiß von Kindern und Lebenssituation. Es ist keine Notlösung, sondern der ideale Job für Mamamotzt. Ob der Arbeitgeber Mamamotzt auch als ideale Besetzung sieht, wird sich zeigen.

Es wäre eine ziemliche Herausforderung, ein gutes Stück entfernt außer Haus zu arbeiten und den doch umfangreichen Ansprüchen der drei Brillanten gleichgut nachzukommen. Und die Pflege bleibt ja auch.
Damals, vor den Kindern, war Arbeiten wie ein Spiel. Und sie spielte mit, war mittendrin. Nächster Job, neuer Auftraggeber, immer steigern, immer spannend.
Die Kinder waren der Rausschmiss, man wird vom Spielbrett gewürfelt. Aus, raus, vorbei.
Das Spiel auf dem Brett ging weiter, die anderen jagten sich gegenseitig und hatten Spaß, Mamamotzt guckte von draußen zu.

Umständehalber arrangierte sie sich da draußen. Suchte Nischen und Möglichkeiten, passte sich an und war ´heck die Sau´ flexibel. Sehnsüchtig schaute sie ab und zu aufs Spielbrett, wo die anderen sich immer weiter mit viel Spaß Runde um Runde jagten und überhaupt keine Notiz von ihr nahmen.

Für sie fühlt es sich jetzt aber nicht mehr wie ein Spiel an, käme sie überhaupt mit aufs „Spielbrett“. Mehr wie „friß oder stirb“.

An Tagen wie den letzten scheint wieder alles gar nicht zusammen zu gehen. Die Brillanten brauchen Hilfe bei den Hausaufgaben, und das läuft ohnehin schon nur auf Schmalspur. Hier 10 Minuten Fremdsprache, dort 10 Minuten Fremdsprache eins, dann Fremdsprache zwei, dreimal ein wenig Mathe. Soviel Nachhilfe kann man gar nicht bezahlen …
Die Hobbies auf dem Land erfordern ein Taxi (erst neulich platzte wieder eine Absprache mit anderen, – forget it!), Zahnspangentermine, die nicht per Öffi erreichbar sind, eine angebliche Hausaufgabenbetreuung der Schule in der Oberstufe ist … nicht mehr als ein Witz, die Pflegefälle laufen auch genau in solchen Momenten aus dem Ruder und haben gravierende Probleme usw.
(Nur Mr. Wow vermittelt in all dem ein klein wenig Sonnenschein.)

Drei Brillanten bedeutet drei verschiedene Heimkehrzeiten von Kindern mit vollen Herzen. Mit hungrigen Mägen. Mit vielen Fragen.
Ab 13 Uhr, jeden Tag. Jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten, nicht zu beeinflussen.

An solchen Tagen will Mamamotzt trotz aller Sehnsucht nicht mehr mitspielen. Um in der nächsten Runde als erste gleich wieder zu fliegen.

 

 

 

Strukturelle Benachteiligung

Doch noch ein weiterer Ex-zahlt-nix-Aufreger …

Heute war es wieder soweit, Mamamotzt musste sich wie immer allmonatlich beim Beistand melden, um zu erkunden, wann der Ex wieviel Unterhalt zu zahlen gedenke. Oder korrekt: Um zu erfahren, dass Ex immer noch nicht zu zahlen gedenkt und eine neue Ausrede abgenickt werden muss. Seit Jahren geht das so.

Nun scheint es nicht nur so zu sein, dass Mamamotzt wie alle geboren habenden Frauen in diesem Land sämtliche Qualifikationen abhanden gekommen sind und sie deshalb für den Arbeitsmarkt untauglich geworden ist. Nein, sie soll sich nach der Scheidung auch noch auf die staatliche Unterstützung namens Beistandschaft verlassen, die es seit Jahren nicht schafft, den Ex zur Erwerbsarbeit zu „ermuntern“. (Ein Anwalt würde vermutlich auch nicht mehr schaffen, aber Kosten verursachen.)

Struturelle Benachteiligung von Müttern respektive Alleinerziehenden wird das nicht sein. Eher so individueller Zufall.
Beten ihr jedenfalls alle konsultierten Stellen vor.

Das mit der Arbeit ist kein Zufall. AufTwitter fragteMom Power jüngst nach „mütterlichen“ Erfahrungen:  

https://twitter.com/mompower_de/status/562693124032839682

Mom Power wurde überrollt mit Erfahrungen von geschassten Müttern! Oft bis zur Geburt des ersten Kindes highpotential, danach offenbar nur noch highrisc potential, Pinzettengriff und ab vor die Tür.

Dabei gibt es unzählige, nicht (ausreichend) greifende Förderprogramme, haben die Frauen hinter Mom Power hier ausgewertet. Das Team arbeitet dran, aus den gesammelten Erfahrungen „etwas zu machen“, und Mamamotzt ist gespannt und wird berichten.

Die schlauen Erkenntnisse desBMFSFJ  sind bislang zumindest nur Theorie:

UND es wird reihenweise den so bezeichneten Umgangselternteilen viel zu leicht gemacht, sich überhaupt nicht um den Nachwuchs zu kümmern.
Gesetzte gibt es, ja. Aber es gibt viele Schlupflöcher und, zurück zum Ausgangspunkt: kaum jemanden, der die Implementierung kontrolliert.

 

Es macht wahnsinnig brastig, wenn frau aufgrund ihrer Mutterschaft beruflich immer wieder abgelehnt wird, aber dem Nachwuchs mehr als die soziale Hängematte eine würdelose Grundsicherung bieten möchte.
Und Sachbearbeiter wie Beistände anscheinend reihenweise ihren Job hinschmeißen, dauerhaft erkranken, gestrichen werden etc. pp.
Der Sachbearbeiter der Beistandschaft von Mamamotzt ist mal wieder *weg*, es gibt keinen Ersatz. Bis ein neuer eingestellt wird, passiert wieder … richtig: nichts!

Ex zahlt vermutlich in keinem Fall etwas, aber eine staatlich abgeschickte Ermahnung wäre erstens nicht schlecht. Und zwotens muss Mamamotzt immerhin dokumentieren, dass sie sich fortlaufend um die Anmahnung des den Brillanten zustehenden Unterhalts gekümmert hat. Sonst verfällt der Anspruch der Kinder.