Bei Gericht

Ein Gericht, eine terminierte Anhörung, eine Anwesende und ein Richter.

Der Richter erfragt die Gegebenheiten, sucht nach dem sogenannten Antragsgegner, findet keinen und beginnt sein Diktat ins Aufnahmegerät. Als er fast fertig ist, geht die Tür auf ein Ex aka Antragsgegner betritt die Szene.

Er wird befragt und nutzt die Chance zum großen Gegenschlag. Er habe von nichts gewusst. Das Einschreiben sei so flugs verschwunden, dass er es nicht abholen konnte. Ansonsten sei er überhaupt nicht in Kenntnis gesetzt worden und werde absichtlich massiv von seinen Kindern ferngehalten.

Er müsse sich nicht rechtfertigen, um Umgang zu haben.

Der Richter versucht, dazwischen zu dringen und an das Thema Teilsorge zu erinnern.

Es sei doch völlig gleich, wie und wo er seine Zeit verbringe und mit was er sich beschäftige oder wie er den Umgang gestalte, er habe biologisch das Recht auf Umgang. Weil die Brillanten nur ihn als Vater hätten.

Der Richter bestätigt, dass Umgang generell wichtig sei. Aber in diesem Gespräch gehe es bitte um Teilsorge.

Ex findet es unmöglich, dass er auf seine Mails an Mamamotzt keine Antwort bekomme. Die wiederum fragt sich, welche Mails er ihr geschrieben hat?

Ex wettert und schimpft und wedelt mit einen riesigen Stapel loser Zettel herum, legt sie links auf den Tisch, stapelt sie ein wenig rechts einen auf den anderen auf, ordnet sie auf den Tisch hauend und tut alsdann gleiches auf der rechten Seite.

Mamamotzt fragt sich innerlich, warum Ex nicht nachhakte, worum es gehe, sobald er die Ladung erhalten hatte. Es waren gut vier Wochen Zeit. Irgendwie wundert sie sich auch, warum Ex nicht jetzt mal fragt, was der Brillant hat und in welcher Hinsicht er leidet.

Derweil ist Ex beschäftigt, darzulegen, wie schlecht Mamamotzt ist und wie negativ sie auf die Brillanten einwirkt. Und hat tatsächlich keinen Drucker, denn er hat alle ihre Mails abgeschrieben und wedelt damit herum! Siehe Zitat aus altem Blogpost:

Warum keine Mail, kein Fax, kein sonstnichts?
Weil Ex nicht über einen Drucker verfügt. Und falls er inzwischen einen hätte, wäre Papier oder Farbe alle und er zu klamm, neues zu kaufen, oder, oder, oder.
Es war die vermeintlich leichteste Möglichkeit für ihn, dem Kind die benötigte Unterschrift zu gewähren.

Der Richter fragt immer wieder, ob der Ex denn bereit sei, die Unterschrift an Ort und Stelle zu leisten. Und der Richter erinnert immer wieder daran, dass es gerade um Teilsorge geht. Nicht um Umgang.

Schließlich unterschreibt Ex gönnerhaft nach gewissenhaftem Studium des Infozettels, der ein blanker Infozettel mit drei Adressen (seiner, der von Mamamotzt und der der Praxis) ist, sonst steht nur noch drauf, dass beide Eltern einer Behandlung in der Praxis zustimmen müssen. Mehr nicht. Worum es bei Therapie geht, weiß Ex also immer noch nicht. Er fragt auch nicht. Warum auch, ihn interessiert nur der ihm rechtlich zustehende Umgang.

Und Telefonate mit den Kindern. Und dass mal endlich einer feststellt, wie blöd Mamamotzt ist. Die kümmert sich gar nicht um das Kindeswohl, das im wesentlichen aus Umgang mit Ex besteht. Und zitiert uralte Kamellen.

Auf Fragen, was er beruflich macht und wieso er den Umgang nicht an den vereinbarten Terminen wahrgenommen hat, geht er nicht ein. Muss er ja auch nicht, denn: rischdisch, es geht ja nicht um Umgang sondern um Teilsorge.

Der Richter erklärt zum ca. zwölften Mal, dass es gerade um Teilsorge geht, das ja aber auch egal sei, weil es sich soeben durch Exens Unterschrift erledigt habe. Aber er hege ein wenig den Eindruck, dass die Kommunikation zwischen beiden Elternteilen nicht … besonders gut … laufe.
Und daran wiederum könne er jetzt hier gar nichts ändern. Aber um Aktionen wie diese quantitativ in Grenzen zu halten, wäre es total prima, wenn sich die Kommunikation verbessere. Das Jugendamt könne prima helfen. Wenn beide einverstanden wären.

Das diktierte er sodann in sein Aufnahmegerät.

Auf der Aufnahme wird auch zu hören sein, wie Ex darauf besteht, dass es für die Brillanten total wichtig sei, Umgang mit ihm zu haben. Mindestens zweimal setzte der Richter seine Aufnahme neu an, weil der Ex einfach parallel punkt- und kommafrei weitersprach, aber beim dritten oder vierten Mal war es dem Richter wohl egal.

Stimme aus dem Off: So wurden locker zwei Monate verplempert bei der dringend angezeigten Behandlung des Brillanten. Aber das macht nichts, denn am Ende siegte die Vaterliebe und der den Brillanten über alles liebende Vater hat letztlich zugestimmt und das allein ist wichtig.
Blöde Mamamotzt, die sich um rein gar nichts kümmert.

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VORHANG ZU

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8 Gedanken zu „Bei Gericht“

  1. Willkommen in Absurdistan! Traurig, dass Gerichte da keinen Riegel vorschieben können/wollen und die Verantwortung ans Jugendamt abtreten.

    Wenn sich der Ex derart gebärdet, stellt sich mir fast die Frage ob seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit. Im Endeffekt zählt jetzt erst einmal nur die ENDLICH zu beginnende Therapie. Wünsche euch gutes Gelingen dabei.

    LG

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    1. Jahrelang, immer wieder, läuft das exakt so. Schweigen ist eben auch eine Form der Kommunikation.
      Wenn der Ex eine gewisse Ahnung von den Kindern hätte, weil er wenigstens mit ihnen spricht, wäre das ja toll. Aber er holt sie nicht und schweigt sich Mamamotzt gegenüber komplett aus.

      Er muss das Interesse an den Brillanten hoch halten, weil es seine Männlichkeit belegt. Dafür reichen jährliche Lippenbekenntnisse.

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    2. Was’n Trottel. Es gibt so viele Väter, die ihre Kinder liebend gerne sehen würden und nicht dürfen. Die sollte man vielleicht mal mit so einem Pseudo-Ichdarfnicht-Papa in einen Raum sperren. Mit Nudelholz. Die würden ihm schon einiges erklären. Nur mal so als Idee. Muss ja nicht umgesetzt werden

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  2. @Susanne: besorg Du die Väter die nicht dürfen….ich gebe noch einen zweiten, der nicht will dazu 😀
    Hauptsache Du besorgst auch wirklich Väter, die nicht dürfen und nicht solche, die im Zweifel einfach sagen, dass die Ex die Kinder nicht rausrückt

    @Mamamotzt: wenn ich das nächste Mal bei Gericht sein werde – nehme ich deine Anekdote mit – vielleicht kann meiner das mit dem Umgang noch toppen 😉

    Ich finde Schweigen ist eine tolle Kommunikation mit solchen Männern und ihren EGOs – drück mal deine Brillanten, die haben es verdient.

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