Therapie ja-nein?!

Das Blog, um Gedanken zu sortieren. Weil kein Vertrauter/r da ist, mitzusortieren. Auf, auf!

Ein Brillant hat eine LRS und könnte Therapie gebrauchen. Die Diagnose kam in den Sommerferien und für Mamamotzt überraschend. Das Kind hat eigentlich doch psychische Problem, ist meganiedergeschlagen. Es liest und schreibt flüssig, und dass die Generation „Schreiben nach Gehör“ da etwas hinkt, hat doch bis jetzt niemanden gestört.

Die Ärztin wirft seelische Behinderung und einen §35A (KJHG) in den Raum. Ja, das passt! Komplettblockaden, Verweigerungshaltung bis zum Maximum etc. In der Schule. Außerhalb immer seltener. In der Freizeit fast gar nicht mehr (Aufräumen zu Hause etc., das kennen doch bestimmt viele).

Da will man natürlich fördern, oder soll das Kind weiterhin den Leidensdruck verspüren? Also: Therapie!
Am besten einen Antrag stellen auf Kostenübernahme, denn eine Einheit ist dammisch teuer. Mindestens 50 Euro! Und in etwa kann man mit 50 Sitzungen rechnen. Wochentakt. Das sind rund 2500 Euro im Jahr. Heißa hoppsa!

Ahnungslos stellt Mamamotzt den Antrag auf Kostenübernahme und muss nach weiteren Wochen des Wartens in einer stundenlangen Sitzung erfahren, dass:

  • hier auch nochmal viele Anträge gestellt werden müssen.
  • unbedingt der Ex alles absegnen muss (Himmel, bloß nicht! Gibt nur Stress und Gerenne und sein Wichtigkeits-Getue, eine Unterschrift aber eher nicht oder erst seeehr spät.).
  • sehr enge Zusammenarbeit gefordert wird mit dem Elternhaus (sprich: dass Mamamotzt zu x Terminen antanzen muss, Buch führen muss, usw. Ex ist natürlich entschuldigt).
  • es mindestens ein Jahr dauert, bis über den Antrag entschieden wird, Unterbesetzung, UND viele weitere Untersuchungen im Vorfeld stattfinden. Die vorher schon in ebenfalls monatelanger Wartezeit für die Diagnose durchgeführt wurden. WTF?!
    Zeit verplempern ohne Ende!

Per Antragsstellung ist man zudem drin in der Überwachungsmaschinerie des überregionalen Jugendamts. Abgestempelt als: „unfähig“. Vielleicht ist es nicht so oder man sollte es nicht so sehen. In Mamamotzts Ohren klingt es aber so.
Allein ihre Nachfrage bezüglich der gemeinsamen Unterschriften wurde so barsch abgewiegelt, dass sie sich bereits als Querulantin wahrgenommen fühlt.
Danke, Ex!
Begründung für gemeinsame Unterschrift: Ex könnte ja nicht einverstanden sein.
SUPER! Tut nichts, macht nichts, kümmert sich nicht, aber so eine Einverständnisabsage (wie heißt das?!) ist dann mal wichtig?! *bückenddenKotzstrahlwegwisch

Beschleunigen

Es geht auch schneller, nämlich für Selbstzahler. Dann dauert der Therapiebeginn nur wenige Monate, bis irgendwo ein Platz frei wird.

Und vielleicht genügt ja der Nachteilsausgleich in der Schule, der zu gewähren ist. Allerdings: wenn die Schule findet, dass das nicht nötig ist, dann gibt es eben keinen. Entscheidungshoheit liegt bei der Schule.
Warum gibt es dann die Gesetze? Eine Schulleitung, die keinerlei Nachteile anerkennt, hat Mamamotzt schon erlebt. Der starke Autist solle sich halt mal zusammenreißen, hat da gehießen. Seine Eltern ließen nicht locker, am Ende gab es einen Ausgleich und eine Begleitung.

Gut informiert

Immerhin hat Mamamotzt jetzt wieder Neues gelernt, es war ein Eintauchen in eine völlig neue Sphäre, die Kinder- und Jugendförderung.

Ob das so gut ist, wie es ist, will sich ihr gerade nicht erschließen. Riesenapparat an Menschen und Gesetzen, Abläufen und Vorschriften, um einem Kind letztlich pro Woche eine Stunde an Qualitätszeit zukommen zu lassen, die sich positiv auf die weitere Entwicklung auswirken soll.

 Das Problem liegt woanders

Nette Sätze aus dem Lern-Förder-Kreisel sind:
„Akzeptieren Sie als Eltern, dass nicht jedes Kind ein späterer Nobelpreisträger wird.“
„Nicht jede unterdurchschnittliche Note ist krankhaft, manche Menschen haben einfach kein Talent für die Schule, was sie nicht daran hindert, ein erfülltes Leben zu führen.“
„Beschäftigen Sie sich mit Ihrem Kind!“
„Zuviel TV schadet einigen Kindern mehr als anderen.“
„Alle Kinder können Mathe, wenn sie denken können. Sie lernen aber nicht alle mit den gleichen Regeln gleich gut.“

Diese Sätze sind kunterbunt aus der Erinnerung geschrieben.

Aber das Lernproblem steht nach Mamamotzts Erachten nicht im Vordergrund. Das Kind ist nicht depressiv, weil es schlechte Noten schreibt, sondern aus anderen Gründen, UND es schreibt deswegen oder vielleicht auch noch dazu schlechte Noten.
Ihr Ansatz ist nach wie das Selbstwertgefühl dieses Kindes. Das schon fast immer auffallend gering ist, aber sich bereits sehr gut gefestigt hat. Durch Mutterpower. Rückhalt. Förderung. Ohne es laut als Problem samt Förderung zu benennen. („Tscheisson kann dies nicht und das nicht, nicht wahr, Tscheisson? Und dann hat er diese Therapie und jene Therapie und dann noch den Termin, nicht Tscheisson, aber es hilft alles nichts. Denn, Sie sehen ja, Tscheisson spricht ja nicht, wenn andere dabei sind, nicht, Tscheisson?!“ 1 zu 1 erlebt, nur das Kind heißt anders.)

Die Einordnung in eine seelische Behinderung und Therapieanträge etc. wurden auf einer von einer Kopie einer Kopie kopierten Kopie übergeben. Massendiagnose, offenbar.
Verlegenheitsdiagnose?
Kann ja nicht schaden?

Offene Fragen

Es bleiben in der ersten Panik, was für eine riesige Maschinerie angeschmissen wird für ein paar „Nachhilfestunden“, konfuse offene Fragen.

Was passiert, wenn Mamamotzt sich gegen Therapie entscheidet, auf Nachteilsausgleich in der Schule baut und sich (momentan wider Erwarten) die Probleme doch verschlimmern?

Muss sie dann als „nachlässige“ Mutter Sanktionen fürchten?

Ist es möglich, das Kind anders als mit der nicht passend zu scheinenden Lerntherapie zu unterstützen?

Kämpft sie nicht genug, wenn sie gleich bei so kleinen Anforderungen aufsteckt bzw. sich die Konsequenzen mehrfach überlegt? (Andere Familien meistern offenbar reihenweise die Anträge und bekommen die Kosten erstattet.)

Tendenz: nicht machen

Der Tenor dieser geschriebenen, öffentlichen Gedanken ist offenbar: erstmal keine Therapie anstreben. Denn eine kurzfristige Hilfe ist die für das Kind ohnehin nicht. Es würde sich derzeit vor Ort rund 9 Monate ziehen, bis es losgeht. Zeit, die das Kind hemmt, weil es denkt, ihm fehle etwas. Sonst bekäme man ja nicht einen Termin nach dem anderen für diverse Untersuchungen, Tests und Gespräche in einer besonderen Einrichtung.

Für das betroffene Kind passt irgendwie nicht. Mutterinstinkt.

Beim Sprechen darüber äußerten zwei Familien, sie hätten die Therapie abgebrochen, v.a. weil die Kinder nicht mitmachen, bei einer Familie hat es gut geklappt. Komplett verschiedene Settings, verschiedene Bundesländer.

Ach, liebes Internetz, danke für deinen Platz zum Gedanken sortieren!

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2 Gedanken zu „Therapie ja-nein?!“

  1. Ich hab jetzt relativ lange darüber nachgedacht dir dazu ein paar Gedanken und Erfahrungen von mir zu schicken.
    Ich mach das jetzt mal

    Mein Kind… traumatisierte und mit ADS gesegnet hat von ihrem 5. Lebensjahr an bis jetzt zum Sommer, Therapie gemacht. Das waren alles in allem nun 8 Jahre.
    Davon waren
    3 Jahre Spieltherapie
    3 Jahre Musiktherapie
    und sie hatte für
    3 Jahre eine Einzelfallhelferin.

    Meine Erfahrungen sind
    Die Spieltherapie hat nichts gebracht. Grund. Es wurde eine Eltern Kind Therapie daraus.
    Das war nix für mein Kind. Sie fühlte sich sehr schnell verraten da alles was sie mit dem Therapeuten besprach auch bei den Eltern Thema war. Das wurde vom Vater sehr schnell ausgenutzt und es gab dann Situationen in denen die Therapeutin versuchte die Sachen durchzusetzen beim Kind die der Vater wollte, das Kind aber ablehnte. Sehr ungünstig und dafür war meine auch zu Klever um das nicht zu bemerken. Sie hat dann einfach da eine Schöne Stunde verbracht., aber therapeutisch war das ein Reinfall.
    Sehen wollte das keiner aber….. wenn man sie heute danach fragt bestätigt sie das, was ich damals immer gedacht und gesagt habe.

    Die Musiktherapie war sehr sehr gut. Sie hat dort gelernt Gefühle wahrzunehmen und Auszudrücken. Sie hat gelernt das sie in einer Gruppe ein wertvolles Mitglied sein kann und das sie sein darf wie sie will.

    Die Einzelfallhelferin war ein Segen. Die wurde übers Jugendamt angestossen.
    Maus war mit Ritalin in der Schule ruhig gestellt um überhaupt lernen zu können. Damit Menschen sie „ertragen“ konnten. Ein schrecklicher Teufelskreis mit Depressionen in Phasen und mit den Traumata manchmal echt an der Grenze zur Einweisung in die Kinderpsychiatrie. Alleine weil wir alle Angst hatten das sie ganz den Bach runtergeht.
    Die Einzelfallhelferin war nur für sie da.
    2 Stunden die Woche. Es wurde nie etwas in die Familie getragen. Das war ihr Schutzraum.
    Den konnte sie voll nutzen, für sich und für alles. Sie wusste das nichts weitergegeben wird.
    Sie hat sie in der Schule unterstützt, beim Vater wenn es aus dem Ruder lief. Aber immer nur mit dem Blick aufs Kind.

    Jetzt heute Menschenkompatibel, ohne Ritalin und mit viel Freude am Leben, gut in der Schule und mit dem Ehrgeiz irgendwann Abitur zu haben und Autorin zu werden.
    Lesen und schreiben ist ihr Leben.

    Therapie ist wichtig in manchen Momenten. Aber es muss die richtige sein.
    Sie sollte dem Kind das Gefühl geben das es um Ihn geht. Das es etwas ist das ihn weiterbringt. das es dabei nicht darum geht was andere denken, tun oder wollen, Er muss im Mittelpunkt stehen. Einen Raum haben in dem er frei seine Gedanken äussern kann ohne Angst zu haben das geht wieder an 3.

    Von Familientherapie halte ich nur was wenn es die ganze Familie betrifft. Ansonsten sollte der Therapeut fürs Kind da sein.
    Ich seh wie du die Ansätze falsch bei dem was du schreibst.
    Ich würde da weitersuchen, ganz in Ruhe. Eine Therapeutin die für ihn da ist.
    Ich weiss nicht welches Bundesland du bist, hier bei uns ist das Jugendamt sehr gut und immer ein hilfreicher Ansprechpartner. Das ist wohl bei euch nicht so- Das ist schade

    Euch viel Glück bei dem weiten Weg.

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