Offener Brief an einen Vater

Lieber Vater,

meine Grundschulzeit ist jetzt zu Ende.

Du warst für mich jeden Tag sehr wichtig! Auf meinem Schreibtisch steht ein schönes Bild von dir mit Anzug und Schlips. Das gefällt mir so gut – wenn Mama es erlaubt hätte, wäre ich jeden Tag mit Schlips und Anzug in die Schule gegangen. Ich kann damit auch Fußball spielen in der Pause, und im Unterricht hätte ich ausgesehen wie du!

Am Anfang hatte ich es sehr schwer, ich konnte nicht gut schreiben. Den Stift festzuhalten tat mir weh. Du kennst aber gute Übungen für sowas, du bist Experte.
Ich habe nicht gerne geschrieben und auch sehr langsam, und auch das Lesen machte keinen Spaß. In Mathe war ich super, aber nur mündlich. Die Aufgaben im Heft konnte ich ja nicht lesen.
Damals wollte ich nicht mehr leben!

Jeden Tag musste ich bis sechs oder sieben Uhr nach der Schulbetreuung Hausaufgaben zu Ende machen. Das war sehr blöd!
Mama hat mir jeden Tag geholfen.

Irgendwann bin ich eine Klasse zurück gegangen, seitdem konnte ich alles alleine machen in der Schule.
Ich bin an der Schule das beste Kind im Schach und laufe am schnellsten von allen, habe viele Freunde und finde es sehr schade, dass ich die nun nicht mehr alle jeden Tag sehen kann.

Auf meine neue Schule freue ich mich jetzt auch, obwohl ich vor ein paar Wochen noch große Angst hatte.

Leider habe ich dich in all den Jahren fast nie gesehen.
In der Schule warst du nie und hast mich auch nie danach gefragt.
Weißt du überhaupt, auf welche Schule ich jetzt komme? Mama hat mir sogar schon den neuen Ranzen gekauft!

Warum hast du mir beim Schreibenlernen damals nicht geholfen? Du bist doch Experte?!

Vielleicht sehen wir uns bald mal. Mama hat alle Termine in den Plan am Kühlschrank eingetragen. Aber meistens, wenn wir auf dich warten, kommst du gar nicht.

Dein Kind

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Eine Mail wie jede Mail

Mail vom Ex. Antwort immerhin auf eine von Mamamotzt.

Eingegangen auf den Inhalt? – Gar nicht.

Beleidigungen, Vorwürfe, Drohungen? – Mal wieder ausnahmslos, beleidigte Machoehre!

In der Familiensprache? – Nein, warum auch?! War ihm nicht nach.

 

Natürlich, es ist ein Stück Datenmüll zum Vergessen, Abhaken, am besten Löschen.

Es ging Mamamotzt um die Kinder, um den nächsten Umgang. Es geht dem Ex darum, wer der bessere Elternteil ist (er, ist ja wohl klar!, sie verdirbt die Kinder mit ihrem Handeln komplett) darum, dass er Rechte hat, und darum, dass Mamamotzt Pflichten ihm gegenüber hat.
Gähn!

Das ratlos-wütende Gefühl auf ihrer Seite nimmt ab, die Empörung über soviel Schwachsinn bauscht sich nicht mehr so mächtig auf wie bisher. Wahrscheinlich nennt man das emotional Abstand gewinnen.
Bliebe nicht die Hoffnung, dass irgendwann mal eine relevante Botschaft über die Mails kommt, wäre Umleitung auf P eine ziemlich sinnvolle Lösung.

Manche werden nie erwachsen!

 

 

 

Klartext: Gemeinsames Sorgerecht

Gemeinsames Sorgerecht bedeutet für Mamamotzt als Alltagselternteil ausschließlich folgende PFLICHTEN:

Sie trägt alle Kosten (Wohnung, Ernährung, Kleidung, Schule, Hobbies etc.) ausschließlich alleine.
Sie kümmert sich ausschließlich alleine um die Erziehung 24/365.
(3x Hausaufgaben tgl., Zahnspange, Therapietermine inkl. Üben, Hobbies, Geburtstage, stark machen, lieb haben, waschenkochenputzen etc. etc. etc. pp.)
Sie wird als einzig greifbarer Elternteil reichlich für Nachlässigkeiten des Ex verantwortlich gemacht.
Sie ist Schuld, wenn irgendwas mit den Brillanten nicht stimmt, weil sie alleine Einfluss hatte.
Sie kann keine Hilfsangebote beantragen, weil es keine passenden gibt.
Sie muss die Brillanten wohlwollend auf den Ex einstimmen und positiven Einfluss auf ihre Vatersicht ausüben.
Sie hat Sanktionen zu fürchten, sollte sie ihren Pflichten nicht nachkommen.

 

Gemeinsames Sorgerecht bedeutet für Ex als Umgangselternteil ausschließlich folgende RECHTE:

Ex braucht nur das für die Brillanten tun, was er möchte, und auch nur, wenn er kann.
Ex darf eine querfinanzierte, große Wohnung beziehen, weil er Umgangselternteil ist, braucht keinen Unterhalt zahlen, weil er nicht kann und muss nicht arbeiten, weil es nicht geht.
Ex kann zu nichts verpflichtet werden, denn wenn er widerwillig den Brillanten gegenüber auftreten würde, würde ihnen das nicht zum Wohl gereichen.
Es darf immer wieder Rechte geltend machen, um zu dokumentieren, dass Mamamotzt nicht so springt, wie er wünscht, denn dann muss sie unter Kontrolle springen.
Ex darf bei allen Entscheidungen sein (unbegründetes) Veto einlegen. Er hat das gemeinsame Sorgerecht, und das ist unantastbar.
Ex braucht keine Sanktionen fürchten.

 

Wie Mamamotzt gestern und heute im Netz las, gibt es mehr und mehr dieser Umgangselternteile. Rosenkriege sind nichts schönes, sehr gut, dass es einen solchen bei ihr nicht gibt!

Ein dermaßen desinteressiertes Verhalten schadet Kindern aber mindestens ebenso und macht viel kaputt, weil sie sich machtlos fühlen und früh lernen, dass sie und ihre Bedürfnisse und Gefühle nichts wert sind. Mütter bzw. Alltagselternteile zermürbt so ein Verhalten, dem kaum Einhalt zu gebieten ist mit aktuellen Mitteln.

GEGEN DEN MISSBRAUCH DES GEMEINSAMEN SORGERECHTS,
FÜR EINE DURCHSETZUNG DER GEMEINSAMEN SORGEPFLICHT

Sorgerecht, vom Haben und Teilen müssen

Einem Freund wurde das Sorgerecht entzogen. Unverheiratet konnten sich beide Eltern nach der Trennung über diverse Themen nicht einigen, es gab viele Auseinandersetzungen vor Gericht. Teilweise spielte bei beiden verletzte Eitelkeit eine Rolle, der andere sollte mit seinen Ansichten nicht durchkommen, teilweise hatten sie einfach konträre Meinungen. Aber: Beide haben sich immer gut um die Kinder gekümmert. Er würde das gerne auch weiterhin tun. Nun darf er es nicht mehr.

Manchmal träumt auch Mamamotzt von mehr Autonomie als erziehender Elternteil oder wahlweise mehr Pflichten für den Umgangselternteil. Jede Unterschrift, die vom Ex eingeholt werden muss, verursacht Bauchweh und verzögert den betreffenden Prozess enorm. Die Einschulungen hat er unterschrieben, Mamamotzt musste ihn vergleichsweise wenig drum bitten (naja, ihn halt überhaupt erstmal suchen und finden!), damit sind die Kinder in der Schule. Bankkonten das gleiche, die Kinder bekamen Konten, die er unterschrieben hat, als sie ihn mal erwischte. Ausweise, als sich ein Urlaub im Ausland abzeichnete und es ratsam schien, Ausweisdokumente für die Kinder zu besitzen, klappten nicht mehr.

Es fühlt sich ungeheuer schlecht und ungerecht an und erzeugt ein Ohnmachtsgefühl, dass ein Elternteil, welches sich kein Mü um die Kinder kümmert, außer ab und an seine Elternschaft plakativ zu betonen, theoretisch immer und praktisch oft genug in Entscheidungsfindungen oder Prozesse die Kinder betreffend eingebunden werden muss/sollte und vor allem jederzeit eine Menge davon blockieren kann. Vieles entscheidet Mamamotzt inzwischen einfach alleine. Wohl wissend, dass es anfechtbar ist und sie sogar gerichtliche Verfahren riskiert und die sogar verlieren würde.

Als Beispiel die Wahl der weiterführende Schule: Es wurde die Unterschrift eines Erziehungsberechtigten verlangt, die tätigte Mamamotzt. Also weiß der Ex bis heute nicht, auf welche Schule das älteste Kind geht. (Fragt auch nicht.) Warum auch, er ist durch seine Vaterschaft an sich schon so gestresst. Er weiß nicht, welche Fremdsprachen die Kinder wählen, ihre Lieblingsfächer, ihre Hobbies, wo die Schulen sind etc. Wenn ihm einfallen würde, dass er ja auch ein Wörtchen hätte mitreden dürfen, kann er sich immer noch beschweren und klagen. Zu Recht. Was für ein Generve!

An einer früheren Schule hat er Mamamotzt mit Wonne wortgewandt und lautstark diskreditiert, lässt sich seitdem alle schulischen Infos schicken, hat sich dann aber nie wieder dort gemeldet. Die Schule hat die heiße Luft inzwischen durchschaut, die er gemacht hatte, und sich bei Mamamotzt entschuldigt. Wenn er sich leider nicht kümmern kann, aus welchen Gründen auch immer, braucht er das gesetzlich abgesichert nicht. Aber Mamamotzt muss ihm trotzdem alles andere hinterhertragen. Denn Rechte hat der Mann nunmal.

 

So zerstreiten wie der Freund will Mamamotzt sich übrigens nicht, nur um das alleinige Sorgerecht zu bekommen. Zu viel Aufwand und ungesund, soviel Streit. Letztlich hat sie sich mit der heißen Luft der letzten Jahre ganz gut arrangiert und fährt einfach ihre OneWoman-Show weiter. Einigermaßen ungestört und dennoch bewusst, das ihr jederzeit eine Anklage droht.

Ich muss, Ex kann

Sicher war einer der Gründe diesen Blog ins Leben zu rufen, die latente Unzufriedenheit, die ein nicht allein-sorgeberechtigter, aber komplett alleinerziehender Elternteil hat, was diesen Punkt betrifft. *

Der Umgangselternteil (UET), also der, der die Kinder nach der Trennung (hier: Scheidung) sehen kann, wann er will, und auf gar keinen Fall muss, wenn er nicht will (offiziell: „leider nicht kann“) hat vor allem Rechte, aber tatsächlich kaum bis gar keine Pflichten.

Als da wäre der berühmte, regelmäßige Umgang: Wenn der UET spontan an fiesem Männerschnupfen erkrankt (besonders oft im Frühling zu Beginn der Cabrio-Saison oder zu anderen, veranstaltungsstarken Jahreszeiten), kann er selbstverständlich den fest eingeplanten Umgang (Die motzige Mama hat sich Kundentermine auf das kinderfreie! Wochenende gelegt …!) eine halbe Stunde vorher absagen.

Gleiches gilt für längere Umgänge in den Ferien. Kann man als UET total vergessen, plötzlich doch noch arbeiten müssen, auf jeden Fall einfach die Kinder nicht abholen. Motzmama wird sie schon nicht auf die Straße setzen.

Als da wären auch die beliebten Unterschriften, die man(n) bis zum geht nicht mehr herauszögen kann, damit es nur nicht zu leicht wird. Im direkten Gespräch versprochen zu unterschreiben, ist schon mal gar nichts wert. Einschreiben kann man sehr wohl nicht erhalten, mit Rückschein werden nicht entgegengenommen und ungeöffnet zurück geschickt usw.

Während die Kohlen immer heißer werden, sitzt UET das gelassen aus. Um in allerletzter mit Unschuldsmine zu unterzeichnen. Bis dahin wurde Motzmama für ihr Unvermögen, eine dusselige Unterschrift beizubringen schon mehrfach angerüffelt.

Und als da wäre: Unter- … – was??? Unterhalt!

Jepp, theoretisch steht den eigenen Kindern Unterhalt zu. Wer Kinder zeugt, muss sie auch versorgen, oder so.  Aber es gibt ungezählte Möglichkeiten bei bester Gesundheit und trotz Arbeit sich so arm oder gleich nicht leistungsfähig zu rechnen, dass sogar Motzmama ob dieses unerschöpflichen Kreativitätspotentials immer wieder bass erstaunt ist. Und nicht nur sie!

Als da wäre als letztes heute die Gesundheitsfürsorge: Alleine kann Motzmama nichts großes in die Wege leiten, dafür braucht sie die Unterschrift vom UET. Der zwar keine Ahnung vom Alltag der Kinder hat, Interesse bei den seltenen Umgängen nach Motzmamas Ansicht bloß heuchelt, aber sein Mitspracherecht vehement einfordert. (UET erhält allerdings alle Mitteilungen üüüberhaupt nicht, in denen etwas von Kostenbeteiligung steht. Ein Schelm, wer …)

Heute also: Ist das Jüngste behandlungsbedürftig, weil es nachts nicht zuverlässig trocken ist und weil es lustiges, aber auffälliges Verhalten zeigt? Motzmama ahnt die Antwort und die unangenehme Konsequenz, und kann sich beileibe nicht vorstellen, wie mit dem UET zusammen eine vernünftige Therapiebegleitung gestaltet werden könnte. Diese Lässigkeit in UETs Verbindlichkeit den Kindern gegenüber, hat dann eine Therapie überhaupt Sinn?

Es gehen Jahre ins Land, bis so ein UET sich selbst durch sein Verhalten ein wenig demontiert. Bis dahin hat er Rechte, und auf die kann er pochen. Und vor allem kann er darauf pochen, leider gerade die theoretisch gesetzlich verankerten Pflichten nicht erfüllen zu können.

Aber Motzmama, die muss, für sie ist es weit weniger optional die Kinder zu versogen und ihren elterlichen Verpflichtungen nachzukommen. Sonst sorgt schon irgendwer dafür, dass es Konsequenzen hat. Für sie und die Kinder. Ach, und Rechte, welche Rechte hat Motzmama doch gleich? Auf jeden Fall keine, die mit Autonomie, Selbstbestimmung oder Arbeitswelt zu tun haben. Naja, also, außer auf dem Papier. Da sind diese Rechte offenbar genauso zahnlos, wie die danebengedruckten Pflichten des UET.

* In gut 90% ist es wie bei Motzmama: Alltagselternteil = Mama, UET = Papa. PC zu bleiben, was sowohl Gender als auch Inhalt betrifft, wird vermutlich kaum gelingen, aber versucht wird es hier wenigstens. Daher das umständliche Geschreibsel, denn nichts läge ferner, als die Situation von Motzmama zu verallgemeinern!