Narben brechen auf: Bitte um Unterschrift

Warum triggern Themen, die sich auf gemeinsames Sorgerecht beziehen, Mamamotzt eigentlich so?
Aktuell das Thema Anmeldung weiterführende Schule.

Theoretisch sollen das beide sorgeberechtige Eltern entscheiden, und wenn der Ex davon wüsste (wie kann man erwarten, dass er als mehrfacher Vater von alleine weiß, wann seine Kinder die Schulen wechseln, wo er nicht mal die Ferientermine in Erfahrung bringen kann ohne Silbertablett?!), dann würde er seinen hochwichtigen Senf dazugeben.

Mamamotzt wird die Anmeldung erneut alleine vornehmen. Sie kennt das Kind, sie machte mit dem Kind Hausaufgaben, sie lernte mit ihm für Prüfungen und sie kennt die Schulen am Ort.
Ex hat nur einmal in addierten 13 Jahren Schulkindjahren die Schule aufgesucht (selbst die letzte Einschulung hat er verpasst geschweige denn je eine mit vorbereitet etc. …), echauffierte sich, und seitdem müssen Schule und Mamamotzt ihm alle Informationen hinterhertragen. Ex macht nichts draus, aber es ist halt sein Recht und wird lautstark eingefordert!
Kein Erscheinen zu Elternabend, Klassenfahrtbesprechungen und Schulfesten, nichts. Aber wehe, die Infos kommen nicht!

Es gibt somit glücklicherweise meist keine Diskussionen außer der, dass Ex als Vater natürlich am besten weiß, was das Richtige für seine Kinder ist (kicherkicher) und Mamamotzt entscheidet souverän.
Aber warum triggert es jedesmal so, wenn es um das gemeinsame Sorgerecht geht und Mamamotzt Ex um bsp. Unterschriften bitten muss?

Weil das dem Ex eine wichtigere Position zuweist, als er in der Familie besetzt? Weil sie durch fehlende Unterschrift blockiert wird in der Alltagssorgeausübung, aber dennoch die kompletten Alltagspflichten tragen muss? (Unterschriften kommen, wenn benötigt, meist irgendwann, vier bis sechs Wochen später, man muss nur ausreichend hartnäckig hinterher sein, bekommt Ärger wg. verspäteter Einreichung etc. etc.) Weil man sich den Ärger sparen könnte?

Weil man nicht versteht, wie Menschen sich so widersprüchlich verhalten und einerseits anhaltend behaupten, dass sie durch Mamamotzt separiert werden, aber andererseits keinen Finger krumm machen für die Kinder?

Die Verhältnisse sind seit Jahren gleich, vielleicht schon seit immer. Mamamotzt müsste mit der Situation längst klar sein. Aber an Tagen wie diesen rast das Herz und die Forderung, bitte jetzt gemeinsam mit dem Ex etwas tun zu sollen, empfindet sie im jeweiligen Moment als höhnische Beleidigung und Entwertung ihres ganzen Lebens und der 24/365 Bemühungen. Irgendwie.

 

 

 

Sorgerecht, vom Haben und Teilen müssen

Einem Freund wurde das Sorgerecht entzogen. Unverheiratet konnten sich beide Eltern nach der Trennung über diverse Themen nicht einigen, es gab viele Auseinandersetzungen vor Gericht. Teilweise spielte bei beiden verletzte Eitelkeit eine Rolle, der andere sollte mit seinen Ansichten nicht durchkommen, teilweise hatten sie einfach konträre Meinungen. Aber: Beide haben sich immer gut um die Kinder gekümmert. Er würde das gerne auch weiterhin tun. Nun darf er es nicht mehr.

Manchmal träumt auch Mamamotzt von mehr Autonomie als erziehender Elternteil oder wahlweise mehr Pflichten für den Umgangselternteil. Jede Unterschrift, die vom Ex eingeholt werden muss, verursacht Bauchweh und verzögert den betreffenden Prozess enorm. Die Einschulungen hat er unterschrieben, Mamamotzt musste ihn vergleichsweise wenig drum bitten (naja, ihn halt überhaupt erstmal suchen und finden!), damit sind die Kinder in der Schule. Bankkonten das gleiche, die Kinder bekamen Konten, die er unterschrieben hat, als sie ihn mal erwischte. Ausweise, als sich ein Urlaub im Ausland abzeichnete und es ratsam schien, Ausweisdokumente für die Kinder zu besitzen, klappten nicht mehr.

Es fühlt sich ungeheuer schlecht und ungerecht an und erzeugt ein Ohnmachtsgefühl, dass ein Elternteil, welches sich kein Mü um die Kinder kümmert, außer ab und an seine Elternschaft plakativ zu betonen, theoretisch immer und praktisch oft genug in Entscheidungsfindungen oder Prozesse die Kinder betreffend eingebunden werden muss/sollte und vor allem jederzeit eine Menge davon blockieren kann. Vieles entscheidet Mamamotzt inzwischen einfach alleine. Wohl wissend, dass es anfechtbar ist und sie sogar gerichtliche Verfahren riskiert und die sogar verlieren würde.

Als Beispiel die Wahl der weiterführende Schule: Es wurde die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten verlangt, die tätigte Mamamotzt. Also weiß der Ex bis heute nicht, auf welche Schule das älteste Kind geht. (Fragt auch nicht.) Warum auch, er ist durch seine Vaterschaft an sich schon so gestresst. Er weiß nicht, welche Fremdsprachen die Kinder wählen, ihre Lieblingsfächer, ihre Hobbies, wo die Schulen sind etc. Wenn ihm einfallen würde, dass er ja auch ein Wörtchen hätte mitreden dürfen, kann er sich immer noch beschweren und klagen. Zu Recht. Was für ein Generve!

An einer früheren Schule hat er Mamamotzt mit Wonne wortgewandt und lautstark diskreditiert, lässt sich seitdem alle schulischen Infos schicken, hat sich dann aber nie wieder dort gemeldet. Die Schule hat die heiße Luft inzwischen durchschaut, die er gemacht hatte, und sich bei Mamamotzt entschuldigt. Wenn er sich leider nicht kümmern kann, aus welchen Gründen auch immer, braucht er das gesetzlich abgesichert nicht. Aber Mamamotzt muss ihm trotzdem alles andere hinterhertragen. Denn Rechte hat der Mann nunmal.

 

So zerstreiten wie der Freund will Mamamotzt sich übrigens nicht, nur um das alleinige Sorgerecht zu bekommen. Zu viel Aufwand und ungesund, soviel Streit. Letztlich hat sie sich mit der heißen Luft der letzten Jahre ganz gut arrangiert und fährt einfach ihre OneWoman-Show weiter. Einigermaßen ungestört und dennoch bewusst, das ihr jederzeit eine Anklage droht.

Exemplarisch für viele Alleinerziehende

Mama motzt sich hier ihre höchstpersönliche schlechte Laune aus dem Leib, die sie ihren Brillanten nicht zumuten mag. Gegrübelt hat sie für sich alleine lange genug, gestresst war sie oft, Hürden stehen immer wieder mal auf dem Weg. Der Dampf muss raus. Hindernisse existieren.
Ginge es Mamamotzt darum, persönlich diskreditieren zu wollen, würde sie das anders tun. Hier werden bloß Fakten aus dem Alltag repliziert. Exemplarisch für Viele.

Ihr Grunddilemma ist nicht das Alleinsein, nicht das Alleinsein mit Kindern, nicht die Elternschaft, nicht das Vereinbaren von Arbeit und Kindern. Alles gar kein Problem. Ihr stößt auf, dass der Umgangselternteil sie ziemlich komplett alleine lässt, was die Verantwortung für die gemeinsamen Kinder betrifft. Obwohl er gehirnwäscheartig das Gegenteil behauptet. Und damit für seinen Teil erfolgreich ist.

Sie sieht nicht, wann er sich um die Kinder kümmert, obwohl er sagt, er tue das ausgiebig.

Sie findet keine gemachten Hausaufgaben bei den Kindern, obwohl er das doch gerne macht, wie er sagt.

Sie bemerkt nicht, wann er die Kinder zu ihren Hobbys transportiert, obwohl er das natürlich tut, behauptet er doch.

Sie fragt sich, ob er jemals finanzielle Verantwortung übernehmen wird, obwohl er seit Jahren davon spricht und seither keinen Cent übrig hatte.

Achso, zuletzt habe sie ihn all das nicht tun lassen. Sagt er. Er wolle das alles und noch viel mehr so unbedingt, doch sie verhindere das einfach. Der Arme, er wird dafür von seinem gesamten Umfeld sehr bemitleidet. Quasi alleinerziehender Vater ist er und Mamamotzt schmeißt ihm einen Knüppel nach dem anderen zwischen die Beine. Das Leben ist so hart.

Die Kinder warten übrigens auf all das, seit Jahren, und können sich nicht mal einer Premiere entsinnen.